Aktuelles aus der DGSA

Call for Papers

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) 27./28. April 2018, Hamburg

Demokratie und Soziale Arbeit

Teilhabe, Solidarität und bürgerschaftliche Identifikation in einer pluralen Gesellschaft

Soziale Arbeit ist historisch eng mit Fragen von Demokratie und Teilhabe verbunden. Sie verstand sich als wohlfahrtsstaatliche Antwort auf die potenzielle soziale Desintegration von Individuen, Familien und Bevölkerungsgruppen. Und sie stand auch immer wieder in Verbindung mit sozialen Bewegungen, die Demokratie und gleichberechtigte Teilhabe für alle Menschen eingefordert haben. In ihrer professionellen Rolle setzte sie sich für die Stärkung der Perspektive von Bürgerinnen und Bürgern ein. In diesem Kontext erhebt Soziale Arbeit den Anspruch, in ihren Angeboten und Institutionen Orte zu schaffen, an denen Demokratie, politische Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe verwirklicht und gefördert werden. Aktuell muss sie sich als Profession und Disziplin jedoch auch die Frage stellen, ob sie diesen Anspruch noch so umfassend realisieren und gestalten kann, ob sie dafür die geeigneten programmatischen und konzeptionellen Ansätze aufweist. Es ist ferner zu diskutieren, ob die nötigen gesellschaftlichen Bedingungen und institutionellen Strukturen vorzufinden sind – dies vor dem Hintergrund einer sozialen Rahmung, in der, entgegen wohlfahrtsstaatlicher Prinzipien, sozialpolitische Entscheidungen getroffen werden, bei denen soziale Gerechtigkeit gegenüber ökonomischen Erwägungen und Argumentationen an Bedeutung verliert. Soziale Probleme wie Armut oder Arbeitslosigkeit werden dabei als individuelle Bewältigungsleistungen konstruiert und ihre strukturellen Ursachen verdeckt, Fragen sozialer Gerechtigkeit zunehmend dethematisiert. Es geht also darum, durch Partizipation ein solidarisches Miteinander zu kultivieren, den Anliegen marginalisierter Bevölkerungsgruppen (wieder) eine Stimme zu geben.

Die Regierungsform der Demokratie gerät in ihrer westlichen Ausprägung zunehmend unter Druck. Es gibt Menschen, die sich von den politischen Institutionen und gewählten Vertreter_innen nicht hinreichend repräsentiert fühlen. Die damit einhergehende Unzufriedenheit gibt Raum für populistische Kräfte und stellt damit auch die tradierten Formen von Teilhabe und Mitgestaltung in Frage. Aber der Unmut richtet sich aktuell auch immer wieder gegen eine zunehmend empfundene soziale Unsicherheit und Unübersichtlichkeit sowie die moderne vielfältige und offene Gesellschaft. Rechtspopulistische Kräfte kanalisieren diesen Unmut, suggerieren einfache Lösungen für die komplexen Fragen der Moderne und die Möglichkeit einer Rückkehr zu einer weniger unübersichtlichen Gesellschaft. Verteilungsfragen werden in kulturelle Fragen umgedeutet und führen zu Aus- und Abgrenzungen gegenüber konstruierten Gruppen. Demokratiegefährdende Äußerungen, Einstellungen und Handlungen werden zunehmend unüberhörbar, tradierte rassistische Einstellungen gewinnen an Wirkmächtigkeit verbunden mit einer Zunahme entsprechender Übergriffe gegenüber Andersdenkenden und vermeintlich schwächeren Bevölkerungsgruppen.

Parallel zeigt sich aber auch eine höchst lebendige Zivilgesellschaft im Engagement für Vielfalt und Offenheit. Dabei ist ein anhaltend hohes Potenzial an bürgerschaftlichem Engagement und an sozialem Zusammenhalt feststellbar, das aktuell in den vielen neuen und bestehenden Projekten, Organisationsformen und bürgerschaftlichen Initiativen sichtbar wird.       

Im Rahmen von Sozialer Arbeit sind Konzepte politischer Partizipation und gesellschaftlicher Teilhabe entwickelt und werden umgesetzt. Neue Formen der Beteiligung, auch an Hilfeprozessen in der Sozialen Arbeit, werden umgesetzt. Diese reichen in der Einzelfallhilfe von gemeinsamer Zieldefinition, geteilter Entscheidung(-sfindung) und Planung von Hilfen über aktivierende Gruppenmethoden, die Förderung von Selbsthilfe (in Gruppen und Initiativen) bis hin zu Beteiligungsverfahren in Stadt- oder Quartiersentwicklungsprozessen.

Vor diesem Hintergrund sollen vor allem die folgenden Themenschwerpunkte und Fragestellungen in der Jahrestagung vertiefend betrachtet werden:

  • Wie lassen sich politische Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe im Kontext von wachsender Vielfalt und sozialer Spaltung realisieren?
  • Was bedeutet die Diskreditierung der Demokratie für die weitere Entwicklung der Sozialen Arbeit?
  • Inwiefern spielen die neoliberale Verengung des Sozialstaates und das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte zusammen und wie kann sich die Soziale Arbeit hier positionieren?
  • Welche Erfahrungen gibt es in der Sozialen Arbeit mit Teilhabe- und Partizipationsmodellen? Welche Verständnisse von Teilhabe und Partizipation haben sich in der Sozialen Arbeit entwickelt?
  • In welchen Bereichen – auch der Sozialen Arbeit – fehlen bislang partizipative Konzepte?
  • Wie können Selbstwirksamkeitserfahrungen unterstützt werden, die auch die Erfahrung, Bürger_in eines demokratischen Gemeinwesens zu sein, einschließen?
  • Wie lassen sich bürgerschaftliches Engagement und professionelle Soziale Arbeit gut miteinander verknüpfen?
  • Wie können individuelle und auf Gruppen bezogene Hilfen und Unterstützungskonzepte mit anwaltschaftlichem Mandat konkret verknüpft werden?
  • Wie können Fragen der Umverteilung mit Fragen der Teilhabe zusammengedacht und auch in Interventionen der Sozialen Arbeit adressiert werden?
  • Und nicht zuletzt: In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit vom 27.04. bis 28.04.2018 in Hamburg bietet ein Forum für die Präsentation und Diskussion empirischer, theoretischer und anwendungsorientierter Fragen und Zugänge zum Thema.

