Aktuelles aus der DGSA

Beteiligung von wissenschaftlichem Nachwuchs

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) stand 2018 ganz im Zeichen der Solidarität und sozialen Teilhabe – so fanden sich etwa 650 Interessierte unter dem Titel „Demokratie und Soziale Arbeit“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg ein. Neben der besonders regen Teilnahme an der Haupttagung konnte sich in diesem Jahr erstmals eine Vorkonferenz für sogenannte „Nachwuchswissenschaftler*innen“ etablieren, die ebenfalls eine hohe Besucher*innenanzahl verzeichnen ließ. Neu war hierbei, dass sich Studierende, Promotionsinteressierte und Promovierende über Promotions- sowie Publikationsmöglichkeiten informieren und eigene Forschungsprojekte vorstellen konnten. Das gemeinsame Abendessen bot schließlich die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre neue Kontakte zu knüpfen und anregende Gespräche zu führen. Nach den beiden erfolgreich verbrachten Tagen waren sich alle Beteiligten einig: Gerne nächstes Jahr wieder!

Für eine solidarische Gesellschaft 

Im Anschluss an die Vorkonferenz wurde die diesjährige DGSA-Tagung in den historischen Räumlichkeiten der Laiszhalle in Hamburg eröffnet. In ihren Grußworten wiesen die beiden Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA), Prof. Dr. Michaela Köttig (Frankfurt University of Applied Sciences) und Prof. Dr. Barbara Thiessen (Hochschule Landshut) auf die besonders in Zeiten antidemokratischer gesellschaftlicher Tendenzen hohe Aktualität des Themas „Demokratie und Soziale Arbeit“ hin. Weiterhin erläuterte die Hamburger Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Dr. Melanie Leonhard, auf welche Weise antidemokratischen Haltungen entgegengewirkt werden könne. Zuletzt machte Prof. Dr. Micha Teuscher, Präsident der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg, auf die gesellschaftliche Relevanz der Sozialen Arbeit für die Ermöglichung von sozialer Teilhabe und Solidarität aufmerksam. Die erste Keynote, die von Prof. Dr. Sabine Hark, Leiterin des Zentrums für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung in Berlin, vorgetragen wurde, machte gerade bei den Vertreter*innen kommender Generationen an Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen der Sozialen Arbeit die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen deutlich: Unter dem Titel „Solidarität subaltern. Demokratische Zerreißproben in neoreaktionären Zeiten“ warnte Hark vor zunehmend neoliberalen und rechtsorientierten Tendenzen in Politik und Gesellschaft. Diese Entwicklungen führten zu einer weitgehenden Entsolidarisierung in der Gesellschaft, die sich unter anderem in einer Verrohung der Sprache bemerkbar mache. Solidarität, so Hark weiter, setze differenziertes Sprechen, eine reflektierte Haltung und den gemeinsamen Einsatz für universell geltende Menschenrechte voraus. Für zukünftige Sozialarbeiter*innen und Sozialarbeitswissenschaftler*innen lässt sich aus Harks Ausführungen schließen, dass eine kritische Haltung gegenüber politischen und gesellschaftlichen Bedingungen aktueller scheint denn je.

Demokratie in der Sozialen Arbeit

Neben 50 spannenden Panels, in denen sich etwa 170 Referierende aus vielfältigen Perspektiven mit dem Tagungsthema auseinandersetzten, durfte auch in diesem Jahr die große Abendveranstaltung mit Buffet, Musik und Tanz nicht zu kurz kommen: Ob Student*innen, Professor*innen, Praktiker*innen oder Promovend*innen – alle fanden sich gemeinsam auf der Tanzfläche ein und zeigten, wie viel Spaß Beteiligung machen kann. Am Folgetag leitete Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker (Universität Hamburg) mit der zweiten Keynote „Demokratie in der Sozialen Arbeit“ den Abschluss der Tagung ein. So plädierte Sturzenhecker für die Einführung demokratischer Strukturen innerhalb der Organisationen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit, um die bestehenden Machtverhältnisse zwischen Klient*innen und Sozialarbeitenden weitgehend eindämmen zu können. Auf diese Weise lasse sich die Selbst- und Mitbestimmung aller Beteiligten fördern. Den finalen Schlusspunkt der DGSA-Tagung 2018 bildete die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Demokratie konkret – Möglichkeiten und Grenzen der Demokratieförderung“. Dabei diskutierten neben Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker und Till Stehn (Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Schleswig Holstein, AWO) auch Prof. Dr. Heike Radvan (Amadeu-Antonio-Stiftung; TU Cottbus) und Jochen Schmon (Zentrum für politische Schönheit). Schnell wurde dabei die Frage aufgeworfen, wieviel Raum rechtem und antidemokratischem Gedankengut im politischen und gesellschaftlichen Diskurs zugesprochen werden dürfe. Radvan wies in diesem Kontext auf die in den letzten Jahren zunehmende Bedrohung politischer Bildungseinrichtungen durch rechte Gruppierungen hin. Schmon betonte ebenfalls, wie wichtig es jetzt sei „klare Kante gegen rechts zu zeigen“. Trotzdem blieb die Fragestellung bis zum Ende der Diskussion weitgehend unbeantwortet, was womöglich der Tatsache geschuldet ist, dass einerseits die Garantie von Rede- und Meinungsfreiheit wie andererseits auch der Schutz vor Diskriminierung gleichermaßen Anliegen der Sozialen Arbeit darstellen, die im Rahmen der politischen Diskussion eine sensitive Abwägung gegeneinander erfordern. 

 

Vinzent Michael Anthes, Studierender der Sozialen Arbeit (Bachelor) an der Frankfurt University of Applied Sciences

DGSA Jahrestagung 2018

27. bis 28. April 2018 an der HAW Hamburg

 

Jahrestagung erfolgreich beendet

 

An Jahrestagung der DGSA 2018 in Hamburg haben fast 700 Personen teilgenommen. Rund 170 Vortragende in knapp 50 Panels sowie die rahmenden Keynotes haben das Thema "Demokratie und Soziale Arbeit" aus vielen Perspektiven beleuchtet und damit greifbar gemacht. 

 

Wir danken allen Vortragenden für ihre Beteiligung und hoffen sie 2019 in Stuttgart wieder begrüßen zu können. 

 

Wir haben die Höchstteilnehmerzahl bereits erreicht. Damit ist eine Tagungsanmeldung nicht mehr möglich.

Ab sofort ist die Anmeldung für die Jahrestagung 2018 der DGSA zum Thema "Demokratie und Soziale Arbeit" möglich. Diese wird vom 27. bis 28. April 2018 an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg stattfinden. Eine „Pre-Con“ wird erstmalig vom 26. bis 27. April stattfinden.

Der Flyer mit den Anmeldehinweisen und dem Rahmenprogramm steht als Pdf zum Download bereit. Das detaillierte Programm mit der Panelübersicht finden Sie hier. Dieses wird fortlaufend aktualisiert.

Hinweisen möchten wir an dieser Stelle darauf, dass wir – wie auch in den letzten Jahren – die Teilnahme von Bachelorstudierenden kontingentieren müssen. Es werden insgesamt 100 Plätze für diese Studierende zur Verfügung gestellt. Sollten Sie mit Gruppen von Studierenden zur Tagung kommen wollen, so empfehlen wir eine frühzeitige Anmeldung. Bitte haben Sie auch Verständnis, dass pro Hochschule die Gruppengröße nicht mehr als 15 Studierende betragen darf.

Bitte beachten Sie außerdem, dass für die Jahrestagung nur ein Online-Anmeldung möglich ist. Die Tagungsanmeldung wird bis zum Erreichen der Höchstteilnehmerzahl oder bis zum 06. April 2018 über folgende Anmeldemaske möglich sein: http://www.dgsa.de/veranstaltungen/anmeldung-zur-jahrestagung/.  

Es konnten leider aufgrund diverser Großveranstaltungen keine Hotelkontingente eingerichtet werden. Bitte denken Sie daran sich frühzeitig um eine Übernachtungsmöglichkeit zu bemühen.

Wir freuen uns auf eine spannende Tagung und den kollegialen Austausch und danken an dieser Stelle bereits den Kolleginnen und Kollegen von der HAW Hamburg für die Zusammenarbeit bei der Tagungsorganisation.

Stellungnahme der Sektion Forschung und der Fachgruppe Gender

„Mehr als Fassade“ – für die Freiheit wissenschaftlicher Erkenntnisbildung, gegen antidemokratische Angriffe auf Hochschulen Sozialer Arbeit

Erklärung der Tagungsteilnehmenden der Tagung „gender_wissen in den Forschungsfeldern der Sozialen Arbeit“ 22.-23.2.2018, an der Alice Salomon Hochschule Berlin  

Die Tagung „gender_wissen in den Forschungsfeldern der Sozialen Arbeit“ beschäftigte sich mit der Bedeutung von Genderwissen für Wissenschaft, Forschung und Gesellschaft.

Dabei befasste sie sich auch mit der teilweise fehlenden Bereitschaft der Öffentlichkeit, Genderwissen zur Kenntnis und ernst zu nehmen.  

Angesichts aktueller Angriffe auf die Gender Studies, auf gendersensible, queere und feministische Forscher_innen und entsprechende Positionen von Hochschulangehörigen hält sie diese Thematisierung sowie deutliche Positionierungen von Wissenschaftler_innen und Hochschulen für die Akzeptanz von Genderwissen, Genderforschung und gendersensiblem Handeln für nötig.

