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Aktuelles aus der DGSA

Call for Papers

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) 29./30. April 2022, Wiesbaden

Geteiltes Wissen – Wissensentwicklung in Disziplin und Profession Sozialer Arbeit

Soziale Arbeit lebt als Disziplin und Profession von den Dynamiken und Relationen der in und mit ihr geteilten Wissensbestände und deren Anschlüssen an verschiedene Disziplinen und Anwendungskontexte. Das in der Sozialen Arbeit geteilte Wissen verbleibt dabei nicht statisch. In der Auseinandersetzung von Forschung, Theoriebildung, Lehre und Praxis ist es einer fortlaufenden Weiterentwicklung unterworfen. Auch jenseits deutlicher Paradigmenwechsel erfahren Wissenschaftler*innen und Fachkräfte Sozialer Arbeit, dass sich neue Wissensformen und neue Wissensinhalte ergeben, sich erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Diskurse (wieder) entfachen und wie Wissen im gesellschaftlichen Diskurs herausgefordert und weiter entwickelt wird. Implizites und explizites Wissen stehen dabei nebeneinander und auch miteinander im Wettbewerb.

Im Laufe der letzten 20 Jahre konnte sich Soziale Arbeit als Disziplin und Profession in Wissenschaft und Praxis etablieren. Mit Blick auf gegenwärtige gesellschaftliche und politische Entwicklungsdynamiken stellen sich für ihre inhaltliche Weiterentwicklung jedoch neue Herausforderungen, die im Wissenschaftssystem, in der Profession und in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten in sehr unterschiedlicher Weise akzentuiert werden. Hinsichtlich der Wissenschafts- und Forschungspolitik, der Rahmung und Ausgestaltung von Lebenslagen der Adressat*innen sowie den darauf reagierenden disziplinären, professionellen und institutionellen Praxen müssen diese adäquat beantwortet werden.

Für die Wissenschaft Soziale Arbeit stellen sich in Forschung und Lehre damit neue Fragestellungen. So steht ein nie dagewesener Umfang an Publikationen und eine stark wachsende Forschungstätigkeit im Widerspruch zu oft inadäquaten zeitlichen, personellen und technischen Ressourcen an Hochschulen. Zudem bleibt noch offen, wie angesichts des an (noch) nicht an allen Hochschultypen vorliegenden Promotionsrechts der Bedarf an der Qualifizierung des eigenen wissenschaftlichen Nachwuchses adäquat gedeckt werden kann. Kooperative Promotionen, vereinzelte Promotionskollegs oder das probeweise verliehene Promotionsrecht in Hessen zeigen hier erste Möglichkeiten auf. Zudem stellt sich die Frage, wie der ungebrochenen Nachfrage nach Studienplätzen in der Sozialen Arbeit an beiden Hochschultypen wieder stärker begegnet werden kann. Derzeit fangen diese Bedarfe vor allem privatgewerbliche Hochschulen mit ihren häufig dualen oder Fern- oder Online-Studiengängen in sehr dynamischer Weise auf. Ob und inwieweit in diesem florierenden Sektor noch hinreichend qualitativ für die Anforderungen an die Professionalität Sozialer Arbeit (aus-)gebildet wird, ist nicht hinreichend geklärt.

In der Praxis nimmt die Beschäftigungsquote auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts weiterhin zu. Dabei differenziert sich die Soziale Arbeit theoretisch, forschend und handelnd immer weiter aus. Gleichzeitig stellen sich hier aber auch Fragen der professionellen Zuständigkeit, etwa indem andere Berufe oder Professionen in originären Domänen der Sozialen Arbeit eingesetzt werden oder ihrerseits sozialarbeiterische Ansätze übernehmen. Zudem sehen sich viele Kolleg*innen in der Praxis mit der Herausforderung konfrontiert, komplexer und umfangreicher werdende Aufgaben mit nicht ausreichender Ausstattung an Ressourcen zu bewältigen. Damit stellt sich insgesamt die Frage, ob und wie die beruflichen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen dem disziplinären und professionellen Anspruch gerecht werden können. Zwar halten zunehmend methodisches Handeln und professionelle Qualitätsstandards Einzug in die Handlungspraxis, gleichzeitig verbleibt den Fachkräften zu wenig Zeit für die adressat*innenbezogene Tätigkeit oder ihre Autonomie wird im Kontext der organisationalen Strukturen und Regeln eingeschränkt. Hochschulen wie Praxis ringen dabei auch um Fragen der Qualität von Absolvent*innen bzw. Berufsanfänger*innen und der kontinuierlich hohen Nachfrage nach Fachkräften der Sozialen Arbeit bei gleichzeitig stagnierender öffentlicher Hochschulfinanzierung.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen richtet die Tagung ihren Blick wieder stärker auf die inhaltliche und gesellschaftliche Verfasstheit der Disziplin und Profession. Der Gegenstand des Entwickelns und des Teilens von Wissen als dynamisches, relationales und oft widersprüchliches Gefüge mit seinen unterschiedlichen Akteur*innen und dessen Relationen und Schnittstellen soll in seiner ganzen Situation betrachtet und kritisch reflektiert werden. Dabei steht die Fragestellung im Mittelpunkt, in welcher Art und Weise die Disziplin und Profession anhand des in ihr geteilten Wissens befähigt werden kann, die skizzierten Entwicklungen aufzugreifen und kritisch zu reflektieren.

In Bezug auf die Wissensproduktion in der Sozialen Arbeit stellen sich vor allem folgende Themenbereiche und Leitfragen, die bei der Tagung zu thematischen Themensträngen zusammen geführt werden:

1. Generierung von Wissen im Kontext von Disziplin und Profession Sozialer Arbeit
       a. Wo und in welcher Weise wird Wissen der Sozialen Arbeit gebildet und weiterentwickelt? Welche unterschiedlichen Wissensformen sind dabei in den Blick zu nehmen? Auf welches geteilte Wissen wird in Profession und Disziplin zurückgegriffen?
       b. Welche Bedeutung haben unterschiedliche Wissensformen (Praxiswissen, Erfahrungswissen, Theorien) und welche (Macht-)Verhältnisse zeichnen sie aus? Wie wird Wissen vor dem Hintergrund intersektional strukturierter Machtverhältnisse generiert?
       c. Welche Bedeutung und welchen Einfluss hat die international geführte Diskussion um indigenes Wissen und um sozial-ökologische Ansätze in der Sozialen Arbeit?
       d. Welchen Beitrag lieferten soziale Bewegungen auf die Entwicklung der Profession bzw. der professionellen Sozialen Arbeit?

2. Wissensbildung und Bedeutung von Wissen
      a. Welche Rahmenbedingungen zeichnen die Entstehung von Wissen aus?
      b. In welchem Wechselverhältnis stehen Forschung, Lehre und Praxis bei der Entstehung von Wissen und im wissenschaftlichen und professionellen Diskurs?
      c. Wie entwickeln sich derzeit die Inhalte und die Qualität von Wissensbildung im Kontext Sozialer Arbeit und welchen Einfluss haben sie auf wissenschaftliche, professionelle, öffentliche und politische Diskurse?

3. Potenziale von Wissensbeständen im Kontext von Profession, Studium und Disziplin Sozialer Arbeit
      a. In welcher Weise findet forschungsbasiertes Wissen Eingang in Studium und Praxis sowie umgekehrt und welche Rolle spielen Nutzer*innen- und Institutionenperspektiven für die Theorieentwicklung?
       b. Wie wird aus Wissen Können und aus Können Wissen und welche Konsequenzen lassen sich daraus für die Kompetenzentwicklung an verschiedenen Lernorten, in der Praxis und für die Theoriebildung formulieren?
      c. In welcher Weise tragen Wissensbestände aus Disziplin und Profession zur gesellschaftlichen Entwicklung bei und können zum Dialog zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und professioneller Praxis beitragen?

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit am 29. und 30. April 2022 in Wiesbaden bietet ein Forum für die Präsentation und Diskussion empirischer, theoretischer und anwendungsorientierter Fragen und Zugänge zum Thema.