Wir möchten Interessierte herzlich einladen, sich mit den mit diesem Thema verbundenen Fragen in der Sozialen Arbeit auseinanderzusetzen. Es können Panels ebenso wie Einzelbeiträge eingereicht werden. Vorschläge für Panels (1,5h inkl. Diskussion), Einzelbeiträge (20 Minuten plus Diskussion) und Posterpräsentationen sind bis zum 03.10.2017 an Prof. Dr. Michaela Köttig  Mail: Koettig@fb4.fra-uas.de, einzureichen.

Bitte beachten Sie unbedingt die folgenden formalen Vorgaben: Panels:

  • Verantwortliche (inkl. Kontaktdaten aller Beteiligten)
  • Paneltitel und Kurzbeschreibung des Panels (600 Zeichen)
  • Referierende (nicht mehr als drei Beiträge, bei weniger als drei Beiträgen können weitere Beiträge von den Tagungsveranstalter_innen hinzu gefügt werden)
  • Alle Vortragstitel und -beschreibungen in Lang- und Kurzfassung (2000 und 600 Zeichen)

Einzelbeiträge:

  • Vortragende/Vortragender (inkl. Kontaktdaten)
  • Vortragstitel
  • Vortragsbeschreibung in Lang- und Kurzfassung (2000 sowie 600 Zeichen)

Explizit aufgefordert werden Einsteiger_innen in die Wissenschaft, die sich mit Beiträgen auch in Form eines Posters mit ihrem gegenwärtigen Qualifizierungsprojekt einzubringen.

Hinweis: Der Tagungsbeitrag für Vortragende ist reduziert. Eine Reduktion des Teilnehmer_innen-Beitrags bei verkürzter Tagungsteilnahme ist ausgeschlossen. Die Teilnehmenden sorgen selbst für Anreise und Unterkunft.

Soziale Arbeit und Menschenrechte. Jahrestagung der DGSA am 28. und 29. April 2017

Update: Jetzt mit links zu den Videomitschnitten der key note / Abschlussveranstaltung

Ein Tagungsbericht von Anna Kasten und Daniela Molnar      

 

Soziale Arbeit als Menschrechtsprofession

 

Soziale Arbeit als Menschrechtsprofession „Soziale Arbeit und Menschenrechte“ – ein Thema, das offenbar einen Nerv traf: Am 28. und 29. April fand die Jahrestagung der DGSA unter diesem Motto statt. Die Alice Salomon Hochschule Berlin beherbergte über 500 Teilnehmer*innen, womit die diesjährige Jahrestagung die größte der Geschichte der DGSA war. Die Organisator*innen wurden vor neue Herausforderungen gestellt, so mussten ein ‚Anmeldestopp‘ eingerichtet, eine Warteliste erstellt und passende Räumlichkeiten gefunden werden. Die Eröffnung fand im Cine Star Kino statt – es sei das erste Mal, so Jim Ife, Professor an der Western Sydney University in Australien, dass er einen Vortrag in einem Kinosaal halte. Die Relevanz des Themas wurde bereits in der Begrüßung durch Michaela Köttig, Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences, und Barbara Thiessen, Professorin an der Hochschule Landshut, beide Vorsitzende der DGSA, deutlich betont. Es scheine, dass Menschenrechte weltweit immer stärker als verzichtbar angenommen würden. Verfolgungen und Diskriminierungen nähmen zu, politische Systeme polemisieren und rücken nach rechts. Für die Profession(en) Sozialer Arbeit ist es notwendig, sich noch klarer und eindeutiger zu positionieren und die Menschenrechte als grundlegende Orientierung der Sozialen Arbeit zu reflektieren. Im Namen der „Weltstadt mit Herz“ begrüßte Alexander Fischer, Staatssekretär für Arbeit und Soziales Berlin, die Teilnehmer*innen. Beate Rudolf, Professorin und Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, erläuterte die Selbstverständlichkeit und Herausforderung, die mit der Annahme der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession einhergehe. Bettina Völter, Professorin und Prorektorin der Alice Salomon Hochschule, verdeutlichte die Bedeutung der Thematik für Fachwelt und Gesellschaft und verwies auf den eindrücklichen Banner am Gebäude der ASH: „Menschenrechte – Menschenwürde – Menschlichkeit“. Die Eröffnungsvorträge hielten Jim Ife und Nivedita Prasad. Eindrücklich machte Ife deutlich, dass wir uns in einer krisenhaften Phase der Veränderungen, der Infragestellung unseres demokratischen, neoliberal ausgeprägten Gesellschaftssystems befänden. Hier sei besonders die Soziale Arbeit gefragt, denn ihre Stärke sei es, mit Krisen und Veränderungen zu arbeiten und dabei das Individuum, aber auch Gesellschaft und System in den Blick zu nehmen. Nivedita Prasad, Professorin an der Alice Salomon Hochschule Berlin, war beeindruckt von der Anwesenheit der zwei Wissenschaftler*innen, die sie in ihrer Forschungsarbeit zunächst am meisten beeinflusst hatten: Silvia Staub-Bernasconi und Jim Ife. In ihrem Vortrag stellte sie dar, dass Menschenrechte in Bezug auf Soziale Arbeit zum einen als Analyseinstrument genutzt werden können (wobei sich die Soziale Arbeit auch selbst in den Blick nehmen muss). Zum anderen stützen sie das Selbstverständnis der Sozialen Arbeit, die ihre Adressat*innen u.a. ermächtigen und auf gesellschaftliche Veränderungen hinwirken sollte. Soziale Arbeit muss sich, so der Tenor der Eröffnungsveranstaltung, ihrer Verantwortung und ihrer Möglichkeiten bewusst sein, sich aktiv im Diskurs einbringen, die Gültigkeit der Menschenrechte für alle Menschen hervorheben und für ihren Erhalt kämpfen.