Zugespitzt wird der Versuch, die Autonomie von Hochschule und die Freiheit wissenschaftlicher Erkenntnisbildung im Diskurs fundamental anzugreifen, in den antidemokratischen Äußerungen in der Debatte um die Fassade der ASH Berlin 2017/18 (vgl. eine Dokumentation der Debatte auf: www.ash-berlin.eu/fassadendebatte).

  1. Die Tagungsteilnehmer_innen weisen mit Nachdruck auf die beteiligungsorientierte Entscheidungsfindung über die Gestaltung der Fassade der ASH hin. Sie können nachvollziehen, dass der Akademische Senat der Hochschule zu der Auffassung gelangt ist, dass das Gedicht „avenidas“ an der Fassade einer Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung und Bildung im Kindesalter als nicht stimmig für die Außendarstellung der Hochschule erlebt wird, weil es ein nicht mehr zeitgemäßes, verobjektivierendes Geschlechterbild transportiert.  
  2. Die Tagungsteilnehmer_innen regen Studierende, Wissenschaftler_innen sowie die Fachorganisationen der Sozialen Arbeit dazu an:
  • aktiv Positionen zu formulieren, die Genderwissen als wissenschaftlich fundiertes Wissen fördern,
  • Argumentationen der Selbstbestimmung, gender-, queertheoretische und feministische Positionen zu unterstützen und sich dabei selbst zu stärken,
  • diese Positionen in den Hochschulen und der medialen Öffentlichkeit verstärkt zu formulieren. 

      3. Die Tagungsteilnehmenden setzen sich für die Freiheit der Wissenschaft, die Autonomie von Hochschule sowie die Freiheit der Kunst gleichermaßen ein.  

  • Sie empfinden die Debatte um die Südfassade der ASH Berlin als überzogen in ihrer Heftigkeit, ihren Zuschreibungen und Wortwahlen,
  • sie unterstützen alle Stimmen, die die Autonomie der Hochschule und die Freiheit der Kunst produktiv ins Gespräch bringen und ins Verhältnis setzen und zu produktiven Lösungen bei konfligierenden Interessenslagen kommen.
  • sie rufen dazu auf, sich nicht nur im wissenschaftlichen Kontext, sondern auch in konflikthaft und streitbar geführten Debatten im öffentlichen Raum quellenkritisch zu informieren und eine faire, differenzierte Auseinandersetzung zu führen, die das Ziel verfolgt, zu produktiven, unterschiedliche Positionen einbeziehenden und weiterführenden Lösungen zu kommen.

 

Berlin, 23.2.2018

gez. Sektion Forschung der DGSA und Fachgruppe Gender der DGSA

Stellungnahme Fachgruppe Gender der DGSA

Gender Studies – unverzichtbar in der Wissenschaft Sozialer Arbeit

Heute, am 18.12.2017, findet bundesweit eine konzertierte Aktion von Wissenschaftler_innen aus allen Disziplinen statt, die Gender Studies betreiben. Die Fachgruppe Gender der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) schließt sich dieser Aktion an. Seit 2000 existiert unser bundesweiter Zusammenschluss von Genderforscher_innen in der Sozialen Arbeit. Wir verstehen uns als offenes Forum für Fachkolleg_innen aus Hochschulen sowie Fortbildungs- und Praxisinstitutionen der Sozialen Arbeit, die an der Weiterentwicklung von Genderfragen in Lehre, Praxis und Forschung der Sozialen Arbeit interessiert sind.

Seit mehreren Jahren häufen sich Diffamierungen, Unterstellungen und Falschinformationen zu den Gender Studies. Dabei werden Forschungsgegenstände der Gender Studies auf Themenfelder wie Sexualität oder Identität verkürzt und politische Gleichstellungsstrategien wie Gender Mainstreaming mit empirischen und theoretischen wissenschaftlichen Erschließungen der Geschlechterverhältnisse vermengt. Begannen diese Vorgänge in Kreisen der Neuen Rechten sind sie rasch auch in Feuilletons angesehener Tages- und Wochenzeitungen aufgegriffen worden. Darunter gibt es sehr differenzierte und aufklärende Berichterstattung. Allerdings gibt es auch anderes: Je kruder und provokanter, desto besser, so scheint es. Denn dies sichert mediale Aufmerksamkeit und zahlreiche Klicks Diese Entwicklungen hinterlassen ihre Wirkungen in den Praxisfeldern, aber auch in der Wissenschaftsdisziplin der Sozialen Arbeit. Bei Institutionen, Trägern und Verbänden und bei Drittmittelgebern, bei Studierenden und Fachkräften sind zunehmend Verunsicherung und Irritation zu Genderfragen zu registrieren. Erreichte Qualitätsstandards einer geschlechtsspezifischen Sozialen Arbeit werden neu in Frage gestellt.  

Dies nehmen wir zum Anlass aufzuzeigen, welchen Beitrag Gender Studies im Feld der Wissenschaft Soziale Arbeit leisten, um zu einer Versachlichung der öffentlich-medialen Diskurse zu den Gender Studies beizutragen.

Soziale Arbeit basiert auf den allgemeinen Menschenrechten und den Grundrechten wie sie unser Grundgesetz festgeschrieben hat. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sie sich in ihrem Kern mit der Frage, wie soziale Probleme, die aus gesellschaftspolitisch ungleich verteilten Chancen zum ‚guten Leben‘ resultieren, zu lösen und Menschen bei der Bewältigung ihrer Benachteiligungen zu helfen. Solche Benachteiligungen umfassen den Mangel an Bildung, Beeinträchtigungen der Gesundheit, der beruflichen Erwerbsarbeit, des Einkommens, der sozialen Beziehungen und Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen. Mit der Unterstützung von Teilhabe, der Förderung von Bildung und Entwicklung und gesellschaftlicher Teilhabe ist Soziale Arbeit unverzichtbarer Teil wohlfahrtsstaatlicher Daseinsvorsorge.

Geschlecht als Wissenskategorie begleiten Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit seit ihrem Entstehen. Schon die Gründerinnen der Sozialen Arbeit – Jane Addams in den USA, Alice Salomon in Deutschland, aber auch Marie Baum, Elisabeth Gnauck-Kühne, Lily Braun oder Henriette Fürth – beschäftigten sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts bspw. intensiv mit der prekären Situation von Frauen, um ihr Leben zu verbessern, z.B. der Alleinerziehenden, Arbeiterinnen, Kriegswitwen und Prostituierten. 

Auch heute ist die Umsetzung die fachlichen Qualitätsstandards in den Einsatzfeldern Sozialer Arbeit – ob beim Kinderschutz, in der Kinderbetreuung und der Jugendarbeit, Gemeinwesenarbeit, Familienhilfe, Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Gesundheitshilfe, Flüchtlingshilfe, Altenhilfe, Gewaltschutz und Altenarbeit – ohne Genderkompetenzen nicht realisierbar. Denn schließlich gehören zu den Zielgruppen Sozialer Arbeit Menschen aller Geschlechtergruppen. Leistungen Sozialer Arbeit bedürfen von daher Wissen zu Geschlechterdimensionen in unserer Welt, wollen sie ‚passgenau‘ für die Zielgruppen sein. 

Die Entwicklung von Genderkompetenz als Schlüsselqualifikation in der Sozialen Arbeit gehört von daher zu einer der notwendigen Standards beruflicher Qualifikation. Sie ist auf die Generierung der Wissensbestände der Gender Studies angewiesen – auf ihre Theoriebildung und ihre Empirie, ihre Erkenntnisse zur Entstehung von gesellschaftlicher Benachteiligung und der Entwicklung von Strategien zu deren Abbau. Konkrete Erträge der Gender Studies für Soziale Arbeit sind bspw.:

  • Forschungen zu den Geschlechterarrangements in Einrichtungen der Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern haben nicht nur für alltägliche ‚Geschlechterspiele‘ und geschlechtsspezifische Zuschreibungen, Kränkungen und Konflikte sensibilisiert, sondern auch ein umfangreiches methodisches Repertoire an geschlechterpädagogischer Praxis hervorgebracht.
  • Die genderbezogene Care- und Familienforschung hat Wissen dazu geschaffen, wie die gesellschaftlich erforderlichen Reproduktionsarbeiten der Sorge, Pflege und Betreuung im Privaten organisiert werden, welche Arbeitsteilungen zwischen den Geschlechtern dabei bestehen und warum es insbesondere Frauen sind, die diese Arbeit leisten. Damit verbunden ist auch die Frage, wie Care-Aufgaben als Teil gesellschaftlicher Solidarität mehr Anerkennung erfahren können und Überlastungen und Benachteiligungen bei denen, die diese Aufgaben erfüllen, verhindert werden können.
  • Ohne die Gender Studies hätten wir heute nicht das kritische Bewusstsein zur Alltäglichkeit von Gewalt im Leben von Frauen – aber auch von Kindern und mittlerweile auch ansatzweise im Leben von Männern. Und es gäbe auch nicht Infrastruktur von institutionellen Hilfen gegen häusliche Gewalt: Frauenhäuser, Beratungsstellen, staatliche Gewaltschutzprogramme.
  • Die intensive Debatte zu den quantitativen Geschlechterungleichheiten in Studium und Beruf der Sozialen Arbeit hat ein Problembewusstsein dafür geschaffen, was es wohlfahrtsstaatlich und für die Zielgruppen bedeutet, wenn soziale Dienstleistungen überwiegend von Frauen geleistet werden. Sie hat aber auch die Frage danach aufgeworfen, was es für Männer bedeutet, in diesem Beruf in der Minderheit zu sein, und was es für Frauen und Männer bedeutet, wenn sie in diesen gesellschaftlich wenig anerkannten und gering honorierten Berufen tätig sind.
  • Es waren schließlich auch die Gender Studies, die für versteckte geschlechtliche Aufladungen in den Ressentiments gegen geflüchtete Menschen sensibilisieren konnten und aufgezeigt haben, wie hier Männer mit dem Merkmal muslimischer Religionszugehörigkeit pauschal zu Repräsentanten unerwünschter Fremdheit gemacht werden. Umgekehrt machten sie deutlich, wie sehr Soziale Arbeit mit Geflüchteten forschungsbasierter gendersensibler Praxiskonzepte bedarf, um Männern, Frauen und Kindern gut helfen zu können.