Wir möchten Interessierte herzlich einladen, Panels ebenso wie Einzelbeiträge einzureichen, und bitten um Zuordnung zu einem der Themenschwerpunkte. Vorschläge für Panels (1,5h inkl. Diskussion) und Einzelbeiträge (20 Minuten plus Diskussion) sind bis zum 15.10.2021 unter www.conftool.net/dgsa2022/ einzureichen. Bitte beachten Sie unbedingt die folgenden formalen Vorgaben, die Sie zur vollständigen Einreichung von Panels und Beiträgen benötigen:  

Panels:
· Panelverantwortliche*r und Kontaktdaten aller Beteiligten/Referierenden
· Paneltitel und Kurzbeschreibung des Panels (600 Zeichen inkl. Leerzeichen), nicht mehr als 3 Beiträge
· Alle Vortragstitel und -beschreibungen in Lang- und Kurzfassung (2.000 und 600 Zeichen inkl. Leerzeichen)
· Neben klassischen thematischen Panels sind hier auch offenere Formate, wie z. B. Werkstätten, Podiumsdiskussionen, Meet the Autors o. ä. denkbar, sofern diese als Panel dennoch drei Beiträge integrieren.  

Einzelbeiträge:
· Vortragende*r (inkl. Kontaktdaten)
· Vortragstitel
· Vortragsbeschreibung in Lang- und Kurzfassung (2.000 sowie 600 Zeichen inkl. Leerzeichen)  

Hinweise:
Vortragende und Moderierende entrichten reduzierte Tagungsgebühren (gleiche Höhe wie DGSA-Mitglieder). Eine Reduktion des Teilnehmenden-Beitrags bei verkürzter Tagungsteilnahme ist ausgeschlossen. Die Teilnehmenden sorgen selbst für Anreise und Unterkunft.

Da parallel ein weiterer größerer Kongress in Wiesbaden stattfinden wird, werden die Hotelzimmer vor Ort etwas knapper verfügbar sein. Wir empfehlen deshalb eine frühe Hotelbuchung und ggf. auch eine etwas erweiterte Suche im Raum Wiesbaden, Mainz und Rhein Main.

Es wird auch dieses Mal wieder eine Vor-Konferenz für Nachwuchswissenschaftler*innen angeboten (28.-29.4.2022). Hierzu wird es einen eigenen Call geben.

Wir bitten sämtliche Anfragen (nicht Einreichungen!) an dgsa2022@dgsa.de zu richten.    

Symposium: 12. und 13. November 2021

Fachgruppe Internationale Soziale Arbeit (ISA) und Flucht, Migration, Rassismus- und Antisemitismuskritik (Migraas) der DGSA in Zusammenarbeit mit der FHWS

Angesichts der aktuellen Situation findet die Tagung in Form einer hybriden Veranstaltung statt. Dies bedeutet, dass die Angebote sowohl online als auch in Präsenz stattfinden. Die Teilnehmerzahl in Präsenz wird der Corona-Lage angepasst. Der Ort der Veranstaltung ist in diesem Falle die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.

2. Forschungs(ethik)forum der DGSA und der Sektion Forschung

Programm zur Online-Veranstaltung über Webex am 05.11.2021

 

 

Brief aus der Fachgruppe "Flucht, Migration, Rassismus- und Antisemitismuskritik" an Studierende und Lehrende der Sozialen Arbeit sowie eine Liste mit Links zu Artikeln und Texten. Der Brief kann auch genutzt werden, um mit Studierenden in Veranstaltungen über das Thema sprechen oder ihn an Studierende aus euren/Ihren Seminaren und Kolleg*innen weiterzuleiten.

 

 

Forschung im Kontext der Pandemie

Eine Stellungnahme des Vorstands der DGSA

Deutschland befindet sich erneut im „harten Lockdown“. Wissenschaftliche Studien, die kontinuierliche Beobachtung entsprechender Parameter und nicht zuletzt die Empfehlungen einschlägiger wissenschaftlicher Institutionen hatten einen solchen Schritt nahegelegt, und niemand, der die entsprechenden Veröffentlichungen zur Kenntnis genommen hat, wird wohl ernsthaft die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme bestreiten: Sie dient der Eindämmung einer unkontrollierten Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus, der Sicherung der Arbeitsfähigkeit des Gesundheitssystems und dem Schutz besonders vulnerabler Gruppen. Inzwischen konnte zudem mit dem Impfen begonnen werden. Die Entwicklung mehrerer erfolgversprechender Impfstoffe in den letzten Monaten hat gezeigt, wie Forschung zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen kann, wenn sie entsprechende Förderung erfährt.

In den letzten Monaten ist allerdings auch deutlich geworden, dass wenige Disziplinen den politischen und öffentlichen Diskurs dominieren und damit auch nur spezifische Arten von Forschung und deren Erkenntnisse als relevant für die Krisenanalyse und -bewältigung wahrgenommen werden. Andere wissenschaftliche Perspektiven, welche z.B. auch die sozialen und kulturellen Dimensionen der Krise und ihrer komplexen Folgen in den Blick nehmen, sind bisher selbst in interdisziplinär besetzten Expert*innenkommissionen kaum vertreten. Dabei trifft die Pandemie die ganze (Welt-)Gesellschaft und entsprechend vielfältig sind die Probleme, die sie verursacht, die Erfahrungen, die gemacht werden und die Umgangsweisen, die entwickelt werden. Dies führt auch in der Wissenschaft dazu, dass viele neue Fragen aufgeworfen oder bereits bearbeitete Fragen neu gerahmt werden. Die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen fokussieren dabei unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche und Forschungsgegenstände und sie bearbeiten die aufgeworfenen Fragen in je spezifischer Perspektive. Für eine verstärkte inter- und transdisziplinäre Verständigung, die durch die große Komplexität der Covid 19-Pandemie dringlicher wird, müssen die verschiedenen Disziplinen ihre jeweiligen Stärken und genuinen Beiträge reflektieren und im Diskurs zur Geltung bringen. Aufgabe von Politik und Medien ist es, der Vielfalt der Perspektiven und Forschungszugänge angemessen und ausgewogenen Raum im Diskursspektrum zu geben.

Auch der Forschung im Kontext der Wissenschaft Soziale Arbeit stellen sich derzeit viele Fragen, z.B.: Wie erleb(t)en Kinder und Jugendliche die Schließung von Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und die massive Einschränkung ihrer Peerkontakte? Wie wirkt sich der Lockdown auf die Handlungsmöglichkeiten wohnungsloser Menschen aus? Wie verändert sich Armut im Kontext der Pandemie? Welche Erfahrungen machen Menschen nach der Flucht in Gemeinschaftsunterkünften unter den Bedingungen der Isolation? Wie ordnen ältere und hochbetagte Menschen die gegenwärtigen Erfahrungen in ihre Biografie ein? Wie werden öffentliche Räume unter den Bedingungen sozialer Distanzregeln angeeignet und welche Unterschiede lassen sich dabei etwa im Hinblick auf Gender, Alter oder Milieu feststellen? Welche Erfahrungen machen Menschen, deren nahe Angehörige an Covid 19 oder aus anderen Gründen verstorben sind, im Kontext der Pandemie? Welche Auswirkungen hat Corona auf bürgerschaftliches Engagement und nachbarschaftliche Netzwerke? Und nicht zuletzt: Wie verändern sich die Praxen Sozialer Arbeit im Zuge der sozialen Distanzregeln und der Digitalisierung, die derzeit in vielen Bereichen einen neuen Schub erhält?

Die Wissenschaft Soziale Arbeit bearbeitet solche Fragen unter dem Gesichtspunkt der Verhinderung und Bewältigung sozialer Probleme und generiert dabei – auch längerfristig – gesellschaftlich hoch relevantes grundlagen- und anwendungsbezogenes Wissen. Dabei steht die Forschung in diesem Bereich derzeit selbst vor verschiedenen Herausforderungen, denn es stellen sich nicht nur neue forschungsethische Fragen, sondern es sind auch methodologisch-methodische Anpassungen an die Forschungsbedingungen in Zeiten der Pandemie erforderlich.

Forschung im Kontext der Wissenschaft Soziale Arbeit bearbeitet Themen und Fragestellungen von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Sie bedarf darum einer stabilen und gezielten Förderung – auch und gerade in Zeiten der Pandemie:

  • Es braucht Zugänge zur Forschungsförderung und spezifische Forschungsförderprogramme im Bereich der Grundlagenforschung (u.a. DFG).
  • Benötigt werden zudem speziell auf die Soziale Arbeit zugeschnittene Programme im Bereich der anwendungsbezogenen Forschung (z.B. BMBF, Länderministerien, Stiftungen), die disziplinbezogene und interdisziplinäre, lokale, nationale und internationale Forschung ermöglichen.
  • Um adäquat auf die Auswirkungen der Pandemie reagieren zu können, muss die Perspektive der Wissenschaft Soziale Arbeit – sowohl bezogen auf die professionellen Angebote als auch die Adressat*innen und Nutzer*innen Sozialer Arbeit – in die entsprechenden Expert*innengremien und Gremien der Politikberatung zum Umgang mit Covid 19 einbezogen werden.