 

40 Panels mit 160 Referierenden

 

In 40 Panels diskutierten die Teilnehmenden mit 160 Referierenden den Zusammenhang zwischen Menschenrechten und Sozialer Arbeit. Die einzelnen Panels waren von großer thematischer Vielfalt gekennzeichnet, darunter um das breite Spektrum zu veranschaulichen: Handlungsbezugsfelder der Menschenrechte, die Umsetzung der Kinderrechte durch die Soziale Arbeit, Soziale Rechte als Basis für Teilhabe, Menschenrechtsbildung in Lehre und Praxis, Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession im Kontext bewaffneter Konflikte, Capabilities Approach und Menschenrechte, Erforschung von Menschenrechten. Neben klassischen Vorträgen gab es auch Panels, in denen nur kurze Inputs gegeben wurden, um dann den Schwerpunkt auf die Diskussion zu legen. Beispiele dafür sind das Panel der Fachgruppe Internationale Soziale Arbeit zum Thema ‚Indigenous knowledge and indigenous social work‘ und das der Fachgruppe Politik, die unter dem Diskussionsthema ‚Mitgliedschaft als Menschenrecht?‘ Staatsbürgerschaftsrecht und Einwanderungspolitik im Fokus einer menschenrechtsorientierten Sozialen Arbeit in den Blick nahm. Nachwuchs- und Promotionsförderung in der Sozialen Arbeit wurden in mehreren Panels behandelt. Dabei wurden neben aktuellen strukturellen Bedingungen wie den Promotionsprogrammen auch individuelle Karriereentwicklungen diskutiert.

 

Wein, Tanz und Beisammensein

 

Ein fester Bestandteil der Jahrestagung ist das Beisammensein bei Wein und Tanz am Freitagabend. Die Party, merkte Nivedita Prasad in ihrem Resümee der Tagung an, sei eine ungewöhnliche und sehr wertvolle Erfahrung. Die Teilnehmenden setzten ihre Gespräche auf zwei Etagen verteilt fort, tauschten Erfahrungen aus, knüpften Kontakte und tanzten.

 

Menschenrechte und Soziale Arbeit – ein Papiertiger?

 

Ungewöhnlich war auch die Abschlussveranstaltung, in der Sabine Stövesand, Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, ein Gespräch mit Silvia Staub-Bernasconi, Professorin em. an der Technischen Universität Berlin, unter dem Titel „Menschenrechte und Soziale Arbeit – ein Papiertiger?“ führte. Staub-Bernasconi, so Stövesand, sei die einzige Frau der letzten Jahrzehnte, die eine eigenständige Theorie der Sozialen Arbeit konzipiert habe, und ohne die es den Menschrechtsdiskurs in der Sozialen Arbeit in seiner aktuellen Gestalt nicht gäbe. Als prägend für ihren Einstieg in den Diskurs um Menschenrechte erlebte Staub-Bernasconi ihren USA-Aufenthalt im Rahmen eines UNO-Stipendiums im Jahr 1963, mit dem sie an der University of Minnesota studieren konnte. Dort erlebte sie einerseits einen „Strukturschock“, indem sie mit der Armut konfrontiert wurde, in der viele Bürger*innen der USA lebten. Sie lernte aber auch die lange Tradition der Opposition kennen, in denen die Sozialarbeiter*innen in den USA eine aktive und präsente Rolle einnahmen. Zu den Meilensteinen, die die Verknüpfung von Menschenrechten und Sozialer Arbeit angestoßen haben, zählt sie u.a. den im Jahr 2002 etablierten postgradualen Master-Studiengang Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession im Verbund mehrerer Berliner Hochschulen, aber auch die diesjährige Tagung der DGSA. Für Staub-Bernasconi steht Soziale Arbeit in der Rolle der Übersetzerin, die die UNO für die Durchsetzung der Menschenrechte benötigt. Um diese Rolle einnehmen zu können, seien neben anderen Aspekten eben solche Tagungen wie die DGSA Jahrestagung 2017 zum Thema der Menschrechte erforderlich. Soziale Arbeit müsse, so Staub-Bernasconi, Soziale Gerechtigkeit verfolgen und stärken und sich zu einer kritischen Profession entwickeln.

 

Sind Soziale Arbeit und Menschenrechte also ein Papiertiger? Papiertiger, so Stövesand, sei die von Mao Zedong geprägte Bezeichnung für Menschen, Organisationen oder Schriftstücke, die sich machtvoller geben als sie in Wirklichkeit sind. Der Begriff des Papiertigers habe einen Doppelcharakter, denn auch Papiertiger können etwas durchsetzen und bewirken. Um es mit Bezug auf Max Horkheimer auszudrücken, nur weil Begriffe wie der des Menschenrechts durch die Mängel der Praxis beschädigt seien, solle man sie nicht verwerfen. Für Soziale Arbeit bedeute das, die Menschenrechte als Horizont und Verpflichtung anzunehmen.       