Für eine emanzipatorische Soziale Arbeit sind Gender Studies unverzichtbar. Wir stehen gerne zur Verfügung, wenn es um kontrovers-produktive Auseinandersetzungen mit Genderfragen geht. Wir verwehren uns jedoch gegen diffamierende Vorwürfe eines neuen ‚Genderismus‘ wie sie heutzutage hoffähig geworden sind.

Die gesetzlich verankerten Prinzipien von Bildungsgerechtigkeit, Gleichstellung, Abbau von sozialer Ungleichheit und Antidiskriminierung sind nicht nur für Soziale Arbeit grundlegend, sondern gehen alle an. Sie tragen zu sozialem Ausgleich und einer lebendigen demokratischen Kultur bei. Deshalb brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Gender Studies und genderreflektierte Soziale Arbeit.

Für die Fachgruppe Gender der DGSA

Prof. Dr. Lotte Rose, University of Applied Sciences Frankfurt/ Prof. Dr. Gudrun Ehlert, Hochschule Mittweida  

P.S.: Wer mehr zu den Gender Studies in der Sozialen Arbeit erfahren möchte, ist herzlich eingeladen zur Tagung „Gender_Wissen in Forschungsfeldern der Sozialen Arbeit“ am 22.-23.02.2018, an der Alice Salomon Hochschule Berlin, veranstaltet von der Sektion Forschung und der Fachgruppe Gender der DGSA.

Vor einigen Tagen wurde ein neuer Gesetzesentwurf der Schwarz-Grünen Landesregierung in Hessen öffentlich. Es handelt sich dabei um eine Neuauflage der „Extremismusklausel“, welche Träger, die öffentliche Mittel zur Förderung von Angeboten politischer Bildung nutzen, bspw. durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, dazu auffordert anlasslos ein Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung abzulegen. Bundesweit wurde diese Klausel nach einer langen und konstruktiven Auseinandersetzung wieder abgeschafft. Nun steht in Hessen neben der Wiedereinführung eine weitere Verschärfung dieses Vorgehens auf der Agenda: Vorgesehen ist eine Sicherheitsüberprüfung durch den Verfassungsschutz bei Neueinstellungen von Mitarbeiter_innen in Bildungs- und Beratungseinrichtungen und darüber hinaus auch die Überprüfung im Einzelfall nach Vergabe der Arbeitsverträge und Fördergelder.  

Es handelt sich dabei um eine Maßnahme, die das Vertrauen zwischen Trägern, die in Hessen seit Jahren wichtige und anerkannte Arbeit im Bereich politischer Bildung leisten und staatlichen Förderern zutiefst in Frage stellt. Wir können einen solchen Eingriff in die Trägerautonomie nur mit großer Sorge betrachten, stellt dies doch nicht zuletzt auch die Professionalität und den Erfolg der bisherigen bildungspolitischen Praxis in Frage. Bei dem geplanten gesetzlich verankerten Vorhaben vermischen sich dabei Aufgabengebiete, die aus guten Gründen unterschiedliche Strategien und Lösungskonzepte vorsehen. Soziale Arbeit und Sicherheitspolitik sind zwei gesellschaftlich notwendige Handlungsfelder, die jedoch unterschiedlichen Zielen folgen und diese Ziele mit verschiedenen Maßnahmen und Methoden realisieren. Eine Trennung beider Gebiete ist dringend notwendig, um weiterhin eine professionelle und gelingende Soziale Arbeit zu ermöglichen.  

Dies schließt neben der freien Gestaltung der inhaltlichen Ausrichtung von bildungspolitischen Programmen entlang fachlicher Kriterien auch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Akteur_innen ein, die für die Weiterentwicklung einer demokratischen Gesellschaft stehen. Soziale Arbeit unterliegt einem professionsspezifischen Wertekodex, dem die Menschenrechte sowie das Grundgesetz zugrunde gelegt sind. Die angedachte gesetzliche Bestimmung disqualifiziert Soziale Arbeit als Profession und zieht die bewährte Praxis Sozialer Arbeit in Zweifel. Wir unterstützen den Protest der Vertreter_innen der Freien Träger wie bspw. der Deutschen Vereinigung für politische Bildung, Landesverband Hessen, die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main und den Bundesverband Mobile Beratung und weisen den neuen Gesetzesentwurf entschieden zurück. Wir plädieren für das Fortbestehen der bisher vertrauensvollen Basis mit allen Akteur_innen im Feld der politischen Bildungsarbeit, die sich für ein demokratisches Miteinander und eine professionelle Soziale Arbeit einsetzen. Ohne Vertrauen und professionspolitische Anerkennung ist eine gelingende Soziale Arbeit nicht möglich!

Wir nehmen mit großer Sorge zur Kenntnis, dass die Verlagsgruppe Springer Nature mehr als eintausend wissenschaftliche Artikel aus ihrem Fachzeitschriftenprogramm für die Leser_innen in China bewusst und willentlich unzugänglich gemacht hat. Wie zahlreiche Pressorgane berichten, werden dabei vor allem Artikel zu regimekritischen Themen wie Tibet, Taiwan, die Kulturrevolution oder den gewaltsam niedergeschlagenen Aufstand von Tiananmen Platz seit einiger Zeit in China über SpringerLink auf Betreiben des Verlages nicht mehr erreichbar gehalten. Der Verlag beruft sich in einer Stellungnahme auf „lokale Regularien“ und relativiert, dass dabei nur „weniger als ein Prozent“ seiner wissenschaftlichen Artikel betroffen seien.

Wir sind irritiert zu sehen, dass sich ein wissenschaftlicher Fachverlag aktiv an Zensur und Geschichtsverklärung beteiligt und sich dem Druck einer Regierung beugt. Durch dieses Vorgehen negiert der Verlag seine wissenschaftliche und gesellschaftliche Funktion und Verantwortung als Fachverlag und zerstört sein wichtigstes Gut: Das Vertrauen seiner Leser_innen und Autor_innen und seine akademische und gesellschaftliche Glaubwürdigkeit. Im Umgang mit autokratischen und autoritären Regimen macht genau dieses eine Prozent der kritischen Beiträge den entscheidenden Umgang mit Meinungs- und Redefreiheit aus.

Als Vorstand und Fachgesellschaft fordern wir den Verlag Springer Nature auf, diese neue Art von Publikationspolitik umgehend zu überdenken und seine publizistische und gesellschaftliche Verantwortung wieder an die erste Stelle seiner Prioritäten zu stellen. Gerade in Zeiten von wieder erstarkenden autoritären, nationalistischen und totalitären Regimes muss ein wissenschaftlicher Verlag seiner Verantwortung gerecht werden.

Wir richten diese Forderung auch an die zu Springer Nature gehörenden Verlagssparten Springer VS und Palgrave Macmillan. In diesen Sparten publizieren viele unserer Mitglieder und stehen nun vor der Situation, als Autor_innen und Forschende mit einem Verlag zusammenzuarbeiten, der die Interessen einer Regierung über die Interessen seiner Autor_innen und Vertragspartner_innen stellt und damit seine gesellschaftliche und publizistische Verantwortung negiert.

20. November 2017, für den Vorstand der DGSA:

Prof. Dr. Michaela Köttig und Prof. Dr. Barbara Thiessen

Liebe Mitglieder der DGSA,  

die Sektion Forschung aktualisiert ihre Leseliste. Die Leseliste hat zum Ziel, möglichst viele Publikationen aufzunehmen, die Forschung in der Sozialen Arbeit thematisieren – nicht nur, um Einstiegsmöglichkeiten in die Thematik zu ermöglichen, sondern auch, um aufzuzeigen, was sich in diesem Feld tut. Derzeit haben wir in der Leseliste (Stand 2014) folgende Rubriken:

  • Handbücher
  • Einführungs- und Lehrbücher
  • Beiträge zu Grundlagen
  • Forschungsdesigns und Forschungsmethoden
  • Anwendungsbereiche
  • Publizierte Forschungsprojekte (je für Professionsforschung, Adressat_innenforschung, Organisationsforschung, Evaluationsforschung, Grundlagenforschung)
  • Anwendung in der Praxis Sozialer Arbeit
  • Forschungstraditionen

Wir bitten Sie, uns über Ihre aktuellen Publikationen (seit 2014) bzw. auch über ältere Publikationen, die relevant sind, zu informieren (vollständige Literaturangaben), damit wir sie in die Liste aufnehmen können. Im Anhang finden Sie die Leseliste auf dem derzeitigen Stand.  