Dem Vorstand gehören an: Prof. Dr. Michaela Köttig und Prof. Dr. Barbara Thiessen (Vorsitzende), Prof. Dr. Stefan Borrmann (Schriftführung), Wolfgang Antes (Schatzmeister), Prof. Dr. Sonja Kubisch, Prof. Dr. Dieter Röh, Prof. Dr. Christian Spatscheck und Prof. Dr. Claudia Steckelberg (Beisitzer*innen).

Am 3. Dezember 2020 ist Ruth Brack nach langer Krankheit gestorben. Sie war Mitglied der DGSA von 1.2.1995 bis zum 1.02.2000.  

Ruth Brack war eine der Pionierinnen der modernen Sozialen Arbeit in der Schweiz. Sie absolvierte in Zürich die Schule für Soziale Arbeit. Während zweier Jahre besuchte sie an einer Universität in Denver (USA) Weiterbildungen. 1965 war sie Mitbegründerin der Reformierten Heimstätte Gwatt am Thunersee, wo sie vor allem in sozialer Gruppenarbeit ausbildete. 1975 wurde diese Ausbildung in die Berner Fachhochschule integriert. Dort wirkte sie vor allem in der Fortbildung.  

Besonders zu erwähnen ist der leider einmalig gebliebene Dozentenlehrgang, der von 1981 – 1983 im Auftrag der SASSA (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Schulen für Soziale Arbeit) an der Fachhochschule in Bern durchgeführt wurde (der Autor dieses Nachrufs gehört zu den Absolventen). Federführend war Ruth Brack, während Silvia Staub-Bernasconi, Werner Obrecht und Walter Amsler als Teilverantwortliche das anspruchsvolle Konzept realisierten. Der Lehrgang sollte einen Beitrag zur Integration von anspruchsvollem theoretischem Wissen mit praktischer Umsetzung leisten. Es ging den Mitwirkenden des «Lehrkörpers» darum, qualifizierten Nachwuchs an Dozentinnen und Dozenten für die damaligen Ausbildungen zu gewinnen. Die meisten Absolventinnen und Absolventen fanden eine Anstellung in der Lehre. Leider blieben Bemühungen zur Realisierung weiterer Dozentenlehrgänge bis heute erfolglos.  

Ruth Brack konzipierte zudem Aufbaulehrgänge für Praktikerinnen und Praktiker der Sozialen Arbeit. Der Fokus lag auf der Vermittlung von Handlungstheorien und ihrer praxisnahen Umsetzung; sie engagierte stets sich für eine fachlich-ethisch begründete Steuerung von Interaktionsprozessen zwischen Sozialarbeiterinnen und Klienten.  

Bereits während den Anfängen des Informatikzeitalters erwies sie sich als Pionierin ohne Berührungsängste. Sie kehrte 1984 von einem Aufenthalt in den USA zurück, im Gepäck einen Apple Macintosh-Computer, einen kompakten Apparat mit kleinem Bildschirm und zusätzlichem Nadeldrucker, auf dem sie fortan ihre Arbeiten verfasste. Sie setzte sich für eine professionelle, informatikgestützte Aktenführung ein, um theoretisch begründet und systematisch das Wissen über die Klientinnen, einschliesslich deren Wissen zu erfassen. Sie entwickelte sozusagen im Alleingang eine entsprechende Software, fand jedoch keine Interessierten, um ein «Startup» zu gründen. 2003 publizierte sie in 4. Auflage «Minimalstandards für die Aktenführung in der Sozialarbeit» (interact). Gemeinsam mit dem Autor dieses Nachrufs erschien 2009 die 4. Auflage des Buches «Aktenführung in der Sozialarbeit» (Haupt, leider vergriffen).  

Während vieler Jahre hat Ruth Brack das kirchliche Frauenbildungszentrum in Morogoro/Tansania unterstützt. Sie wirkte während mehrerer Aufenthalte bei der Instandhaltung bzw. Renovation der Infrastruktur mit und organisierte mit Erfolg das Fundraising des Unterstützungsvereins in der Schweiz.   Ruth Brack hat zudem verschiedene Fachbeiträge publiziert, so u.a. über das «Reflektieren» (1996). 1997 erschien im Fachlexikon der sozialen Arbeit des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge ein Beitrag zu «Methoden der Sozialarbeit». 1998 folgte ein Beitrag über «Die Erschliessung von externen Ressourcen».  

In den 80er Jahren war Ruth Brack als aktives Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (sozial-)politisch engagiert, daselbst auch Präsidentin der SP der Stadt Thun.  

Ihr vielfältiges Wirken für die Soziale Arbeit stellte sie unter das Motto «Nur mit wissenschaftlichen Grundlagen kann sich die Soziale Arbeit weiterentwickeln». Der Schluss des von ihr verfassten «Lebenslaufs» im Band «Wir haben die Soziale Arbeit geprägt» (2012, avenirsocial; www.haupt.ch) sei hier wiedergegeben: «Dass die Ausbildung in Sozialer Arbeit das Fachhochschulniveau erreicht hat, dass man heute sogar einen Master in Sozialer Arbeit machen kann, stimmt mich hoffnungsvoll. Aber nun müssen andere dafür sorgen, dass es in der richtigen Richtung weitergeht. Ich finde, ich habe meinen Teil geleistet.» All diejenigen, die mit ihr zusammenarbeiteten, haben dies versucht, wohl bis heute wissend, was sie ihr und ihrem Pionierinnengeist zu verdanken haben.    

Zürich, 20. Dezember 2020 – Kaspar Geiser, Prof. FH em., dipl. Sozialarbeiter

Die Wahl des Vorstands der DGSA und die weiteren Abstimmungen der 19. Mitgliederversammlung der DGSA fanden im Zeitraum vom 29.6.2020 bis 13.7.2020 statt.

Das erste und sehr erfreuliche Ergebnis der Wahl ist, dass durch das Online-Verfahren eine höhere Wahlbeteiligung als bei Präsenz-Wahlverfahren erreicht werden konnte. Diese lag bei 32,27 % (245 von 759 Wahlberechtigten).

Dabei wurde der Vorstand entlastet. Alle bisherigen Vorstandsmitglieder wurden für die bisherigen Vorstandspositionen wiedergewählt und haben die Wahl angenommen.

Der Vorstand setzt sich zusammen aus:

Vorsitzende:
Prof. Dr. Michaela Köttig
Prof. Dr. Barbara Thiessen

Beisitzer und Beisitzerinnen:
Prof. Dr. Sonja Kubisch
Prof. Dr. Dieter Röh
Prof. Dr. Christian Spatscheck
Prof. Dr. Claudia Steckelberg

Schatzmeister:
Wolfgang Antes  

Schriftführer:
Prof. Dr. Stefan Borrmann

Positionierung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) und der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) zum Grundsatzpapier des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Wissenschaftskommunikation

Stellungnahme: Für den Ausbau diskriminierungs- und gewaltkritischer Strukturen

Stellungnahme und Forderungskatalog kritischer Wissenschaft und Politischer Bildung in Zeiten von rassistischer und antisemitischer Gewalt und extrem rechtem Terror

Der Vorstand der DGSA hat sich der gemeinsamen Stellungnahme geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Fachgesellschaften angeschlossen, die sich auf Ankündigung der Bundesministerin für Bildung und Forschung, die Wissenschaftskommunikation in Deutschland zu stärken, bezieht.

In einem aktuellen Statement der Ministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek ist zu lesen: ›Es ist eines meiner wichtigsten politischen Ziele, den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu intensivieren. Wissenschaftskommunikation wird daher künftig einen weitaus größeren Platz in der Förderpolitik meines Hauses bekommen. Wissenschaftskommunikation muss ein selbstverständlicher Teil wissenschaftlichen Arbeitens werden.

Wir unterstützen den bereits begonnenen Kulturwandel hin zu einer kommunizierenden Wissenschaft.‹ Neben Chancen einer verbesserten Wissenschaftskommunikation, die in der angewandten Grundlagenforschung im Feld der Wissenschaft Soziale Arbeit ohnehin eine lange Tradition hat, werden in den konkreten ministeriellen Plänen auch Risiken gesehen, die in der Stellungnahme benannt werden.