Am 6.3.2017 hat das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration den von ihr geförderten Einrichtungen der Sozialen Arbeit im Bereich der Asylsozialarbeit ein Schreiben gesendet, in dem diese aufgefordert werden, Flüchtlinge bei den Beratungen nicht auf Möglichkeiten hinzuweisen, wie sie sich gegen mögliche Abschiebungen juristisch zur Wehr setzen können. Diese Aufforderung war zwar begründet mit dem Verweis auf das Gesetz über außergerichtliche Rechtsdienstleistungen, enthielt aber die unverhohlene Drohung, dass die Einrichtungen der Asylsozialberatung die finanzielle Förderung verlieren, wenn sie weiterhin in dieser Art und Weise beraten würden. Ausführlich werden in dem Schreiben die Fördergrundsätze (https://www.verkuendung-bayern.de/files/allmbl/2016/05/allmbl-2016-05.pdf, ab S. 1495) zitiert, in denen massiv darauf hingewiesen wird, dass die Asylsozialberatung auf eine Rückkehr der Flüchtlinge in die Herkunftsländer drängen soll.   

Weitere Informationen und die Originaldokumente inkl. dem Brief des Ministeriums an die Einrichtungen der Asylsozialberatungen finden sich auf den Seiten des Bayerischen Flüchtlingsrats unter http://www.fluechtlingsrat-bayern.de.   

Der Vorstand der DGSA verurteilt auf das Schärfste diese Vorgehensweise, die die fachliche Unabhängigkeit der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Frage stellt!  

Menschen, die Rat bei professionellen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern suchen, haben das Recht auf eine umfassende und an den Bedürfnissen der KlientInnen ausgerichtete Beratung. Politische Vorgaben jeglicher Art dürfen keinen Einfluss auf Art und Inhalt des Beratungsprozesses haben. Das fachpolitische Mandat der Sozialen Arbeit beruht auf der Anerkennung der Menschenwürde, der Unterstützung von Menschen und der Orientierung an den Menschenrechten.  

Soziale Arbeit als Profession arbeitet auf gesetzlichen Grundlagen und achtet diese. Eine einseitige Auslegung der Rechtslage zu Ungunsten von Menschen in prekären Situationen aufgrund von politischen Intentionen verurteilen wir jedoch auf das Schärfste. Die Androhung, die staatliche finanzielle Förderung einzuschränken oder gar ganz zurückzuziehen, ist eine Bedrohung der fachlichen Unabhängigkeit der Sozialen Arbeit.   

Der Vorstand der DGSA

7.4.2017            

Auch der Vorstand der DGSA hat sich dem Einspruch zahlreicher Kolleginnen und Kollegen zur Vorgehensweise des BMFSFJ zur Überarbeitung des SGB VIII angeschlossen. Sie finden diesen Einspruch beigefügt. 

Kriterien für kooperative Promotionsverfahren

Eine Positionierung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit

Immer mehr Promotionsordnungen öffnen sich für kooperative Verfahren zwischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW/FH). Der Wissenschaftsrat hat sich 2010 ausdrücklich dafür ausgesprochen, die HRK (2015) hat diesen Wandel nachdrücklich unterstrichen. „In kooperativen Promotionsprogrammen, die von den Hochschulen selbst vereinbart werden, muss der Promotionszugang fu?r Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen transparent ausgestaltet werden. Daru?ber hinaus muss die Betreuung der Promovierenden aus der Fachhochschule durch ausgewiesene Fachhochschulprofessorinnen und -professoren sowie deren Beteiligung an den Promotionsverfahren als gleichberechtigte Gutachterinnen und Gutachter sowie Pru?ferinnen und Pru?fer sichergestellt werden. Die Forschung der Promovierenden aus der Fachhochschule soll zu einem wesentlichen Teil auch der Weiterentwicklung der Forschung an der Fachhochschule zugutekommen.“ (Wissenschaftsrat 2010, S. 12). Dennoch unterscheiden sich die zugrundeliegenden Promotionsordnungen und kooperativen Verträge z. T. beträchtlich. Der Promotionsbeirat der DGSA hat daher Überlegungen angestellt, welche förderlichen oder kritischen Punkte es in Bezug auf solche Ordnungen anzumerken und zu erwägen gilt.

DGSA Jahrestagung 2017

28./29. April 2017 an der Alice Salomon Hochschule Berlin

Wir haben die Höchstteilnehmerzahl bereits erreicht. Damit ist eine Tagungsanmeldung nicht mehr möglich. Auch die Nachrückliste ist geschlossen.

Die Jahrestagung 2017 der DGSA zum Thema „Soziale Arbeit und Menschenrechte“ wird vom 28. bis 29. April 2017 an der Alice Salomon Hochschule Berlin stattfinden. Das detaillierte Programm mit der Panelübersicht und alle weiteren Hinweise zur Tagung und zum Tagungsort finden Sie hier auf dieser Webseite.

Hinweisen möchten wir an dieser Stelle darauf, dass wir – wie auch in den letzten Jahren – die Teilnahme von Bachelorstudierenden Sozialer Arbeit kontingentieren müssen. Es werden 100 Plätze für diese Studierende zur Verfügung gestellt. Sollten Sie mit Gruppen von Studierenden zur Tagung kommen wollen, so empfehlen wir eine frühzeitige Anmeldung. Bitte haben Sie auch Verständnis, dass pro Hochschule die Gruppe nicht mehr als 15 Studierende groß sein sollte.

Wir freuen uns auf eine spannende Tagung und den kollegialen Austausch und danken an dieser Stelle bereits den Kolleginnen und Kollegen von der Alice Salomon Hochschule Berlin für die Zusammenarbeit bei der Tagungsorganisation.