Herzliche Grüße die Sprecherinnen der Sektion Forschung:

Ursula Unterkofler, Michaela Köttig und Anna Kasten

Call for Papers

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) 27./28. April 2018, Hamburg

Demokratie und Soziale Arbeit

Teilhabe, Solidarität und bürgerschaftliche Identifikation in einer pluralen Gesellschaft

Soziale Arbeit ist historisch eng mit Fragen von Demokratie und Teilhabe verbunden. Sie verstand sich als wohlfahrtsstaatliche Antwort auf die potenzielle soziale Desintegration von Individuen, Familien und Bevölkerungsgruppen. Und sie stand auch immer wieder in Verbindung mit sozialen Bewegungen, die Demokratie und gleichberechtigte Teilhabe für alle Menschen eingefordert haben. In ihrer professionellen Rolle setzte sie sich für die Stärkung der Perspektive von Bürgerinnen und Bürgern ein. In diesem Kontext erhebt Soziale Arbeit den Anspruch, in ihren Angeboten und Institutionen Orte zu schaffen, an denen Demokratie, politische Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe verwirklicht und gefördert werden. Aktuell muss sie sich als Profession und Disziplin jedoch auch die Frage stellen, ob sie diesen Anspruch noch so umfassend realisieren und gestalten kann, ob sie dafür die geeigneten programmatischen und konzeptionellen Ansätze aufweist. Es ist ferner zu diskutieren, ob die nötigen gesellschaftlichen Bedingungen und institutionellen Strukturen vorzufinden sind – dies vor dem Hintergrund einer sozialen Rahmung, in der, entgegen wohlfahrtsstaatlicher Prinzipien, sozialpolitische Entscheidungen getroffen werden, bei denen soziale Gerechtigkeit gegenüber ökonomischen Erwägungen und Argumentationen an Bedeutung verliert. Soziale Probleme wie Armut oder Arbeitslosigkeit werden dabei als individuelle Bewältigungsleistungen konstruiert und ihre strukturellen Ursachen verdeckt, Fragen sozialer Gerechtigkeit zunehmend dethematisiert. Es geht also darum, durch Partizipation ein solidarisches Miteinander zu kultivieren, den Anliegen marginalisierter Bevölkerungsgruppen (wieder) eine Stimme zu geben.

Die Regierungsform der Demokratie gerät in ihrer westlichen Ausprägung zunehmend unter Druck. Es gibt Menschen, die sich von den politischen Institutionen und gewählten Vertreter_innen nicht hinreichend repräsentiert fühlen. Die damit einhergehende Unzufriedenheit gibt Raum für populistische Kräfte und stellt damit auch die tradierten Formen von Teilhabe und Mitgestaltung in Frage. Aber der Unmut richtet sich aktuell auch immer wieder gegen eine zunehmend empfundene soziale Unsicherheit und Unübersichtlichkeit sowie die moderne vielfältige und offene Gesellschaft. Rechtspopulistische Kräfte kanalisieren diesen Unmut, suggerieren einfache Lösungen für die komplexen Fragen der Moderne und die Möglichkeit einer Rückkehr zu einer weniger unübersichtlichen Gesellschaft. Verteilungsfragen werden in kulturelle Fragen umgedeutet und führen zu Aus- und Abgrenzungen gegenüber konstruierten Gruppen. Demokratiegefährdende Äußerungen, Einstellungen und Handlungen werden zunehmend unüberhörbar, tradierte rassistische Einstellungen gewinnen an Wirkmächtigkeit verbunden mit einer Zunahme entsprechender Übergriffe gegenüber Andersdenkenden und vermeintlich schwächeren Bevölkerungsgruppen.

Parallel zeigt sich aber auch eine höchst lebendige Zivilgesellschaft im Engagement für Vielfalt und Offenheit. Dabei ist ein anhaltend hohes Potenzial an bürgerschaftlichem Engagement und an sozialem Zusammenhalt feststellbar, das aktuell in den vielen neuen und bestehenden Projekten, Organisationsformen und bürgerschaftlichen Initiativen sichtbar wird.       

Im Rahmen von Sozialer Arbeit sind Konzepte politischer Partizipation und gesellschaftlicher Teilhabe entwickelt und werden umgesetzt. Neue Formen der Beteiligung, auch an Hilfeprozessen in der Sozialen Arbeit, werden umgesetzt. Diese reichen in der Einzelfallhilfe von gemeinsamer Zieldefinition, geteilter Entscheidung(-sfindung) und Planung von Hilfen über aktivierende Gruppenmethoden, die Förderung von Selbsthilfe (in Gruppen und Initiativen) bis hin zu Beteiligungsverfahren in Stadt- oder Quartiersentwicklungsprozessen.

Vor diesem Hintergrund sollen vor allem die folgenden Themenschwerpunkte und Fragestellungen in der Jahrestagung vertiefend betrachtet werden:

  • Wie lassen sich politische Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe im Kontext von wachsender Vielfalt und sozialer Spaltung realisieren?
  • Was bedeutet die Diskreditierung der Demokratie für die weitere Entwicklung der Sozialen Arbeit?
  • Inwiefern spielen die neoliberale Verengung des Sozialstaates und das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte zusammen und wie kann sich die Soziale Arbeit hier positionieren?
  • Welche Erfahrungen gibt es in der Sozialen Arbeit mit Teilhabe- und Partizipationsmodellen? Welche Verständnisse von Teilhabe und Partizipation haben sich in der Sozialen Arbeit entwickelt?
  • In welchen Bereichen – auch der Sozialen Arbeit – fehlen bislang partizipative Konzepte?
  • Wie können Selbstwirksamkeitserfahrungen unterstützt werden, die auch die Erfahrung, Bürger_in eines demokratischen Gemeinwesens zu sein, einschließen?
  • Wie lassen sich bürgerschaftliches Engagement und professionelle Soziale Arbeit gut miteinander verknüpfen?
  • Wie können individuelle und auf Gruppen bezogene Hilfen und Unterstützungskonzepte mit anwaltschaftlichem Mandat konkret verknüpft werden?
  • Wie können Fragen der Umverteilung mit Fragen der Teilhabe zusammengedacht und auch in Interventionen der Sozialen Arbeit adressiert werden?
  • Und nicht zuletzt: In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit vom 27.04. bis 28.04.2018 in Hamburg bietet ein Forum für die Präsentation und Diskussion empirischer, theoretischer und anwendungsorientierter Fragen und Zugänge zum Thema.

Wir möchten Interessierte herzlich einladen, sich mit den mit diesem Thema verbundenen Fragen in der Sozialen Arbeit auseinanderzusetzen. Es können Panels ebenso wie Einzelbeiträge eingereicht werden. Vorschläge für Panels (1,5h inkl. Diskussion), Einzelbeiträge (20 Minuten plus Diskussion) und Posterpräsentationen sind bis zum 03.10.2017 an Prof. Dr. Michaela Köttig  Mail: Koettig@fb4.fra-uas.de, einzureichen.

Bitte beachten Sie unbedingt die folgenden formalen Vorgaben: Panels:

  • Verantwortliche (inkl. Kontaktdaten aller Beteiligten)
  • Paneltitel und Kurzbeschreibung des Panels (600 Zeichen)
  • Referierende (nicht mehr als drei Beiträge, bei weniger als drei Beiträgen können weitere Beiträge von den Tagungsveranstalter_innen hinzu gefügt werden)
  • Alle Vortragstitel und -beschreibungen in Lang- und Kurzfassung (2000 und 600 Zeichen)

Einzelbeiträge:

  • Vortragende/Vortragender (inkl. Kontaktdaten)
  • Vortragstitel
  • Vortragsbeschreibung in Lang- und Kurzfassung (2000 sowie 600 Zeichen)

Explizit aufgefordert werden Einsteiger_innen in die Wissenschaft, die sich mit Beiträgen auch in Form eines Posters mit ihrem gegenwärtigen Qualifizierungsprojekt einzubringen.

Hinweis: Der Tagungsbeitrag für Vortragende ist reduziert. Eine Reduktion des Teilnehmer_innen-Beitrags bei verkürzter Tagungsteilnahme ist ausgeschlossen. Die Teilnehmenden sorgen selbst für Anreise und Unterkunft.