Leitlinien Medizinischer Wissenschaftsfachgesellschaften sind systematisch entwickelte Orientierungshilfen für Ärzt*innen bei Diagnostik und Anamnese. Üblicherweise wird die Leitlinienentwicklung eigenständig von den jeweiligen wissenschaftlichen Fachgesellschaften der entsprechenden medizinischen Teildisziplinen erstellt. Im Falle der Kinderschutzleitlinie war dies erstmals anders. Die Initiative ging von der Bundesregierung im Rahmen der Maßnahmen zum Kinderschutz aus und die Leitlinienentwicklung war erstmals in einem Koalitionsvertrag vereinbart worden. Ebenso war eine Premiere, dass nicht nur medizinische Fachgesellschaften, sondern auch sozial- und erziehungswissenschaftliche Fachgesellschaften sowie Verbände aus Jugendhilfe und Pädagogik beteiligt wurden. Die DGSA war eine davon. Dies war zu Beginn für die medizinischen Fachgesellschaften irritierend und gewöhnungsbedürftig. Nach knapp vier Jahren ist nun die 365 Seiten umfassende S3+ Leitlinie „Kindesmisshandlung, -missbrauch und -vernachlässigung“ unter den beteiligten Fachgesellschaften und Verbänden abgestimmt und publiziert worden.

DGSA-Mitglieder, die einschlägig im Kinderschutz forschen und Praxiskontakte haben, wurden ganz zu Beginn über den Vorstand gebeten, Fallbeispiele einzureichen, die zusammen mit den Einreichungen anderer Fachgesellschaften grundlegend für den Erstellungsprozess waren. Barbara Thiessen und Michaela Köttig waren in die Beratungen zur Erstellung der Leitlinie kontinuierlich eingebunden. Der Vorstand hat auf seiner Sitzung im Januar 2019 beschlossen die S3-Kinderschutzleitlinie zu zeichnen. Für die Praxisfelder der Kinder- und Jugendhilfe hat die Leitlinie keinerlei Gültigkeit, ist jedoch als Hintergrund sicher anregend. Ziel ist es, die bereits entwickelte und etablierte Kooperation von Sozialer Arbeit und Gesundheitsdiensten damit zu vertiefen und fachlich zu verstärken. Ebenso konnten im Beratungsprozess fachliche Standards der Sozialen Arbeit, insbesondere der Kinder- und Jugendhilfe der medizinischen Seite verdeutlicht werden, die auch Niederschlag in der Leitlinie gefunden haben. Unterschiedliche professionspezifische Herangehensweisen zeigten sich v.a. bei der Frage der Beteiligung von Eltern und Kindern in Kinderschutzfällen sowie der stärker auf Prävention ausgerichteten Perspektive der Kinder- und Jugendhilfe. Im Erarbeitungsprozess konnte der Verzicht auf eine eigenständige Definition des Begriffs Kindeswohlgefährdung seitens der Medizin erreicht werden, um fachliche Anschlussfähigkeiten zu verbessern und die sozialrechtliche Ausrichtung systematisch einzubeziehen. Auf dieser Basis können fachliche Kooperation tragfähig etabliert und gleichzeitig den unterschiedlichen Aufträge und Zuständigkeiten im Umgang mit gemeinsamen Adressat*innen gerecht werden. Der Vorstand der DGSA dankt den DGSA-Mitgliedern, die beratend und unterstützend den Prozess mit begleitet haben.

 

Die Leitlinie sowie weitere Materialien sind zu finden unter: 

www.kinderschutzleitlinie.de/de/leitlinie/leitlinie-materialien-zum-downloaden

www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/027-069.html

 

Ab sofort können Anträge an die Forschungsethik-Kommission gestellt werden, um Forschungsvorhaben zur Sozialen Arbeit begutachten zu lassen.

Die Kommission orientiert sich an dem auf der Mitgliederversammlung 2020 verabschiedeten Forschungsethikkodex.

Für Mitglieder der DGSA ist die Begutachtung kostenlos. Bei Nicht-Mitgliedern wird eine Gebühr in Höhe von 500,-€ erhoben. Die Antragstellung erfolgt über ein Formular.

Der Vorstand der DGSA hat Qualitätsstandards zur Einschätzung von dualen, trägernahen und regulären Studienangeboten der Sozialen Arbeit veröffentlicht. Mit diesem Papier werden zentrale Standards formuliert, die Studierenden, Arbeitgeber*innen, Lehrenden, Fachgesellschaften, Akkreditierungsagenturen und Hochschulpolitiker*innen helfen sollen, die inhaltliche, organisationelle und konzeptionelle Qualität von Studienangeboten in einer sich stark wandelnden Hochschullandschaft besser einschätzen zu können. Die Stellungnahme ist in einem umfangreicheren Konsultationsprozess in der DGSA und der Fachöffentlichtkeit entstanden. Sie finden diese Stellungnahme hier. 

Der Vorstand der DGSA nimmt Stellung zum Thema Promovieren und Promotionsrecht an HAW/FH in der Sozialen Arbeit. Sie finden diese Stellungnahme hier.

Der Vorstand der DGSA hat sich zum Referentenentwurf zur Reform der Psychotherapeutenausbildung vom 03. Januar 2019 mit einer Stellungnahme im Zuge der Beratung des Gesetzesentwurfs an Bundesminister Jens Spahn positioniert. Sie finden diese Stellungnahme hier. 

Seit dem 29.11. wird die Amadeu Antonio Stiftung wegen der Handreichung „Ene, mene, muh – und raus bist du! Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik“ massiv öffentlich angefeindet. Durch gezielte Auslassungen, falsche Zitierungen und gewollte Missinterpretationen haben rechtspopulistische bis rechtsextreme „Alternativmedien“ den Eindruck erweckt, eine Handreichung zum Umgang mit konkreten Fällen von Rassismus und Rechtsextremismus wolle dazu anregen, die politische Einstellung der Eltern zu erfassen und zu kontrollieren.

Von Massenmedien in Form der „BILD“-Zeitung und von einigen Politiker*innen sind diese Unterstellungen ungeprüft übernommen worden, ohne sich mit der Handreichung auseinandergesetzt zu haben oder das Gespräch zu suchen. Seit der öffentlichen Diskussion haben die Stiftung und die Verfasser*innen täglich mehrere Hundert Hass-eMails und Drohanrufe erreicht; die Anfeindungen auf den Social Media Kanälen sind ungebrochen heftig. Unter den Verfasser*innen sind mehrere Mitglieder der DGSA. 

Der Vorstand solidarisiert sich mit der Stiftung und den angegriffenen Wissenschaftler*innen und kritisiert die verkürzende  Darstellung der Intention, der Inhalte und der Handlungsempfehlungen der Broschüre mit aller Deutlichkeit.

Wir verweisen auf die inhaltliche Klarstellung der Amadeu Antonio Stiftung. 

Der Vorstand der DGSA

8.11.2018: Prof. Dr. Lotte Rose, Prof. Dr. Gudrun Ehlert (für die Fachgruppe Gender)

 

Die Fachgruppe Gender schließt sich der „Stellungnahme der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) zur Streichung des Masterstudiengangs Gender Studies in Ungarn“ an und fordert ein deutliches Bekenntnis Ungarns zu den Grundrechten der EU und die Rücknahme der Streichung des MA Gender Studies an der staatlich finanzierten Eötvös-Loránd-Universität (ELTE) sowie der privat finanzierten Central European University (CEU).

 https://www.frauen-undgeschlechterforschung.de/home.html

Gründung der Forschungsethik-Kommission

Am 19.10.2018 wurde in Frankfurt am Main die Forschungsethik-Kommission der DGSA vom Vorstand eingesetzt

Positionspapier der DGSA zur Asylpolitik

Für eine solidarische Gesellschaft und den Erhalt des Rechts auf Asyl

Flucht und Asyl werden in Deutschland und der EU derzeit kaum noch als eine huma­nitäre Aufgabe, sondern primär als vermeintliche Bedrohungssituation diskutiert. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) ein Positionspapier zur Asylpolitik erarbeitet, mit dem sie sich für eine solidarische Gesellschaft und den Erhalt des Rechts auf Asyl einsetzt. Das Positionspapier wurde der Bundesregierung übermittelt.

Beteiligung von wissenschaftlichem Nachwuchs

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) stand 2018 ganz im Zeichen der Solidarität und sozialen Teilhabe – so fanden sich etwa 650 Interessierte unter dem Titel „Demokratie und Soziale Arbeit“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg ein. Neben der besonders regen Teilnahme an der Haupttagung konnte sich in diesem Jahr erstmals eine Vorkonferenz für sogenannte „Nachwuchswissenschaftler*innen“ etablieren, die ebenfalls eine hohe Besucher*innenanzahl verzeichnen ließ. Neu war hierbei, dass sich Studierende, Promotionsinteressierte und Promovierende über Promotions- sowie Publikationsmöglichkeiten informieren und eigene Forschungsprojekte vorstellen konnten. Das gemeinsame Abendessen bot schließlich die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre neue Kontakte zu knüpfen und anregende Gespräche zu führen. Nach den beiden erfolgreich verbrachten Tagen waren sich alle Beteiligten einig: Gerne nächstes Jahr wieder!