Call for Papers Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) an der Alice Salomon Hochschule Berlin 28. und 29. April 2017 Soziale Arbeit und Menschenrechte Zahlreichen Diskursen in Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit dienen Modelle und Kataloge der Menschenrechte als zentrale Referenzpunkte. In Theoriemodellen wird die Realisierung der Menschenrechte als Realutopie, konzeptioneller Anspruch, ethischer Bezugsrahmen fachlichen Handelns, als Referenz im Umgang mit Dilemmata und zur Orientierung im Umgang mit menschenrechtswidrigen Forderungen konzeptualisiert. In der Praxis wird die aktive und passive Nutzung des UN-Menschenrechtsschutzsystems diskutiert und viele Praktiker_innen der Sozialen Arbeit finden in den Menschenrechten eine visionäre und zugleich konkrete Orientierung für ihr fachliches Handeln. Zentrale internationale Positionspapiere der Sozialen Arbeit orientieren sich an der Umsetzung der Menschenrechte. Nicht zuletzt beziehen soziale Bewegungen und Zusammenschlüsse von Adressat_innen ihre Aktivitäten auf die Realisierung und Ausweitung der Menschenrechte. Grundlegend für die Idee der Menschenrechte ist die Menschenwürde. Individuen erhalten ihre Menschenrechte qua ihres Menschseins, sie müssen für das Erlangen der Menschenrechte keine Bedingungen erfüllen. Jedoch ist die Realisierung von Menschenrechten immer gebunden an Individuen und Gesellschaften, die die Menschenrechte im sozialen, staatlichen, familialen und gemeinschaftlichen Handeln achten und ihnen zur Geltung verhelfen. Prozesse der Realisierung der Menschenrechte waren und sind immer auch konflikthaft und gebunden an die Einflussfaktoren von Interessen, Macht und Herrschaft in einer Gesellschaft. Aktuell wird die Wahrung der Menschenrechte zudem in neuer Weise herausgefordert. Das Handeln fundamentalistisch, nationalistisch, autoritär oder austeritätspolitisch orientierter Akteur_innen wirkt sich einschränkend auf die Realisierung der Menschenrechte in verschiedenen Lebensbereichen und Gesellschaften aus und drängt menschenrechtliche Errungenschaften wieder zurück. Gleichzeitig stehen sozial zunehmend gespaltene und mehr und mehr pluralisierte Gesellschaften vor der Herausforderung, sich gemeinsam auf geteilte normative Bezüge und Leitlinien zu verständigen. Soziale Arbeit steht als Profession und Disziplin vor der Herausforderung, sich reflektiert und bewusst in diesen Debatten zum Menschenrechtsdiskurs zu verorten und sich aktiv in den Auseinandersetzungen zu positionieren. Bislang besteht in vielen Feldern der Sozialen Arbeit jedoch noch wenig systematisches Wissen über die Umsetzung und Gestaltung von Interventionen zur Förderung der Menschenrechte. Und es gibt noch wenige Orte für den Austausch von Konzepten, Forschungsergebnissen, Strategien und Erfahrungen in der Menschenrechtsförderung und -realisierung. Vor diesem Hintergrund schafft die DGSA Jahrestagung 2017 ein Forum, in dem das Verhältnis zwischen der Sozialen Arbeit und den Menschenrechten in seinen unterschiedlichen Ebenen und Umsetzungsbereichen diskutiert werden soll. Dabei sollen auch fachliche Limitationen der Sozialen Arbeit kritisch hinterfragt werden. Vor allem die folgenden Themenschwerpunkte und Fragestellungen sollen dabei vertiefend betrachtet werden:

  • Menschenrechte als Grundlage: Welche Konzepte, Modelle, Begriffe dienen als Grundlage im Menschenrechtsdiskurs, welche Kritiken und Thematisierungen sind vorhanden?
  • Menschenrechte im politischen Diskurs: In welchen Politikfeldern spielt der Menschenrechtsdiskurs eine Rolle? Wie taucht er in Sozial-, Bildungs- und Gesundheitspolitiken auf?
  • Zum Handlungsfeldbezug der Menschenrechte: In welchen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit sind Menschenrechtsdiskurse relevant? Wie werden Menschenrechte dort thematisiert?
  • Konzepte zur Menschenrechtsarbeit und -bildung: Welche Verfahren, Konzepte, Studien, Strategien, institutionellen Formen und Rahmenbedingungen lassen sich identifizieren?
  • Menschenrechte in der Praxis der Sozialen Arbeit: Wie werden Menschenrechte in Bezug auf soziale Probleme thematisiert, eingefordert und realisiert? Welche Begründungen dienen ihrer Ausweitung?
  • Menschenrechtsmodelle operationalisieren: Inwiefern kann und sollte die Realisierung von Menschenrechten durch Indikatormodelle mess- und vergleichbar gemacht werden?
  • Menschenrechte von Adressat_innen: Inwieweit werden die Menschenrechte in der Sozialen Arbeit von Adressat_innen eingefordert und ihnen gegenüber realisiert? Wo sind hier Kritikpunkte?
  • Menschenrechte in der Forschung: Vor welchen Herausforderungen steht Forschung in der Sozialen Arbeit, wenn es um Fragen der Menschenrechte geht?
  • Wird die Soziale Arbeit ihrem Anspruch gerecht? Wurde die Soziale Arbeit in den letzten Jahren ihrem Anspruch, als eine Menschenrechtsprofession tätig zu sein, gerecht? Wo sind weitere Herausforderungen und offene Ansprüche?

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit vom 28. bis 29. April 2017 in Berlin bietet ein Forum für die Präsentation und Diskussion empirischer, theoretischer und anwendungsorientierter Fragen und Zugänge zum Thema. Wir möchten Interessierte herzlich einladen, sich mit den mit diesem Thema verbundenen Fragen in der Sozialen Arbeit auseinanderzusetzen. Von den Sektionen und Fachgruppen der DGSA können Panels zu diesem Thema gestaltet werden. Ebenso können Beiträge von Einzelnen (Vortrag sowie Posterpräsentation) eingereicht werden. Vorschläge für Panels (1,5h inkl. Diskussion), Einzelbeiträge (20 Minuten plus Diskussion) und Posterpräsentationen sind bis zum 01.10.2016 an Prof. Dr. Claudia Steckelberg, gradforum_sbe@hs-nb.de, einzureichen. Sie müssen folgende Informationen enthalten: Panels:

  • Verantwortliche (incl. Kontaktdaten aller Beteiligten)
  • Paneltitel und Kurzbeschreibung des Panels (600 Zeichen)
  • Referierende (nicht mehr als drei Beiträge, bei weniger als drei Beiträgen können weitere Beiträge von den Tagungsveranstalter_innen hinzu gefügt werden)
  • Alle Vortragstitel und -beschreibungen in Lang- und Kurzfassung (2000 und 600 Zeichen)

Einzelbeiträge:

  • Vortragende/Vortragender (incl. Kontaktdaten)
  • Vortragstitel
  • Vortragsbeschreibung in Lang- und Kurzfassung (2000 sowie 600 Zeichen)

Posterpräsentationen:

  • Präsentierende/Präsentierender (incl. Kontaktdaten)
  • Präsentationstitel
  • Präsentationsbeschreibung in Lang- und Kurzfassung (2000 und 600 Zeichen)

Hinweise: Auch Vortragende müssen einen reduzierten Tagungsbeitrag entrichten; DGSA-Mitglieder erhalten ebenfalls einen reduzierten Tagungsbeitrag. Eine Reduktion des TN-Beitrags bei verkürzter Tagungsteilnahme ist ausgeschlossen. Die TN sorgen selbst für Anreise und Unterkunft.

Stellungnahme des Vorstands der DGSA zur aktuellen Situation in der Türkei

Insbesondere zum Umgang mit Hochschulangehörigen in der Türkei

Wir sind besorgt und entsetzt über die politischen Entwicklungen in der Türkei. Bereits vor dem Militärputsch hat der Druck auf die Wissenschaft zugenommen. Seit der Petition die hunderte Akademiker_innen in der Türkei verfasst haben mit der Aufforderung an die türkische Regierung, den bewaffneten Konflikt mit der verbotenen PKK im Südosten des Landes zu beenden, gelten sie als „Vaterlandsverräter“ und werden öffentlich als „Möchtegern-Akademiker“ diffamiert. Bereits damit begannen Entlassungen, Verhaftungen und Anklagen wegen Terrorpropaganda.  

Am 19.7. wurde die Entlassung von 1.577 Universitäts-Dekanen angeordnet. Universitätsangestellte dürfen nicht mehr ausreisen. Türkische Akademiker_innen, die im Ausland arbeiten, sollen zurückkommen. Wer nicht heimkehrt, macht sich verdächtig. Dies ist ein Generalverdacht gegen Wissenschaftler_innen und Intellektuelle.  

Wir fühlen uns mit den betroffenen Hochschulangehörigen tief verbunden und versichern ihnen unsere Solidarität. Mit Sorge sehen wir, wie mit einem Streich die langjährigen Kooperationen, Austauschbeziehungen und gemeinsamen Lehr- und Forschungsprojekte zwischen Deutschland und der Türkei in Gefahr geraten und aktuell akut verhindert werden. Gerade im Bereich der Sozialen Arbeit, die erst seit den 2000er Jahren systematisch in der Türkei aufgebaut wird, sind nun vielfältige Kooperationsprojekte in Gefahr.  

Wir rufen die türkische Regierung dazu auf, die Repressionen und Verfolgungen zu stoppen und die demokratisch legitimierte Freiheit von Forschung und Lehre in der Wissenschaft nicht einzuschränken.    

21. Juli 2016  

Für den Vorstand:

Prof. Dr. Michaela Köttig

Prof. Dr. Barbara Thiessen      

Weitere Stellungnahmen siehe:  

www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/meldung/hrk-praesident-protestiert-gegen-umgang-mit-hochschulangehoerigen-in-der-tuerkei-3999/  

www.eua.be/Libraries/press/eua-statement-condemning-the-forced-resignation-of-1577-university-deans.pdf

Auf der 16. Mitgliederversammlung am 29.04.2016 wurden folgende Mitglieder in den neuen Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit e.V. (DGSA) gewählt:

Vorsitzende
Prof. Dr. Michaela Köttig

Prof. Dr. Barbara Thiessen

Schriftführung
Prof. Dr. Stefan Borrmann

Schatzmeister
Wolfgang Antes

Beisitzerinnen und Beisitzer
Prof. Dr. Sonja Kubisch
Prof. Dr. Dieter Röh
Prof. Dr. Christian Spatscheck
Prof. Dr. Claudia Steckelberg

 

Aus dem alten Vorstand waren nach der letzten Wahlperiode nicht mehr zur Wahl angetreten:
- Prof. Dr. Sabine Stövesand, sie war von 2011-2016 als Vorsitzende und von 2009-2011 als Beisitzerin im DGSA Vorstand aktiv.
- Prof. Dr. Gudrun Ehlert, sie war von 2014-2016 als Beisitzerin für den DGSA Vorstand tätig.

Der neue Vorstand dankt den beiden ehemaligen Vorstandsmitgliedern für ihr Engagement für die DGSA und die gute Zusammenarbeit.



Der Vorstand des FBTS hat an seine Mitglieder den folgenden Aufruf übersandt, den der Vorstand der DGSA sich mit Nachdruck anschließt.

In der vergangenen Woche wurden in der Türkei 27 akademische Mitarbeiter und Professoren aus vier Universitäten verhaftet, zum Teil direkt auf Campus.

Darunter war auch ein Kollege aus dem social work department der Kocaeli University. Die verhafteten KollegInnen waren Unterzeichner einer Deklaration, die sich für eine Wiederaufnahme der Friedensbemühungen mit den Kurden aussprach.