Soziale Arbeit und Menschenrechte. Jahrestagung der DGSA am 28. und 29. April 2017

Update: Jetzt mit links zu den Videomitschnitten der key note / Abschlussveranstaltung

Ein Tagungsbericht von Anna Kasten und Daniela Molnar      

 

Soziale Arbeit als Menschrechtsprofession

 

Soziale Arbeit als Menschrechtsprofession „Soziale Arbeit und Menschenrechte“ – ein Thema, das offenbar einen Nerv traf: Am 28. und 29. April fand die Jahrestagung der DGSA unter diesem Motto statt. Die Alice Salomon Hochschule Berlin beherbergte über 500 Teilnehmer*innen, womit die diesjährige Jahrestagung die größte der Geschichte der DGSA war. Die Organisator*innen wurden vor neue Herausforderungen gestellt, so mussten ein ‚Anmeldestopp‘ eingerichtet, eine Warteliste erstellt und passende Räumlichkeiten gefunden werden. Die Eröffnung fand im Cine Star Kino statt – es sei das erste Mal, so Jim Ife, Professor an der Western Sydney University in Australien, dass er einen Vortrag in einem Kinosaal halte. Die Relevanz des Themas wurde bereits in der Begrüßung durch Michaela Köttig, Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences, und Barbara Thiessen, Professorin an der Hochschule Landshut, beide Vorsitzende der DGSA, deutlich betont. Es scheine, dass Menschenrechte weltweit immer stärker als verzichtbar angenommen würden. Verfolgungen und Diskriminierungen nähmen zu, politische Systeme polemisieren und rücken nach rechts. Für die Profession(en) Sozialer Arbeit ist es notwendig, sich noch klarer und eindeutiger zu positionieren und die Menschenrechte als grundlegende Orientierung der Sozialen Arbeit zu reflektieren. Im Namen der „Weltstadt mit Herz“ begrüßte Alexander Fischer, Staatssekretär für Arbeit und Soziales Berlin, die Teilnehmer*innen. Beate Rudolf, Professorin und Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, erläuterte die Selbstverständlichkeit und Herausforderung, die mit der Annahme der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession einhergehe. Bettina Völter, Professorin und Prorektorin der Alice Salomon Hochschule, verdeutlichte die Bedeutung der Thematik für Fachwelt und Gesellschaft und verwies auf den eindrücklichen Banner am Gebäude der ASH: „Menschenrechte – Menschenwürde – Menschlichkeit“. Die Eröffnungsvorträge hielten Jim Ife und Nivedita Prasad. Eindrücklich machte Ife deutlich, dass wir uns in einer krisenhaften Phase der Veränderungen, der Infragestellung unseres demokratischen, neoliberal ausgeprägten Gesellschaftssystems befänden. Hier sei besonders die Soziale Arbeit gefragt, denn ihre Stärke sei es, mit Krisen und Veränderungen zu arbeiten und dabei das Individuum, aber auch Gesellschaft und System in den Blick zu nehmen. Nivedita Prasad, Professorin an der Alice Salomon Hochschule Berlin, war beeindruckt von der Anwesenheit der zwei Wissenschaftler*innen, die sie in ihrer Forschungsarbeit zunächst am meisten beeinflusst hatten: Silvia Staub-Bernasconi und Jim Ife. In ihrem Vortrag stellte sie dar, dass Menschenrechte in Bezug auf Soziale Arbeit zum einen als Analyseinstrument genutzt werden können (wobei sich die Soziale Arbeit auch selbst in den Blick nehmen muss). Zum anderen stützen sie das Selbstverständnis der Sozialen Arbeit, die ihre Adressat*innen u.a. ermächtigen und auf gesellschaftliche Veränderungen hinwirken sollte. Soziale Arbeit muss sich, so der Tenor der Eröffnungsveranstaltung, ihrer Verantwortung und ihrer Möglichkeiten bewusst sein, sich aktiv im Diskurs einbringen, die Gültigkeit der Menschenrechte für alle Menschen hervorheben und für ihren Erhalt kämpfen.

 

40 Panels mit 160 Referierenden

 

In 40 Panels diskutierten die Teilnehmenden mit 160 Referierenden den Zusammenhang zwischen Menschenrechten und Sozialer Arbeit. Die einzelnen Panels waren von großer thematischer Vielfalt gekennzeichnet, darunter um das breite Spektrum zu veranschaulichen: Handlungsbezugsfelder der Menschenrechte, die Umsetzung der Kinderrechte durch die Soziale Arbeit, Soziale Rechte als Basis für Teilhabe, Menschenrechtsbildung in Lehre und Praxis, Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession im Kontext bewaffneter Konflikte, Capabilities Approach und Menschenrechte, Erforschung von Menschenrechten. Neben klassischen Vorträgen gab es auch Panels, in denen nur kurze Inputs gegeben wurden, um dann den Schwerpunkt auf die Diskussion zu legen. Beispiele dafür sind das Panel der Fachgruppe Internationale Soziale Arbeit zum Thema ‚Indigenous knowledge and indigenous social work‘ und das der Fachgruppe Politik, die unter dem Diskussionsthema ‚Mitgliedschaft als Menschenrecht?‘ Staatsbürgerschaftsrecht und Einwanderungspolitik im Fokus einer menschenrechtsorientierten Sozialen Arbeit in den Blick nahm. Nachwuchs- und Promotionsförderung in der Sozialen Arbeit wurden in mehreren Panels behandelt. Dabei wurden neben aktuellen strukturellen Bedingungen wie den Promotionsprogrammen auch individuelle Karriereentwicklungen diskutiert.

 

Wein, Tanz und Beisammensein

 

Ein fester Bestandteil der Jahrestagung ist das Beisammensein bei Wein und Tanz am Freitagabend. Die Party, merkte Nivedita Prasad in ihrem Resümee der Tagung an, sei eine ungewöhnliche und sehr wertvolle Erfahrung. Die Teilnehmenden setzten ihre Gespräche auf zwei Etagen verteilt fort, tauschten Erfahrungen aus, knüpften Kontakte und tanzten.

 

Menschenrechte und Soziale Arbeit – ein Papiertiger?

 

Ungewöhnlich war auch die Abschlussveranstaltung, in der Sabine Stövesand, Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, ein Gespräch mit Silvia Staub-Bernasconi, Professorin em. an der Technischen Universität Berlin, unter dem Titel „Menschenrechte und Soziale Arbeit – ein Papiertiger?“ führte. Staub-Bernasconi, so Stövesand, sei die einzige Frau der letzten Jahrzehnte, die eine eigenständige Theorie der Sozialen Arbeit konzipiert habe, und ohne die es den Menschrechtsdiskurs in der Sozialen Arbeit in seiner aktuellen Gestalt nicht gäbe. Als prägend für ihren Einstieg in den Diskurs um Menschenrechte erlebte Staub-Bernasconi ihren USA-Aufenthalt im Rahmen eines UNO-Stipendiums im Jahr 1963, mit dem sie an der University of Minnesota studieren konnte. Dort erlebte sie einerseits einen „Strukturschock“, indem sie mit der Armut konfrontiert wurde, in der viele Bürger*innen der USA lebten. Sie lernte aber auch die lange Tradition der Opposition kennen, in denen die Sozialarbeiter*innen in den USA eine aktive und präsente Rolle einnahmen. Zu den Meilensteinen, die die Verknüpfung von Menschenrechten und Sozialer Arbeit angestoßen haben, zählt sie u.a. den im Jahr 2002 etablierten postgradualen Master-Studiengang Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession im Verbund mehrerer Berliner Hochschulen, aber auch die diesjährige Tagung der DGSA. Für Staub-Bernasconi steht Soziale Arbeit in der Rolle der Übersetzerin, die die UNO für die Durchsetzung der Menschenrechte benötigt. Um diese Rolle einnehmen zu können, seien neben anderen Aspekten eben solche Tagungen wie die DGSA Jahrestagung 2017 zum Thema der Menschrechte erforderlich. Soziale Arbeit müsse, so Staub-Bernasconi, Soziale Gerechtigkeit verfolgen und stärken und sich zu einer kritischen Profession entwickeln.

 

Sind Soziale Arbeit und Menschenrechte also ein Papiertiger? Papiertiger, so Stövesand, sei die von Mao Zedong geprägte Bezeichnung für Menschen, Organisationen oder Schriftstücke, die sich machtvoller geben als sie in Wirklichkeit sind. Der Begriff des Papiertigers habe einen Doppelcharakter, denn auch Papiertiger können etwas durchsetzen und bewirken. Um es mit Bezug auf Max Horkheimer auszudrücken, nur weil Begriffe wie der des Menschenrechts durch die Mängel der Praxis beschädigt seien, solle man sie nicht verwerfen. Für Soziale Arbeit bedeute das, die Menschenrechte als Horizont und Verpflichtung anzunehmen.       

Am 6.3.2017 hat das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration den von ihr geförderten Einrichtungen der Sozialen Arbeit im Bereich der Asylsozialarbeit ein Schreiben gesendet, in dem diese aufgefordert werden, Flüchtlinge bei den Beratungen nicht auf Möglichkeiten hinzuweisen, wie sie sich gegen mögliche Abschiebungen juristisch zur Wehr setzen können. Diese Aufforderung war zwar begründet mit dem Verweis auf das Gesetz über außergerichtliche Rechtsdienstleistungen, enthielt aber die unverhohlene Drohung, dass die Einrichtungen der Asylsozialberatung die finanzielle Förderung verlieren, wenn sie weiterhin in dieser Art und Weise beraten würden. Ausführlich werden in dem Schreiben die Fördergrundsätze (https://www.verkuendung-bayern.de/files/allmbl/2016/05/allmbl-2016-05.pdf, ab S. 1495) zitiert, in denen massiv darauf hingewiesen wird, dass die Asylsozialberatung auf eine Rückkehr der Flüchtlinge in die Herkunftsländer drängen soll.   

Weitere Informationen und die Originaldokumente inkl. dem Brief des Ministeriums an die Einrichtungen der Asylsozialberatungen finden sich auf den Seiten des Bayerischen Flüchtlingsrats unter http://www.fluechtlingsrat-bayern.de.   