Für eine solidarische Gesellschaft 

Im Anschluss an die Vorkonferenz wurde die diesjährige DGSA-Tagung in den historischen Räumlichkeiten der Laiszhalle in Hamburg eröffnet. In ihren Grußworten wiesen die beiden Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA), Prof. Dr. Michaela Köttig (Frankfurt University of Applied Sciences) und Prof. Dr. Barbara Thiessen (Hochschule Landshut) auf die besonders in Zeiten antidemokratischer gesellschaftlicher Tendenzen hohe Aktualität des Themas „Demokratie und Soziale Arbeit“ hin. Weiterhin erläuterte die Hamburger Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Dr. Melanie Leonhard, auf welche Weise antidemokratischen Haltungen entgegengewirkt werden könne. Zuletzt machte Prof. Dr. Micha Teuscher, Präsident der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg, auf die gesellschaftliche Relevanz der Sozialen Arbeit für die Ermöglichung von sozialer Teilhabe und Solidarität aufmerksam. Die erste Keynote, die von Prof. Dr. Sabine Hark, Leiterin des Zentrums für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung in Berlin, vorgetragen wurde, machte gerade bei den Vertreter*innen kommender Generationen an Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen der Sozialen Arbeit die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen deutlich: Unter dem Titel „Solidarität subaltern. Demokratische Zerreißproben in neoreaktionären Zeiten“ warnte Hark vor zunehmend neoliberalen und rechtsorientierten Tendenzen in Politik und Gesellschaft. Diese Entwicklungen führten zu einer weitgehenden Entsolidarisierung in der Gesellschaft, die sich unter anderem in einer Verrohung der Sprache bemerkbar mache. Solidarität, so Hark weiter, setze differenziertes Sprechen, eine reflektierte Haltung und den gemeinsamen Einsatz für universell geltende Menschenrechte voraus. Für zukünftige Sozialarbeiter*innen und Sozialarbeitswissenschaftler*innen lässt sich aus Harks Ausführungen schließen, dass eine kritische Haltung gegenüber politischen und gesellschaftlichen Bedingungen aktueller scheint denn je.

Demokratie in der Sozialen Arbeit

Neben 50 spannenden Panels, in denen sich etwa 170 Referierende aus vielfältigen Perspektiven mit dem Tagungsthema auseinandersetzten, durfte auch in diesem Jahr die große Abendveranstaltung mit Buffet, Musik und Tanz nicht zu kurz kommen: Ob Student*innen, Professor*innen, Praktiker*innen oder Promovend*innen – alle fanden sich gemeinsam auf der Tanzfläche ein und zeigten, wie viel Spaß Beteiligung machen kann. Am Folgetag leitete Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker (Universität Hamburg) mit der zweiten Keynote „Demokratie in der Sozialen Arbeit“ den Abschluss der Tagung ein. So plädierte Sturzenhecker für die Einführung demokratischer Strukturen innerhalb der Organisationen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit, um die bestehenden Machtverhältnisse zwischen Klient*innen und Sozialarbeitenden weitgehend eindämmen zu können. Auf diese Weise lasse sich die Selbst- und Mitbestimmung aller Beteiligten fördern. Den finalen Schlusspunkt der DGSA-Tagung 2018 bildete die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Demokratie konkret – Möglichkeiten und Grenzen der Demokratieförderung“. Dabei diskutierten neben Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker und Till Stehn (Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Schleswig Holstein, AWO) auch Prof. Dr. Heike Radvan (Amadeu-Antonio-Stiftung; TU Cottbus) und Jochen Schmon (Zentrum für politische Schönheit). Schnell wurde dabei die Frage aufgeworfen, wieviel Raum rechtem und antidemokratischem Gedankengut im politischen und gesellschaftlichen Diskurs zugesprochen werden dürfe. Radvan wies in diesem Kontext auf die in den letzten Jahren zunehmende Bedrohung politischer Bildungseinrichtungen durch rechte Gruppierungen hin. Schmon betonte ebenfalls, wie wichtig es jetzt sei „klare Kante gegen rechts zu zeigen“. Trotzdem blieb die Fragestellung bis zum Ende der Diskussion weitgehend unbeantwortet, was womöglich der Tatsache geschuldet ist, dass einerseits die Garantie von Rede- und Meinungsfreiheit wie andererseits auch der Schutz vor Diskriminierung gleichermaßen Anliegen der Sozialen Arbeit darstellen, die im Rahmen der politischen Diskussion eine sensitive Abwägung gegeneinander erfordern. 

 

Vinzent Michael Anthes, Studierender der Sozialen Arbeit (Bachelor) an der Frankfurt University of Applied Sciences

Stellungnahme der Sektion Forschung und der Fachgruppe Gender

„Mehr als Fassade“ – für die Freiheit wissenschaftlicher Erkenntnisbildung, gegen antidemokratische Angriffe auf Hochschulen Sozialer Arbeit

Erklärung der Tagungsteilnehmenden der Tagung „gender_wissen in den Forschungsfeldern der Sozialen Arbeit“ 22.-23.2.2018, an der Alice Salomon Hochschule Berlin  

Die Tagung „gender_wissen in den Forschungsfeldern der Sozialen Arbeit“ beschäftigte sich mit der Bedeutung von Genderwissen für Wissenschaft, Forschung und Gesellschaft.

Dabei befasste sie sich auch mit der teilweise fehlenden Bereitschaft der Öffentlichkeit, Genderwissen zur Kenntnis und ernst zu nehmen.  

Angesichts aktueller Angriffe auf die Gender Studies, auf gendersensible, queere und feministische Forscher_innen und entsprechende Positionen von Hochschulangehörigen hält sie diese Thematisierung sowie deutliche Positionierungen von Wissenschaftler_innen und Hochschulen für die Akzeptanz von Genderwissen, Genderforschung und gendersensiblem Handeln für nötig.

Zugespitzt wird der Versuch, die Autonomie von Hochschule und die Freiheit wissenschaftlicher Erkenntnisbildung im Diskurs fundamental anzugreifen, in den antidemokratischen Äußerungen in der Debatte um die Fassade der ASH Berlin 2017/18 (vgl. eine Dokumentation der Debatte auf: www.ash-berlin.eu/fassadendebatte).

  1. Die Tagungsteilnehmer_innen weisen mit Nachdruck auf die beteiligungsorientierte Entscheidungsfindung über die Gestaltung der Fassade der ASH hin. Sie können nachvollziehen, dass der Akademische Senat der Hochschule zu der Auffassung gelangt ist, dass das Gedicht „avenidas“ an der Fassade einer Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung und Bildung im Kindesalter als nicht stimmig für die Außendarstellung der Hochschule erlebt wird, weil es ein nicht mehr zeitgemäßes, verobjektivierendes Geschlechterbild transportiert.  
  2. Die Tagungsteilnehmer_innen regen Studierende, Wissenschaftler_innen sowie die Fachorganisationen der Sozialen Arbeit dazu an:
  • aktiv Positionen zu formulieren, die Genderwissen als wissenschaftlich fundiertes Wissen fördern,
  • Argumentationen der Selbstbestimmung, gender-, queertheoretische und feministische Positionen zu unterstützen und sich dabei selbst zu stärken,
  • diese Positionen in den Hochschulen und der medialen Öffentlichkeit verstärkt zu formulieren. 

      3. Die Tagungsteilnehmenden setzen sich für die Freiheit der Wissenschaft, die Autonomie von Hochschule sowie die Freiheit der Kunst gleichermaßen ein.  

  • Sie empfinden die Debatte um die Südfassade der ASH Berlin als überzogen in ihrer Heftigkeit, ihren Zuschreibungen und Wortwahlen,
  • sie unterstützen alle Stimmen, die die Autonomie der Hochschule und die Freiheit der Kunst produktiv ins Gespräch bringen und ins Verhältnis setzen und zu produktiven Lösungen bei konfligierenden Interessenslagen kommen.
  • sie rufen dazu auf, sich nicht nur im wissenschaftlichen Kontext, sondern auch in konflikthaft und streitbar geführten Debatten im öffentlichen Raum quellenkritisch zu informieren und eine faire, differenzierte Auseinandersetzung zu führen, die das Ziel verfolgt, zu produktiven, unterschiedliche Positionen einbeziehenden und weiterführenden Lösungen zu kommen.