Mehr Informationen hierzu im Detail hier: http://www.bbc.com/news/world-europe-35321895

Die European Association of Schools of Social Work hat sich intensiv und sorgsam mit der Situation auseinander gesetzt und beurteilt diese als einen ausgesprochen alarmierenden und nicht zu akzeptierenden Bruch mit der akademischen Freiheit und Meinungsfreiheit: www.eassw.org

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt ebenfalls der Generalsekretär des Europarats in dieser Woche: http://www.coe.int/en/web/portal/-/turkey-secretary-general-thorbj-rn-jagland-concerned-by-arrests-of-academics

Die EASSW ist im engen Kontakt und ständiger Kommunikation mit den türkischen KollegInnen und berät zur Zeit über geeignete Maßnahmen zur Unterstützung der KollegInnen in der Türkei und zur Verteidigung der akademischen Freiheit.

Mehr Informationen unter: http://www.eassw.org

Hier steht der Newsletter zum Download bereit (PDF, 181 KB).


Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

zu Jahresbeginn möchten wir Ihnen für das nun schon angebrochene neue Jahr alles Gute für Ihre beruflichen und privaten Pläne wünschen. Auch für die DGSA bricht mit dem neuen Jahr wieder ein Jahr der Weiterentwicklung, der neuen Projekte und Konsolidierung bestehender Prozesse an.

Seit der Ausgabe 1/2016 erhalten Sie als Mitglied der DGSA die elektronische Ausgabe der Fachzeitschrift „Soziale Arbeit (DZI)“ 11x im Jahr kostenlos zugeschickt. Wir freuen uns, Ihnen diesen Service bieten zu können und sind zuversichtlich, dass das Angebot auf reges Interesse stoßen wird. Mit der Zeitschrift „Soziale Arbeit (DZI)“ konnten wir eine Kooperation mit einer der traditionsreichsten Fachzeitschriften eingehen. In Zukunft planen wir auch verstärkt, diese Zeitschrift als Ort der Publikation von Schwerpunkten der DGSA zu nutzen. Auch Sie als Mitglied der DGSA sind eingeladen, Ihre Artikel bei der Zeitschrift zur Publikation einzureichen.

Wie immer zu Beginn des Jahres wirft die kommen­ de Jahrestagung der DGSA schon ihre Schatten vor­ aus. In diesem Jahr werden wir uns am 29./30.04. 2016 in Düsseldorf mit dem Thema „Inklusion“ befassen. Die Resonanz auf den Call for Paper war überwältigend und wir haben ein spannendes Programm aus den eingereichten Beiträgen zusammen­ gestellt. Wir empfehlen Ihnen, sich frühzeitig anzumelden, damit Sie auch sicher einen Platz auf der Tagung bekommen. Ebenfalls auf der Tagung in Düsseldorf wird am 29.04.2016 die nächste reguläre Mitgliederversammlung der DGSA stattfinden. In diesem Rahmen wird auch der Vorstand neu gewählt. Zudem wird der mehrjährige und partizipativ angelegte Prozess der Neuerarbeitung des Kerncurriculums der DGSA abgeschlossen werden und die letzte Version den Mitgliedern zur Abstimmung vor­ gelegt.

Auch in 2016 streben wir als Vorstand ein weiteres Wachstum der DGSA an. Ausdruck davon wird sein, die Zahl von über 500 Mitgliedern weiter zu konsolidieren und auszubauen. Zudem freuen wir uns, dass sich eine neue Fachgruppe unter dem Dach der DGSA gegründet hat. Mit der neuen Fachgruppe „Soziale Arbeit in der Lehre“ arbeiten nun vier Sektionen und acht Fachgruppen im Rahmen der DGSA an der inhaltlichen Weiterentwicklung unserer Profession und Disziplin. Um dieses Wachstum auch formal bewältigen zu können, hat der Sprecher_in­ nenrat – ein Treffen des Vorstands und der gewählten Sektions­ und Fachgruppensprecher_innen – die formale Zusammenarbeit in unserer Fachgesellschaft durch eine neu erarbeitete Geschäftsordnung geregelt.

Wir wünschen Ihnen nun viel Freude bei der Lektüre dieser Mitteilungen.

Mit kollegialen Grüßen,
Prof. Dr. Stefan Borrmann, Prof. Dr. Michaela Köttig, Prof. Dr. Sabine Stövesand, Wolfgang Antes, Prof. Dr. Gudrun Ehlert, Prof. Dr. Dieter Röh, Prof. Dr. Christian Spatscheck und Prof. Dr. Barbara Thiessen


Der Vorstand der DGSA schließt sich den Erklärungen der IFSW an

22.10.2015: Prof. Dr. Sabine Stövesand, Prof. Dr. Christian Spatscheck (für den Vorstand)


In ihrer aktuellen Stellungnahme spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) für eine Willkommenskultur und eine faire Auseinandersetzung darüber aus, wie einheimische Bevölkerung und Flüchtlinge zusammenleben können. SozialarbeiterInnen nehmen in diesem Prozess der gegenseitigen Annäherung eine Schlüsselstellung ein.

Der Vorstand der DGSA schließt sich den Erklärungen der IFSW – International Federation of Social Workers sowie der EASSW – European Association of Schools of Social Work zur aktuellen Situation der Flüchtlinge in Europa an.

Wir rufen die verantwortlichen Regierungen, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaften dazu auf, strukturelle Fluchtursachen und Gründe zu beseitigen sowie den aus Kriegen oder Not geflüchteten Menschen jene Hilfe zukommen zu lassen, die sie im Sinne der Humanität dringend benötigen und die ihnen im Sinne der Menschenrechte zusteht.

Dazu gehören auch die Schaffung von Bedingungen und Kulturen des Willkommens und Zusammenlebens in den Aufnahmeländern sowie der Wille und die Bereitschaft der BürgerInnen, mit den neu ankommenden Menschen in eine aktive und faire Auseinandersetzung über ein gemeinsames Zusammenleben zu treten, den Aufbau aller dazu förderlichen gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen sowie die Bereitschaft, vorhandenen Reichtum gerecht zu verteilen.