Der Vorstand der DGSA verurteilt auf das Schärfste diese Vorgehensweise, die die fachliche Unabhängigkeit der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Frage stellt!  

Menschen, die Rat bei professionellen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern suchen, haben das Recht auf eine umfassende und an den Bedürfnissen der KlientInnen ausgerichtete Beratung. Politische Vorgaben jeglicher Art dürfen keinen Einfluss auf Art und Inhalt des Beratungsprozesses haben. Das fachpolitische Mandat der Sozialen Arbeit beruht auf der Anerkennung der Menschenwürde, der Unterstützung von Menschen und der Orientierung an den Menschenrechten.  

Soziale Arbeit als Profession arbeitet auf gesetzlichen Grundlagen und achtet diese. Eine einseitige Auslegung der Rechtslage zu Ungunsten von Menschen in prekären Situationen aufgrund von politischen Intentionen verurteilen wir jedoch auf das Schärfste. Die Androhung, die staatliche finanzielle Förderung einzuschränken oder gar ganz zurückzuziehen, ist eine Bedrohung der fachlichen Unabhängigkeit der Sozialen Arbeit.   

Der Vorstand der DGSA

7.4.2017            

Auch der Vorstand der DGSA hat sich dem Einspruch zahlreicher Kolleginnen und Kollegen zur Vorgehensweise des BMFSFJ zur Überarbeitung des SGB VIII angeschlossen. Sie finden diesen Einspruch beigefügt. 

Kriterien für kooperative Promotionsverfahren

Eine Positionierung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit

Immer mehr Promotionsordnungen öffnen sich für kooperative Verfahren zwischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW/FH). Der Wissenschaftsrat hat sich 2010 ausdrücklich dafür ausgesprochen, die HRK (2015) hat diesen Wandel nachdrücklich unterstrichen. „In kooperativen Promotionsprogrammen, die von den Hochschulen selbst vereinbart werden, muss der Promotionszugang fu?r Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen transparent ausgestaltet werden. Daru?ber hinaus muss die Betreuung der Promovierenden aus der Fachhochschule durch ausgewiesene Fachhochschulprofessorinnen und -professoren sowie deren Beteiligung an den Promotionsverfahren als gleichberechtigte Gutachterinnen und Gutachter sowie Pru?ferinnen und Pru?fer sichergestellt werden. Die Forschung der Promovierenden aus der Fachhochschule soll zu einem wesentlichen Teil auch der Weiterentwicklung der Forschung an der Fachhochschule zugutekommen.“ (Wissenschaftsrat 2010, S. 12). Dennoch unterscheiden sich die zugrundeliegenden Promotionsordnungen und kooperativen Verträge z. T. beträchtlich. Der Promotionsbeirat der DGSA hat daher Überlegungen angestellt, welche förderlichen oder kritischen Punkte es in Bezug auf solche Ordnungen anzumerken und zu erwägen gilt.

DGSA Jahrestagung 2017

28./29. April 2017 an der Alice Salomon Hochschule Berlin

Wir haben die Höchstteilnehmerzahl bereits erreicht. Damit ist eine Tagungsanmeldung nicht mehr möglich. Auch die Nachrückliste ist geschlossen.

Die Jahrestagung 2017 der DGSA zum Thema „Soziale Arbeit und Menschenrechte“ wird vom 28. bis 29. April 2017 an der Alice Salomon Hochschule Berlin stattfinden. Das detaillierte Programm mit der Panelübersicht und alle weiteren Hinweise zur Tagung und zum Tagungsort finden Sie hier auf dieser Webseite.

Hinweisen möchten wir an dieser Stelle darauf, dass wir – wie auch in den letzten Jahren – die Teilnahme von Bachelorstudierenden Sozialer Arbeit kontingentieren müssen. Es werden 100 Plätze für diese Studierende zur Verfügung gestellt. Sollten Sie mit Gruppen von Studierenden zur Tagung kommen wollen, so empfehlen wir eine frühzeitige Anmeldung. Bitte haben Sie auch Verständnis, dass pro Hochschule die Gruppe nicht mehr als 15 Studierende groß sein sollte.

Wir freuen uns auf eine spannende Tagung und den kollegialen Austausch und danken an dieser Stelle bereits den Kolleginnen und Kollegen von der Alice Salomon Hochschule Berlin für die Zusammenarbeit bei der Tagungsorganisation.

Call for Papers Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) an der Alice Salomon Hochschule Berlin 28. und 29. April 2017 Soziale Arbeit und Menschenrechte Zahlreichen Diskursen in Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit dienen Modelle und Kataloge der Menschenrechte als zentrale Referenzpunkte. In Theoriemodellen wird die Realisierung der Menschenrechte als Realutopie, konzeptioneller Anspruch, ethischer Bezugsrahmen fachlichen Handelns, als Referenz im Umgang mit Dilemmata und zur Orientierung im Umgang mit menschenrechtswidrigen Forderungen konzeptualisiert. In der Praxis wird die aktive und passive Nutzung des UN-Menschenrechtsschutzsystems diskutiert und viele Praktiker_innen der Sozialen Arbeit finden in den Menschenrechten eine visionäre und zugleich konkrete Orientierung für ihr fachliches Handeln. Zentrale internationale Positionspapiere der Sozialen Arbeit orientieren sich an der Umsetzung der Menschenrechte. Nicht zuletzt beziehen soziale Bewegungen und Zusammenschlüsse von Adressat_innen ihre Aktivitäten auf die Realisierung und Ausweitung der Menschenrechte. Grundlegend für die Idee der Menschenrechte ist die Menschenwürde. Individuen erhalten ihre Menschenrechte qua ihres Menschseins, sie müssen für das Erlangen der Menschenrechte keine Bedingungen erfüllen. Jedoch ist die Realisierung von Menschenrechten immer gebunden an Individuen und Gesellschaften, die die Menschenrechte im sozialen, staatlichen, familialen und gemeinschaftlichen Handeln achten und ihnen zur Geltung verhelfen. Prozesse der Realisierung der Menschenrechte waren und sind immer auch konflikthaft und gebunden an die Einflussfaktoren von Interessen, Macht und Herrschaft in einer Gesellschaft. Aktuell wird die Wahrung der Menschenrechte zudem in neuer Weise herausgefordert. Das Handeln fundamentalistisch, nationalistisch, autoritär oder austeritätspolitisch orientierter Akteur_innen wirkt sich einschränkend auf die Realisierung der Menschenrechte in verschiedenen Lebensbereichen und Gesellschaften aus und drängt menschenrechtliche Errungenschaften wieder zurück. Gleichzeitig stehen sozial zunehmend gespaltene und mehr und mehr pluralisierte Gesellschaften vor der Herausforderung, sich gemeinsam auf geteilte normative Bezüge und Leitlinien zu verständigen. Soziale Arbeit steht als Profession und Disziplin vor der Herausforderung, sich reflektiert und bewusst in diesen Debatten zum Menschenrechtsdiskurs zu verorten und sich aktiv in den Auseinandersetzungen zu positionieren. Bislang besteht in vielen Feldern der Sozialen Arbeit jedoch noch wenig systematisches Wissen über die Umsetzung und Gestaltung von Interventionen zur Förderung der Menschenrechte. Und es gibt noch wenige Orte für den Austausch von Konzepten, Forschungsergebnissen, Strategien und Erfahrungen in der Menschenrechtsförderung und -realisierung. Vor diesem Hintergrund schafft die DGSA Jahrestagung 2017 ein Forum, in dem das Verhältnis zwischen der Sozialen Arbeit und den Menschenrechten in seinen unterschiedlichen Ebenen und Umsetzungsbereichen diskutiert werden soll. Dabei sollen auch fachliche Limitationen der Sozialen Arbeit kritisch hinterfragt werden. Vor allem die folgenden Themenschwerpunkte und Fragestellungen sollen dabei vertiefend betrachtet werden:

  • Menschenrechte als Grundlage: Welche Konzepte, Modelle, Begriffe dienen als Grundlage im Menschenrechtsdiskurs, welche Kritiken und Thematisierungen sind vorhanden?
  • Menschenrechte im politischen Diskurs: In welchen Politikfeldern spielt der Menschenrechtsdiskurs eine Rolle? Wie taucht er in Sozial-, Bildungs- und Gesundheitspolitiken auf?
  • Zum Handlungsfeldbezug der Menschenrechte: In welchen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit sind Menschenrechtsdiskurse relevant? Wie werden Menschenrechte dort thematisiert?
  • Konzepte zur Menschenrechtsarbeit und -bildung: Welche Verfahren, Konzepte, Studien, Strategien, institutionellen Formen und Rahmenbedingungen lassen sich identifizieren?
  • Menschenrechte in der Praxis der Sozialen Arbeit: Wie werden Menschenrechte in Bezug auf soziale Probleme thematisiert, eingefordert und realisiert? Welche Begründungen dienen ihrer Ausweitung?
  • Menschenrechtsmodelle operationalisieren: Inwiefern kann und sollte die Realisierung von Menschenrechten durch Indikatormodelle mess- und vergleichbar gemacht werden?
  • Menschenrechte von Adressat_innen: Inwieweit werden die Menschenrechte in der Sozialen Arbeit von Adressat_innen eingefordert und ihnen gegenüber realisiert? Wo sind hier Kritikpunkte?
  • Menschenrechte in der Forschung: Vor welchen Herausforderungen steht Forschung in der Sozialen Arbeit, wenn es um Fragen der Menschenrechte geht?
  • Wird die Soziale Arbeit ihrem Anspruch gerecht? Wurde die Soziale Arbeit in den letzten Jahren ihrem Anspruch, als eine Menschenrechtsprofession tätig zu sein, gerecht? Wo sind weitere Herausforderungen und offene Ansprüche?