 

Berlin, 23.2.2018

gez. Sektion Forschung der DGSA und Fachgruppe Gender der DGSA

Stellungnahme Fachgruppe Gender der DGSA

Gender Studies – unverzichtbar in der Wissenschaft Sozialer Arbeit

Heute, am 18.12.2017, findet bundesweit eine konzertierte Aktion von Wissenschaftler_innen aus allen Disziplinen statt, die Gender Studies betreiben. Die Fachgruppe Gender der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) schließt sich dieser Aktion an. Seit 2000 existiert unser bundesweiter Zusammenschluss von Genderforscher_innen in der Sozialen Arbeit. Wir verstehen uns als offenes Forum für Fachkolleg_innen aus Hochschulen sowie Fortbildungs- und Praxisinstitutionen der Sozialen Arbeit, die an der Weiterentwicklung von Genderfragen in Lehre, Praxis und Forschung der Sozialen Arbeit interessiert sind.

Seit mehreren Jahren häufen sich Diffamierungen, Unterstellungen und Falschinformationen zu den Gender Studies. Dabei werden Forschungsgegenstände der Gender Studies auf Themenfelder wie Sexualität oder Identität verkürzt und politische Gleichstellungsstrategien wie Gender Mainstreaming mit empirischen und theoretischen wissenschaftlichen Erschließungen der Geschlechterverhältnisse vermengt. Begannen diese Vorgänge in Kreisen der Neuen Rechten sind sie rasch auch in Feuilletons angesehener Tages- und Wochenzeitungen aufgegriffen worden. Darunter gibt es sehr differenzierte und aufklärende Berichterstattung. Allerdings gibt es auch anderes: Je kruder und provokanter, desto besser, so scheint es. Denn dies sichert mediale Aufmerksamkeit und zahlreiche Klicks Diese Entwicklungen hinterlassen ihre Wirkungen in den Praxisfeldern, aber auch in der Wissenschaftsdisziplin der Sozialen Arbeit. Bei Institutionen, Trägern und Verbänden und bei Drittmittelgebern, bei Studierenden und Fachkräften sind zunehmend Verunsicherung und Irritation zu Genderfragen zu registrieren. Erreichte Qualitätsstandards einer geschlechtsspezifischen Sozialen Arbeit werden neu in Frage gestellt.  

Dies nehmen wir zum Anlass aufzuzeigen, welchen Beitrag Gender Studies im Feld der Wissenschaft Soziale Arbeit leisten, um zu einer Versachlichung der öffentlich-medialen Diskurse zu den Gender Studies beizutragen.

Soziale Arbeit basiert auf den allgemeinen Menschenrechten und den Grundrechten wie sie unser Grundgesetz festgeschrieben hat. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sie sich in ihrem Kern mit der Frage, wie soziale Probleme, die aus gesellschaftspolitisch ungleich verteilten Chancen zum ‚guten Leben‘ resultieren, zu lösen und Menschen bei der Bewältigung ihrer Benachteiligungen zu helfen. Solche Benachteiligungen umfassen den Mangel an Bildung, Beeinträchtigungen der Gesundheit, der beruflichen Erwerbsarbeit, des Einkommens, der sozialen Beziehungen und Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen. Mit der Unterstützung von Teilhabe, der Förderung von Bildung und Entwicklung und gesellschaftlicher Teilhabe ist Soziale Arbeit unverzichtbarer Teil wohlfahrtsstaatlicher Daseinsvorsorge.

Geschlecht als Wissenskategorie begleiten Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit seit ihrem Entstehen. Schon die Gründerinnen der Sozialen Arbeit – Jane Addams in den USA, Alice Salomon in Deutschland, aber auch Marie Baum, Elisabeth Gnauck-Kühne, Lily Braun oder Henriette Fürth – beschäftigten sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts bspw. intensiv mit der prekären Situation von Frauen, um ihr Leben zu verbessern, z.B. der Alleinerziehenden, Arbeiterinnen, Kriegswitwen und Prostituierten. 

Auch heute ist die Umsetzung die fachlichen Qualitätsstandards in den Einsatzfeldern Sozialer Arbeit – ob beim Kinderschutz, in der Kinderbetreuung und der Jugendarbeit, Gemeinwesenarbeit, Familienhilfe, Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Gesundheitshilfe, Flüchtlingshilfe, Altenhilfe, Gewaltschutz und Altenarbeit – ohne Genderkompetenzen nicht realisierbar. Denn schließlich gehören zu den Zielgruppen Sozialer Arbeit Menschen aller Geschlechtergruppen. Leistungen Sozialer Arbeit bedürfen von daher Wissen zu Geschlechterdimensionen in unserer Welt, wollen sie ‚passgenau‘ für die Zielgruppen sein. 

Die Entwicklung von Genderkompetenz als Schlüsselqualifikation in der Sozialen Arbeit gehört von daher zu einer der notwendigen Standards beruflicher Qualifikation. Sie ist auf die Generierung der Wissensbestände der Gender Studies angewiesen – auf ihre Theoriebildung und ihre Empirie, ihre Erkenntnisse zur Entstehung von gesellschaftlicher Benachteiligung und der Entwicklung von Strategien zu deren Abbau. Konkrete Erträge der Gender Studies für Soziale Arbeit sind bspw.:

  • Forschungen zu den Geschlechterarrangements in Einrichtungen der Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern haben nicht nur für alltägliche ‚Geschlechterspiele‘ und geschlechtsspezifische Zuschreibungen, Kränkungen und Konflikte sensibilisiert, sondern auch ein umfangreiches methodisches Repertoire an geschlechterpädagogischer Praxis hervorgebracht.
  • Die genderbezogene Care- und Familienforschung hat Wissen dazu geschaffen, wie die gesellschaftlich erforderlichen Reproduktionsarbeiten der Sorge, Pflege und Betreuung im Privaten organisiert werden, welche Arbeitsteilungen zwischen den Geschlechtern dabei bestehen und warum es insbesondere Frauen sind, die diese Arbeit leisten. Damit verbunden ist auch die Frage, wie Care-Aufgaben als Teil gesellschaftlicher Solidarität mehr Anerkennung erfahren können und Überlastungen und Benachteiligungen bei denen, die diese Aufgaben erfüllen, verhindert werden können.
  • Ohne die Gender Studies hätten wir heute nicht das kritische Bewusstsein zur Alltäglichkeit von Gewalt im Leben von Frauen – aber auch von Kindern und mittlerweile auch ansatzweise im Leben von Männern. Und es gäbe auch nicht Infrastruktur von institutionellen Hilfen gegen häusliche Gewalt: Frauenhäuser, Beratungsstellen, staatliche Gewaltschutzprogramme.
  • Die intensive Debatte zu den quantitativen Geschlechterungleichheiten in Studium und Beruf der Sozialen Arbeit hat ein Problembewusstsein dafür geschaffen, was es wohlfahrtsstaatlich und für die Zielgruppen bedeutet, wenn soziale Dienstleistungen überwiegend von Frauen geleistet werden. Sie hat aber auch die Frage danach aufgeworfen, was es für Männer bedeutet, in diesem Beruf in der Minderheit zu sein, und was es für Frauen und Männer bedeutet, wenn sie in diesen gesellschaftlich wenig anerkannten und gering honorierten Berufen tätig sind.
  • Es waren schließlich auch die Gender Studies, die für versteckte geschlechtliche Aufladungen in den Ressentiments gegen geflüchtete Menschen sensibilisieren konnten und aufgezeigt haben, wie hier Männer mit dem Merkmal muslimischer Religionszugehörigkeit pauschal zu Repräsentanten unerwünschter Fremdheit gemacht werden. Umgekehrt machten sie deutlich, wie sehr Soziale Arbeit mit Geflüchteten forschungsbasierter gendersensibler Praxiskonzepte bedarf, um Männern, Frauen und Kindern gut helfen zu können.

Für eine emanzipatorische Soziale Arbeit sind Gender Studies unverzichtbar. Wir stehen gerne zur Verfügung, wenn es um kontrovers-produktive Auseinandersetzungen mit Genderfragen geht. Wir verwehren uns jedoch gegen diffamierende Vorwürfe eines neuen ‚Genderismus‘ wie sie heutzutage hoffähig geworden sind.

Die gesetzlich verankerten Prinzipien von Bildungsgerechtigkeit, Gleichstellung, Abbau von sozialer Ungleichheit und Antidiskriminierung sind nicht nur für Soziale Arbeit grundlegend, sondern gehen alle an. Sie tragen zu sozialem Ausgleich und einer lebendigen demokratischen Kultur bei. Deshalb brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Gender Studies und genderreflektierte Soziale Arbeit.