SozialarbeiterInnen leisten einen wichtigen Beitrag bei der Gestaltung der damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen. Durch ihre professionellen Interventionen und die Anleitung von einer beeindruckend großen Zahl von ehrenamtlichen und engagierten HelferInnen nehmen sie eine Schlüsselstellung im Hilfesystem ein. Um das hierzu Erforderliche tun zu können brauchen sie die dafür nötigen Ressourcen. Dies schließt eine angemessene Bezahlung ein sowie Arbeitsbedingungen, die den hohen Anforderungen durch Supervision, Fortbildung und Arbeitszeitausgleich Rechnung tragen.

Die Tätigkeit der SozialarbeiterInnen in der Flüchtlingshilfe ist eine fachlich komplexe und besonders herausfordernde Aufgabe. Der weiter anhaltende und an manchen Orten nur schwer erfüllbare quantitative Bedarf an SozialarbeiterInnen in diesem Handlungsfeld darf nicht dazu führen, dass fachliche Standards abgesenkt werden oder Personen in diesem sensiblen Feld tätig werden, die die nötigen fachlichen Qualifikationen und Kompetenzen dafür nicht aufweisen. Wir rufen die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern dazu auf, den fachlichen Nachwuchs in ausreichender Zahl zu qualifizieren und bereitzustellen.

Beitrag im Deutschlandfunk

30.04.2015 im Deutschlandfunk


Am 30.04.2015 lief abends ab 20.10 Uhr der Beitrag von Anke Gundelach über das Tagungsthema der Jahrestagung in Würzburg im Deutschlandfunk.


Auf der Jahrestagung wird es zu Beginn und zum Abschluss jeweils eine keynote geben, die in das Thema einführt bzw. das Thema abschließt. Wir freuen uns, dass wir zwei ausgewiesene Expert_innen dafür gewinnen konnten. Die Lebensläufe der beiden keynote speaker finden sie an dieser Stelle zum download.


Flucht, Trauma, Integration – ein neuer Service der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit listet fachkundige AnsprechpartnerInnen für die Medien auf – nicht nur zum aktuellen Thema Flüchtlinge.

Silke Gahleitner hat kürzlich eine Studie zur Wirksamkeit von Traumapädagogik vorgelegt. Drei Jahre haben Forscherinnen und Forscher unter der Leitung der Professorin, die in Berlin und an der Donau-Universität Krems lehrt, untersucht, wie sich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in einer stationären Einrichtung verändert, wenn die Mitarbeitenden eine traumapädagogische Schulung absolviert haben. Die WissenschaftlerInnen fanden heraus, wie gut es traumatisierten Kindern und Jugendlichen tut, Halt gebende Beziehungen und eine aufrichtige Kommunikation zu erfahren. Erklärt zu bekommen, wie die traumatische Erfahrung sich auf ihr Fühlen, Denken und Verhalten auswirkt, helfe Schuld und Scham zu überwinden und sich allmählich selbst zu regulieren. Durch die traumapädagogische Schulung lernten SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen, betroffenen Kindern dabei ein respektvolles und aufmerksames Gegenüber zu sein.

„Traumapädagogische Kompetenzen sind auch in der Arbeit mit Flüchtlingen unerhört wertvoll“, betont Silke Gahleitner. „Denn ganz oft sind es SozialarbeiterInnen, die den Menschen in ihrer seelischen Not beistehen und dann ein Klima schaffen müssen, in dem die Bewältigung des Erfahrenen möglich ist.“

Eric Mührel bildet mit anderen KollegInnen an der Hochschule Emden/Leer Studierende des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit auch zu Integrationslotsen aus. Während die angehenden SozialarbeiterInnen an der Hochschule ihre interkulturelle Kompetenz erweitern und Formen des begleiteten Interessenausgleichs bzw. der Konfliktmediation erlernen, begleiten sie gleichzeitig bereits Flüchtlinge etwa zu Ämtern und in Vereine. „Tatsächlich brauchen nicht nur die Flüchtlinge eine solche Beratung und Begleitung, sondern es kommen z. B. auch Sportvereine, die dabei unterstützt werden möchten, ein gedeihliches Miteinander mit den NeubürgerInnen zu schaffen“, erzählt der Professor, der neben der Flüchtlingshilfe weitere Arbeitsschwerpunkte u. a. in der Bildungsgerechtigkeit und Lebenskunst hat.

Nausikaa Schirilla wiederum hat untersucht, wie sich kriegerische Konflikte und Katastrophen in dem Flüchtlingszuzug einer Kommune widerspiegeln und wie die Integration der Flüchtlinge gelingt. Dafür hat die Professorin an der Katholischen Hochschule Freiburg Dutzende Biographien studiert, etwa solche von vietnamesischen Boat-People, von Kurdinnen und Kurden und von Flüchtlingen vor dem Jugoslawien-Krieg. Interessiert hat sie besonders, wie diese trotz widriger Umstände ihre Arbeit gefunden haben und wie gut die ehemaligen Flüchtlinge mittlerweile in ihrer Kommune verwurzelt sind. Schirillas Fazit: „Niemand flüchtet ohne triftigen Grund. Und der Wunsch, möglichst schnell sich durch eigene Arbeit finanziell abzusichern, ist zentral.“

Silke Gahleitner, Eric Mührel und Nausikaa Schirilla sind drei von über fünfzig ExpertInnen und Experten, die bereit sind, den Medien in Hintergrundgesprächen oder als InterviewpartnerInnen ihre Expertise in den unterschiedlichsten Feldern der Sozialen Arbeit zur Verfügung zu stellen.

Im ExpertInnen-Pool können Interessierte zahlreiche weitere ExpertInnen und Themen wie Straßenkinder, Leitbilder von Elternschaft, Partnerschaftsberatung älterer Menschen oder nachbarschaftsbezogene Konzepte gegen häusliche Gewalt finden.