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit vom 28. bis 29. April 2017 in Berlin bietet ein Forum für die Präsentation und Diskussion empirischer, theoretischer und anwendungsorientierter Fragen und Zugänge zum Thema. Wir möchten Interessierte herzlich einladen, sich mit den mit diesem Thema verbundenen Fragen in der Sozialen Arbeit auseinanderzusetzen. Von den Sektionen und Fachgruppen der DGSA können Panels zu diesem Thema gestaltet werden. Ebenso können Beiträge von Einzelnen (Vortrag sowie Posterpräsentation) eingereicht werden. Vorschläge für Panels (1,5h inkl. Diskussion), Einzelbeiträge (20 Minuten plus Diskussion) und Posterpräsentationen sind bis zum 01.10.2016 an Prof. Dr. Claudia Steckelberg, gradforum_sbe@hs-nb.de, einzureichen. Sie müssen folgende Informationen enthalten: Panels:

  • Verantwortliche (incl. Kontaktdaten aller Beteiligten)
  • Paneltitel und Kurzbeschreibung des Panels (600 Zeichen)
  • Referierende (nicht mehr als drei Beiträge, bei weniger als drei Beiträgen können weitere Beiträge von den Tagungsveranstalter_innen hinzu gefügt werden)
  • Alle Vortragstitel und -beschreibungen in Lang- und Kurzfassung (2000 und 600 Zeichen)

Einzelbeiträge:

  • Vortragende/Vortragender (incl. Kontaktdaten)
  • Vortragstitel
  • Vortragsbeschreibung in Lang- und Kurzfassung (2000 sowie 600 Zeichen)

Posterpräsentationen:

  • Präsentierende/Präsentierender (incl. Kontaktdaten)
  • Präsentationstitel
  • Präsentationsbeschreibung in Lang- und Kurzfassung (2000 und 600 Zeichen)

Hinweise: Auch Vortragende müssen einen reduzierten Tagungsbeitrag entrichten; DGSA-Mitglieder erhalten ebenfalls einen reduzierten Tagungsbeitrag. Eine Reduktion des TN-Beitrags bei verkürzter Tagungsteilnahme ist ausgeschlossen. Die TN sorgen selbst für Anreise und Unterkunft.

Stellungnahme des Vorstands der DGSA zur aktuellen Situation in der Türkei

Insbesondere zum Umgang mit Hochschulangehörigen in der Türkei

Wir sind besorgt und entsetzt über die politischen Entwicklungen in der Türkei. Bereits vor dem Militärputsch hat der Druck auf die Wissenschaft zugenommen. Seit der Petition die hunderte Akademiker_innen in der Türkei verfasst haben mit der Aufforderung an die türkische Regierung, den bewaffneten Konflikt mit der verbotenen PKK im Südosten des Landes zu beenden, gelten sie als „Vaterlandsverräter“ und werden öffentlich als „Möchtegern-Akademiker“ diffamiert. Bereits damit begannen Entlassungen, Verhaftungen und Anklagen wegen Terrorpropaganda.  

Am 19.7. wurde die Entlassung von 1.577 Universitäts-Dekanen angeordnet. Universitätsangestellte dürfen nicht mehr ausreisen. Türkische Akademiker_innen, die im Ausland arbeiten, sollen zurückkommen. Wer nicht heimkehrt, macht sich verdächtig. Dies ist ein Generalverdacht gegen Wissenschaftler_innen und Intellektuelle.  

Wir fühlen uns mit den betroffenen Hochschulangehörigen tief verbunden und versichern ihnen unsere Solidarität. Mit Sorge sehen wir, wie mit einem Streich die langjährigen Kooperationen, Austauschbeziehungen und gemeinsamen Lehr- und Forschungsprojekte zwischen Deutschland und der Türkei in Gefahr geraten und aktuell akut verhindert werden. Gerade im Bereich der Sozialen Arbeit, die erst seit den 2000er Jahren systematisch in der Türkei aufgebaut wird, sind nun vielfältige Kooperationsprojekte in Gefahr.  

Wir rufen die türkische Regierung dazu auf, die Repressionen und Verfolgungen zu stoppen und die demokratisch legitimierte Freiheit von Forschung und Lehre in der Wissenschaft nicht einzuschränken.    

21. Juli 2016  

Für den Vorstand:

Prof. Dr. Michaela Köttig

Prof. Dr. Barbara Thiessen      

Weitere Stellungnahmen siehe:  

www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/meldung/hrk-praesident-protestiert-gegen-umgang-mit-hochschulangehoerigen-in-der-tuerkei-3999/  

www.eua.be/Libraries/press/eua-statement-condemning-the-forced-resignation-of-1577-university-deans.pdf

Auf der 16. Mitgliederversammlung am 29.04.2016 wurden folgende Mitglieder in den neuen Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit e.V. (DGSA) gewählt:

Vorsitzende
Prof. Dr. Michaela Köttig

Prof. Dr. Barbara Thiessen

Schriftführung
Prof. Dr. Stefan Borrmann

Schatzmeister
Wolfgang Antes

Beisitzerinnen und Beisitzer
Prof. Dr. Sonja Kubisch
Prof. Dr. Dieter Röh
Prof. Dr. Christian Spatscheck
Prof. Dr. Claudia Steckelberg

 

Aus dem alten Vorstand waren nach der letzten Wahlperiode nicht mehr zur Wahl angetreten:
- Prof. Dr. Sabine Stövesand, sie war von 2011-2016 als Vorsitzende und von 2009-2011 als Beisitzerin im DGSA Vorstand aktiv.
- Prof. Dr. Gudrun Ehlert, sie war von 2014-2016 als Beisitzerin für den DGSA Vorstand tätig.

Der neue Vorstand dankt den beiden ehemaligen Vorstandsmitgliedern für ihr Engagement für die DGSA und die gute Zusammenarbeit.



Der Vorstand des FBTS hat an seine Mitglieder den folgenden Aufruf übersandt, den der Vorstand der DGSA sich mit Nachdruck anschließt.

In der vergangenen Woche wurden in der Türkei 27 akademische Mitarbeiter und Professoren aus vier Universitäten verhaftet, zum Teil direkt auf Campus.

Darunter war auch ein Kollege aus dem social work department der Kocaeli University. Die verhafteten KollegInnen waren Unterzeichner einer Deklaration, die sich für eine Wiederaufnahme der Friedensbemühungen mit den Kurden aussprach.

Mehr Informationen hierzu im Detail hier: http://www.bbc.com/news/world-europe-35321895

Die European Association of Schools of Social Work hat sich intensiv und sorgsam mit der Situation auseinander gesetzt und beurteilt diese als einen ausgesprochen alarmierenden und nicht zu akzeptierenden Bruch mit der akademischen Freiheit und Meinungsfreiheit: www.eassw.org

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt ebenfalls der Generalsekretär des Europarats in dieser Woche: http://www.coe.int/en/web/portal/-/turkey-secretary-general-thorbj-rn-jagland-concerned-by-arrests-of-academics

Die EASSW ist im engen Kontakt und ständiger Kommunikation mit den türkischen KollegInnen und berät zur Zeit über geeignete Maßnahmen zur Unterstützung der KollegInnen in der Türkei und zur Verteidigung der akademischen Freiheit.

Mehr Informationen unter: http://www.eassw.org

Hier steht der Newsletter zum Download bereit (PDF, 181 KB).


Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

zu Jahresbeginn möchten wir Ihnen für das nun schon angebrochene neue Jahr alles Gute für Ihre beruflichen und privaten Pläne wünschen. Auch für die DGSA bricht mit dem neuen Jahr wieder ein Jahr der Weiterentwicklung, der neuen Projekte und Konsolidierung bestehender Prozesse an.

Seit der Ausgabe 1/2016 erhalten Sie als Mitglied der DGSA die elektronische Ausgabe der Fachzeitschrift „Soziale Arbeit (DZI)“ 11x im Jahr kostenlos zugeschickt. Wir freuen uns, Ihnen diesen Service bieten zu können und sind zuversichtlich, dass das Angebot auf reges Interesse stoßen wird. Mit der Zeitschrift „Soziale Arbeit (DZI)“ konnten wir eine Kooperation mit einer der traditionsreichsten Fachzeitschriften eingehen. In Zukunft planen wir auch verstärkt, diese Zeitschrift als Ort der Publikation von Schwerpunkten der DGSA zu nutzen. Auch Sie als Mitglied der DGSA sind eingeladen, Ihre Artikel bei der Zeitschrift zur Publikation einzureichen.