Für die Fachgruppe Gender der DGSA

Prof. Dr. Lotte Rose, University of Applied Sciences Frankfurt/ Prof. Dr. Gudrun Ehlert, Hochschule Mittweida  

P.S.: Wer mehr zu den Gender Studies in der Sozialen Arbeit erfahren möchte, ist herzlich eingeladen zur Tagung „Gender_Wissen in Forschungsfeldern der Sozialen Arbeit“ am 22.-23.02.2018, an der Alice Salomon Hochschule Berlin, veranstaltet von der Sektion Forschung und der Fachgruppe Gender der DGSA.

Vor einigen Tagen wurde ein neuer Gesetzesentwurf der Schwarz-Grünen Landesregierung in Hessen öffentlich. Es handelt sich dabei um eine Neuauflage der „Extremismusklausel“, welche Träger, die öffentliche Mittel zur Förderung von Angeboten politischer Bildung nutzen, bspw. durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, dazu auffordert anlasslos ein Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung abzulegen. Bundesweit wurde diese Klausel nach einer langen und konstruktiven Auseinandersetzung wieder abgeschafft. Nun steht in Hessen neben der Wiedereinführung eine weitere Verschärfung dieses Vorgehens auf der Agenda: Vorgesehen ist eine Sicherheitsüberprüfung durch den Verfassungsschutz bei Neueinstellungen von Mitarbeiter_innen in Bildungs- und Beratungseinrichtungen und darüber hinaus auch die Überprüfung im Einzelfall nach Vergabe der Arbeitsverträge und Fördergelder.  

Es handelt sich dabei um eine Maßnahme, die das Vertrauen zwischen Trägern, die in Hessen seit Jahren wichtige und anerkannte Arbeit im Bereich politischer Bildung leisten und staatlichen Förderern zutiefst in Frage stellt. Wir können einen solchen Eingriff in die Trägerautonomie nur mit großer Sorge betrachten, stellt dies doch nicht zuletzt auch die Professionalität und den Erfolg der bisherigen bildungspolitischen Praxis in Frage. Bei dem geplanten gesetzlich verankerten Vorhaben vermischen sich dabei Aufgabengebiete, die aus guten Gründen unterschiedliche Strategien und Lösungskonzepte vorsehen. Soziale Arbeit und Sicherheitspolitik sind zwei gesellschaftlich notwendige Handlungsfelder, die jedoch unterschiedlichen Zielen folgen und diese Ziele mit verschiedenen Maßnahmen und Methoden realisieren. Eine Trennung beider Gebiete ist dringend notwendig, um weiterhin eine professionelle und gelingende Soziale Arbeit zu ermöglichen.  

Dies schließt neben der freien Gestaltung der inhaltlichen Ausrichtung von bildungspolitischen Programmen entlang fachlicher Kriterien auch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Akteur_innen ein, die für die Weiterentwicklung einer demokratischen Gesellschaft stehen. Soziale Arbeit unterliegt einem professionsspezifischen Wertekodex, dem die Menschenrechte sowie das Grundgesetz zugrunde gelegt sind. Die angedachte gesetzliche Bestimmung disqualifiziert Soziale Arbeit als Profession und zieht die bewährte Praxis Sozialer Arbeit in Zweifel. Wir unterstützen den Protest der Vertreter_innen der Freien Träger wie bspw. der Deutschen Vereinigung für politische Bildung, Landesverband Hessen, die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main und den Bundesverband Mobile Beratung und weisen den neuen Gesetzesentwurf entschieden zurück. Wir plädieren für das Fortbestehen der bisher vertrauensvollen Basis mit allen Akteur_innen im Feld der politischen Bildungsarbeit, die sich für ein demokratisches Miteinander und eine professionelle Soziale Arbeit einsetzen. Ohne Vertrauen und professionspolitische Anerkennung ist eine gelingende Soziale Arbeit nicht möglich!

Wir nehmen mit großer Sorge zur Kenntnis, dass die Verlagsgruppe Springer Nature mehr als eintausend wissenschaftliche Artikel aus ihrem Fachzeitschriftenprogramm für die Leser_innen in China bewusst und willentlich unzugänglich gemacht hat. Wie zahlreiche Pressorgane berichten, werden dabei vor allem Artikel zu regimekritischen Themen wie Tibet, Taiwan, die Kulturrevolution oder den gewaltsam niedergeschlagenen Aufstand von Tiananmen Platz seit einiger Zeit in China über SpringerLink auf Betreiben des Verlages nicht mehr erreichbar gehalten. Der Verlag beruft sich in einer Stellungnahme auf „lokale Regularien“ und relativiert, dass dabei nur „weniger als ein Prozent“ seiner wissenschaftlichen Artikel betroffen seien.

Wir sind irritiert zu sehen, dass sich ein wissenschaftlicher Fachverlag aktiv an Zensur und Geschichtsverklärung beteiligt und sich dem Druck einer Regierung beugt. Durch dieses Vorgehen negiert der Verlag seine wissenschaftliche und gesellschaftliche Funktion und Verantwortung als Fachverlag und zerstört sein wichtigstes Gut: Das Vertrauen seiner Leser_innen und Autor_innen und seine akademische und gesellschaftliche Glaubwürdigkeit. Im Umgang mit autokratischen und autoritären Regimen macht genau dieses eine Prozent der kritischen Beiträge den entscheidenden Umgang mit Meinungs- und Redefreiheit aus.

Als Vorstand und Fachgesellschaft fordern wir den Verlag Springer Nature auf, diese neue Art von Publikationspolitik umgehend zu überdenken und seine publizistische und gesellschaftliche Verantwortung wieder an die erste Stelle seiner Prioritäten zu stellen. Gerade in Zeiten von wieder erstarkenden autoritären, nationalistischen und totalitären Regimes muss ein wissenschaftlicher Verlag seiner Verantwortung gerecht werden.

Wir richten diese Forderung auch an die zu Springer Nature gehörenden Verlagssparten Springer VS und Palgrave Macmillan. In diesen Sparten publizieren viele unserer Mitglieder und stehen nun vor der Situation, als Autor_innen und Forschende mit einem Verlag zusammenzuarbeiten, der die Interessen einer Regierung über die Interessen seiner Autor_innen und Vertragspartner_innen stellt und damit seine gesellschaftliche und publizistische Verantwortung negiert.

20. November 2017, für den Vorstand der DGSA:

Prof. Dr. Michaela Köttig und Prof. Dr. Barbara Thiessen

Liebe Mitglieder der DGSA,  

die Sektion Forschung aktualisiert ihre Leseliste. Die Leseliste hat zum Ziel, möglichst viele Publikationen aufzunehmen, die Forschung in der Sozialen Arbeit thematisieren – nicht nur, um Einstiegsmöglichkeiten in die Thematik zu ermöglichen, sondern auch, um aufzuzeigen, was sich in diesem Feld tut. Derzeit haben wir in der Leseliste (Stand 2014) folgende Rubriken:

  • Handbücher
  • Einführungs- und Lehrbücher
  • Beiträge zu Grundlagen
  • Forschungsdesigns und Forschungsmethoden
  • Anwendungsbereiche
  • Publizierte Forschungsprojekte (je für Professionsforschung, Adressat_innenforschung, Organisationsforschung, Evaluationsforschung, Grundlagenforschung)
  • Anwendung in der Praxis Sozialer Arbeit
  • Forschungstraditionen

Wir bitten Sie, uns über Ihre aktuellen Publikationen (seit 2014) bzw. auch über ältere Publikationen, die relevant sind, zu informieren (vollständige Literaturangaben), damit wir sie in die Liste aufnehmen können. Im Anhang finden Sie die Leseliste auf dem derzeitigen Stand.  