Wie immer zu Beginn des Jahres wirft die kommen­ de Jahrestagung der DGSA schon ihre Schatten vor­ aus. In diesem Jahr werden wir uns am 29./30.04. 2016 in Düsseldorf mit dem Thema „Inklusion“ befassen. Die Resonanz auf den Call for Paper war überwältigend und wir haben ein spannendes Programm aus den eingereichten Beiträgen zusammen­ gestellt. Wir empfehlen Ihnen, sich frühzeitig anzumelden, damit Sie auch sicher einen Platz auf der Tagung bekommen. Ebenfalls auf der Tagung in Düsseldorf wird am 29.04.2016 die nächste reguläre Mitgliederversammlung der DGSA stattfinden. In diesem Rahmen wird auch der Vorstand neu gewählt. Zudem wird der mehrjährige und partizipativ angelegte Prozess der Neuerarbeitung des Kerncurriculums der DGSA abgeschlossen werden und die letzte Version den Mitgliedern zur Abstimmung vor­ gelegt.

Auch in 2016 streben wir als Vorstand ein weiteres Wachstum der DGSA an. Ausdruck davon wird sein, die Zahl von über 500 Mitgliedern weiter zu konsolidieren und auszubauen. Zudem freuen wir uns, dass sich eine neue Fachgruppe unter dem Dach der DGSA gegründet hat. Mit der neuen Fachgruppe „Soziale Arbeit in der Lehre“ arbeiten nun vier Sektionen und acht Fachgruppen im Rahmen der DGSA an der inhaltlichen Weiterentwicklung unserer Profession und Disziplin. Um dieses Wachstum auch formal bewältigen zu können, hat der Sprecher_in­ nenrat – ein Treffen des Vorstands und der gewählten Sektions­ und Fachgruppensprecher_innen – die formale Zusammenarbeit in unserer Fachgesellschaft durch eine neu erarbeitete Geschäftsordnung geregelt.

Wir wünschen Ihnen nun viel Freude bei der Lektüre dieser Mitteilungen.

Mit kollegialen Grüßen,
Prof. Dr. Stefan Borrmann, Prof. Dr. Michaela Köttig, Prof. Dr. Sabine Stövesand, Wolfgang Antes, Prof. Dr. Gudrun Ehlert, Prof. Dr. Dieter Röh, Prof. Dr. Christian Spatscheck und Prof. Dr. Barbara Thiessen


Der Vorstand der DGSA schließt sich den Erklärungen der IFSW an

22.10.2015: Prof. Dr. Sabine Stövesand, Prof. Dr. Christian Spatscheck (für den Vorstand)


In ihrer aktuellen Stellungnahme spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) für eine Willkommenskultur und eine faire Auseinandersetzung darüber aus, wie einheimische Bevölkerung und Flüchtlinge zusammenleben können. SozialarbeiterInnen nehmen in diesem Prozess der gegenseitigen Annäherung eine Schlüsselstellung ein.

Der Vorstand der DGSA schließt sich den Erklärungen der IFSW – International Federation of Social Workers sowie der EASSW – European Association of Schools of Social Work zur aktuellen Situation der Flüchtlinge in Europa an.

Wir rufen die verantwortlichen Regierungen, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaften dazu auf, strukturelle Fluchtursachen und Gründe zu beseitigen sowie den aus Kriegen oder Not geflüchteten Menschen jene Hilfe zukommen zu lassen, die sie im Sinne der Humanität dringend benötigen und die ihnen im Sinne der Menschenrechte zusteht.

Dazu gehören auch die Schaffung von Bedingungen und Kulturen des Willkommens und Zusammenlebens in den Aufnahmeländern sowie der Wille und die Bereitschaft der BürgerInnen, mit den neu ankommenden Menschen in eine aktive und faire Auseinandersetzung über ein gemeinsames Zusammenleben zu treten, den Aufbau aller dazu förderlichen gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen sowie die Bereitschaft, vorhandenen Reichtum gerecht zu verteilen.

SozialarbeiterInnen leisten einen wichtigen Beitrag bei der Gestaltung der damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen. Durch ihre professionellen Interventionen und die Anleitung von einer beeindruckend großen Zahl von ehrenamtlichen und engagierten HelferInnen nehmen sie eine Schlüsselstellung im Hilfesystem ein. Um das hierzu Erforderliche tun zu können brauchen sie die dafür nötigen Ressourcen. Dies schließt eine angemessene Bezahlung ein sowie Arbeitsbedingungen, die den hohen Anforderungen durch Supervision, Fortbildung und Arbeitszeitausgleich Rechnung tragen.

Die Tätigkeit der SozialarbeiterInnen in der Flüchtlingshilfe ist eine fachlich komplexe und besonders herausfordernde Aufgabe. Der weiter anhaltende und an manchen Orten nur schwer erfüllbare quantitative Bedarf an SozialarbeiterInnen in diesem Handlungsfeld darf nicht dazu führen, dass fachliche Standards abgesenkt werden oder Personen in diesem sensiblen Feld tätig werden, die die nötigen fachlichen Qualifikationen und Kompetenzen dafür nicht aufweisen. Wir rufen die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern dazu auf, den fachlichen Nachwuchs in ausreichender Zahl zu qualifizieren und bereitzustellen.

Beitrag im Deutschlandfunk

30.04.2015 im Deutschlandfunk


Am 30.04.2015 lief abends ab 20.10 Uhr der Beitrag von Anke Gundelach über das Tagungsthema der Jahrestagung in Würzburg im Deutschlandfunk.


Auf der Jahrestagung wird es zu Beginn und zum Abschluss jeweils eine keynote geben, die in das Thema einführt bzw. das Thema abschließt. Wir freuen uns, dass wir zwei ausgewiesene Expert_innen dafür gewinnen konnten. Die Lebensläufe der beiden keynote speaker finden sie an dieser Stelle zum download.


Flucht, Trauma, Integration – ein neuer Service der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit listet fachkundige AnsprechpartnerInnen für die Medien auf – nicht nur zum aktuellen Thema Flüchtlinge.

Silke Gahleitner hat kürzlich eine Studie zur Wirksamkeit von Traumapädagogik vorgelegt. Drei Jahre haben Forscherinnen und Forscher unter der Leitung der Professorin, die in Berlin und an der Donau-Universität Krems lehrt, untersucht, wie sich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in einer stationären Einrichtung verändert, wenn die Mitarbeitenden eine traumapädagogische Schulung absolviert haben. Die WissenschaftlerInnen fanden heraus, wie gut es traumatisierten Kindern und Jugendlichen tut, Halt gebende Beziehungen und eine aufrichtige Kommunikation zu erfahren. Erklärt zu bekommen, wie die traumatische Erfahrung sich auf ihr Fühlen, Denken und Verhalten auswirkt, helfe Schuld und Scham zu überwinden und sich allmählich selbst zu regulieren. Durch die traumapädagogische Schulung lernten SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen, betroffenen Kindern dabei ein respektvolles und aufmerksames Gegenüber zu sein.

„Traumapädagogische Kompetenzen sind auch in der Arbeit mit Flüchtlingen unerhört wertvoll“, betont Silke Gahleitner. „Denn ganz oft sind es SozialarbeiterInnen, die den Menschen in ihrer seelischen Not beistehen und dann ein Klima schaffen müssen, in dem die Bewältigung des Erfahrenen möglich ist.“

Eric Mührel bildet mit anderen KollegInnen an der Hochschule Emden/Leer Studierende des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit auch zu Integrationslotsen aus. Während die angehenden SozialarbeiterInnen an der Hochschule ihre interkulturelle Kompetenz erweitern und Formen des begleiteten Interessenausgleichs bzw. der Konfliktmediation erlernen, begleiten sie gleichzeitig bereits Flüchtlinge etwa zu Ämtern und in Vereine. „Tatsächlich brauchen nicht nur die Flüchtlinge eine solche Beratung und Begleitung, sondern es kommen z. B. auch Sportvereine, die dabei unterstützt werden möchten, ein gedeihliches Miteinander mit den NeubürgerInnen zu schaffen“, erzählt der Professor, der neben der Flüchtlingshilfe weitere Arbeitsschwerpunkte u. a. in der Bildungsgerechtigkeit und Lebenskunst hat.

Nausikaa Schirilla wiederum hat untersucht, wie sich kriegerische Konflikte und Katastrophen in dem Flüchtlingszuzug einer Kommune widerspiegeln und wie die Integration der Flüchtlinge gelingt. Dafür hat die Professorin an der Katholischen Hochschule Freiburg Dutzende Biographien studiert, etwa solche von vietnamesischen Boat-People, von Kurdinnen und Kurden und von Flüchtlingen vor dem Jugoslawien-Krieg. Interessiert hat sie besonders, wie diese trotz widriger Umstände ihre Arbeit gefunden haben und wie gut die ehemaligen Flüchtlinge mittlerweile in ihrer Kommune verwurzelt sind. Schirillas Fazit: „Niemand flüchtet ohne triftigen Grund. Und der Wunsch, möglichst schnell sich durch eigene Arbeit finanziell abzusichern, ist zentral.“

Silke Gahleitner, Eric Mührel und Nausikaa Schirilla sind drei von über fünfzig ExpertInnen und Experten, die bereit sind, den Medien in Hintergrundgesprächen oder als InterviewpartnerInnen ihre Expertise in den unterschiedlichsten Feldern der Sozialen Arbeit zur Verfügung zu stellen.

Im ExpertInnen-Pool können Interessierte zahlreiche weitere ExpertInnen und Themen wie Straßenkinder, Leitbilder von Elternschaft, Partnerschaftsberatung älterer Menschen oder nachbarschaftsbezogene Konzepte gegen häusliche Gewalt finden.