Herzliche Grüße die Sprecherinnen der Sektion Forschung:

Ursula Unterkofler, Michaela Köttig und Anna Kasten

Soziale Arbeit und Menschenrechte. Jahrestagung der DGSA am 28. und 29. April 2017

Update: Jetzt mit links zu den Videomitschnitten der key note / Abschlussveranstaltung

Ein Tagungsbericht von Anna Kasten und Daniela Molnar      

 

Soziale Arbeit als Menschrechtsprofession

 

Soziale Arbeit als Menschrechtsprofession „Soziale Arbeit und Menschenrechte“ – ein Thema, das offenbar einen Nerv traf: Am 28. und 29. April fand die Jahrestagung der DGSA unter diesem Motto statt. Die Alice Salomon Hochschule Berlin beherbergte über 500 Teilnehmer*innen, womit die diesjährige Jahrestagung die größte der Geschichte der DGSA war. Die Organisator*innen wurden vor neue Herausforderungen gestellt, so mussten ein ‚Anmeldestopp‘ eingerichtet, eine Warteliste erstellt und passende Räumlichkeiten gefunden werden. Die Eröffnung fand im Cine Star Kino statt – es sei das erste Mal, so Jim Ife, Professor an der Western Sydney University in Australien, dass er einen Vortrag in einem Kinosaal halte. Die Relevanz des Themas wurde bereits in der Begrüßung durch Michaela Köttig, Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences, und Barbara Thiessen, Professorin an der Hochschule Landshut, beide Vorsitzende der DGSA, deutlich betont. Es scheine, dass Menschenrechte weltweit immer stärker als verzichtbar angenommen würden. Verfolgungen und Diskriminierungen nähmen zu, politische Systeme polemisieren und rücken nach rechts. Für die Profession(en) Sozialer Arbeit ist es notwendig, sich noch klarer und eindeutiger zu positionieren und die Menschenrechte als grundlegende Orientierung der Sozialen Arbeit zu reflektieren. Im Namen der „Weltstadt mit Herz“ begrüßte Alexander Fischer, Staatssekretär für Arbeit und Soziales Berlin, die Teilnehmer*innen. Beate Rudolf, Professorin und Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, erläuterte die Selbstverständlichkeit und Herausforderung, die mit der Annahme der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession einhergehe. Bettina Völter, Professorin und Prorektorin der Alice Salomon Hochschule, verdeutlichte die Bedeutung der Thematik für Fachwelt und Gesellschaft und verwies auf den eindrücklichen Banner am Gebäude der ASH: „Menschenrechte – Menschenwürde – Menschlichkeit“. Die Eröffnungsvorträge hielten Jim Ife und Nivedita Prasad. Eindrücklich machte Ife deutlich, dass wir uns in einer krisenhaften Phase der Veränderungen, der Infragestellung unseres demokratischen, neoliberal ausgeprägten Gesellschaftssystems befänden. Hier sei besonders die Soziale Arbeit gefragt, denn ihre Stärke sei es, mit Krisen und Veränderungen zu arbeiten und dabei das Individuum, aber auch Gesellschaft und System in den Blick zu nehmen. Nivedita Prasad, Professorin an der Alice Salomon Hochschule Berlin, war beeindruckt von der Anwesenheit der zwei Wissenschaftler*innen, die sie in ihrer Forschungsarbeit zunächst am meisten beeinflusst hatten: Silvia Staub-Bernasconi und Jim Ife. In ihrem Vortrag stellte sie dar, dass Menschenrechte in Bezug auf Soziale Arbeit zum einen als Analyseinstrument genutzt werden können (wobei sich die Soziale Arbeit auch selbst in den Blick nehmen muss). Zum anderen stützen sie das Selbstverständnis der Sozialen Arbeit, die ihre Adressat*innen u.a. ermächtigen und auf gesellschaftliche Veränderungen hinwirken sollte. Soziale Arbeit muss sich, so der Tenor der Eröffnungsveranstaltung, ihrer Verantwortung und ihrer Möglichkeiten bewusst sein, sich aktiv im Diskurs einbringen, die Gültigkeit der Menschenrechte für alle Menschen hervorheben und für ihren Erhalt kämpfen.

 

40 Panels mit 160 Referierenden

 

In 40 Panels diskutierten die Teilnehmenden mit 160 Referierenden den Zusammenhang zwischen Menschenrechten und Sozialer Arbeit. Die einzelnen Panels waren von großer thematischer Vielfalt gekennzeichnet, darunter um das breite Spektrum zu veranschaulichen: Handlungsbezugsfelder der Menschenrechte, die Umsetzung der Kinderrechte durch die Soziale Arbeit, Soziale Rechte als Basis für Teilhabe, Menschenrechtsbildung in Lehre und Praxis, Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession im Kontext bewaffneter Konflikte, Capabilities Approach und Menschenrechte, Erforschung von Menschenrechten. Neben klassischen Vorträgen gab es auch Panels, in denen nur kurze Inputs gegeben wurden, um dann den Schwerpunkt auf die Diskussion zu legen. Beispiele dafür sind das Panel der Fachgruppe Internationale Soziale Arbeit zum Thema ‚Indigenous knowledge and indigenous social work‘ und das der Fachgruppe Politik, die unter dem Diskussionsthema ‚Mitgliedschaft als Menschenrecht?‘ Staatsbürgerschaftsrecht und Einwanderungspolitik im Fokus einer menschenrechtsorientierten Sozialen Arbeit in den Blick nahm. Nachwuchs- und Promotionsförderung in der Sozialen Arbeit wurden in mehreren Panels behandelt. Dabei wurden neben aktuellen strukturellen Bedingungen wie den Promotionsprogrammen auch individuelle Karriereentwicklungen diskutiert.

 

Wein, Tanz und Beisammensein

 

Ein fester Bestandteil der Jahrestagung ist das Beisammensein bei Wein und Tanz am Freitagabend. Die Party, merkte Nivedita Prasad in ihrem Resümee der Tagung an, sei eine ungewöhnliche und sehr wertvolle Erfahrung. Die Teilnehmenden setzten ihre Gespräche auf zwei Etagen verteilt fort, tauschten Erfahrungen aus, knüpften Kontakte und tanzten.

 

Menschenrechte und Soziale Arbeit – ein Papiertiger?

 

Ungewöhnlich war auch die Abschlussveranstaltung, in der Sabine Stövesand, Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, ein Gespräch mit Silvia Staub-Bernasconi, Professorin em. an der Technischen Universität Berlin, unter dem Titel „Menschenrechte und Soziale Arbeit – ein Papiertiger?“ führte. Staub-Bernasconi, so Stövesand, sei die einzige Frau der letzten Jahrzehnte, die eine eigenständige Theorie der Sozialen Arbeit konzipiert habe, und ohne die es den Menschrechtsdiskurs in der Sozialen Arbeit in seiner aktuellen Gestalt nicht gäbe. Als prägend für ihren Einstieg in den Diskurs um Menschenrechte erlebte Staub-Bernasconi ihren USA-Aufenthalt im Rahmen eines UNO-Stipendiums im Jahr 1963, mit dem sie an der University of Minnesota studieren konnte. Dort erlebte sie einerseits einen „Strukturschock“, indem sie mit der Armut konfrontiert wurde, in der viele Bürger*innen der USA lebten. Sie lernte aber auch die lange Tradition der Opposition kennen, in denen die Sozialarbeiter*innen in den USA eine aktive und präsente Rolle einnahmen. Zu den Meilensteinen, die die Verknüpfung von Menschenrechten und Sozialer Arbeit angestoßen haben, zählt sie u.a. den im Jahr 2002 etablierten postgradualen Master-Studiengang Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession im Verbund mehrerer Berliner Hochschulen, aber auch die diesjährige Tagung der DGSA. Für Staub-Bernasconi steht Soziale Arbeit in der Rolle der Übersetzerin, die die UNO für die Durchsetzung der Menschenrechte benötigt. Um diese Rolle einnehmen zu können, seien neben anderen Aspekten eben solche Tagungen wie die DGSA Jahrestagung 2017 zum Thema der Menschrechte erforderlich. Soziale Arbeit müsse, so Staub-Bernasconi, Soziale Gerechtigkeit verfolgen und stärken und sich zu einer kritischen Profession entwickeln.

 

Sind Soziale Arbeit und Menschenrechte also ein Papiertiger? Papiertiger, so Stövesand, sei die von Mao Zedong geprägte Bezeichnung für Menschen, Organisationen oder Schriftstücke, die sich machtvoller geben als sie in Wirklichkeit sind. Der Begriff des Papiertigers habe einen Doppelcharakter, denn auch Papiertiger können etwas durchsetzen und bewirken. Um es mit Bezug auf Max Horkheimer auszudrücken, nur weil Begriffe wie der des Menschenrechts durch die Mängel der Praxis beschädigt seien, solle man sie nicht verwerfen. Für Soziale Arbeit bedeute das, die Menschenrechte als Horizont und Verpflichtung anzunehmen.       

Am 6.3.2017 hat das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration den von ihr geförderten Einrichtungen der Sozialen Arbeit im Bereich der Asylsozialarbeit ein Schreiben gesendet, in dem diese aufgefordert werden, Flüchtlinge bei den Beratungen nicht auf Möglichkeiten hinzuweisen, wie sie sich gegen mögliche Abschiebungen juristisch zur Wehr setzen können. Diese Aufforderung war zwar begründet mit dem Verweis auf das Gesetz über außergerichtliche Rechtsdienstleistungen, enthielt aber die unverhohlene Drohung, dass die Einrichtungen der Asylsozialberatung die finanzielle Förderung verlieren, wenn sie weiterhin in dieser Art und Weise beraten würden. Ausführlich werden in dem Schreiben die Fördergrundsätze (https://www.verkuendung-bayern.de/files/allmbl/2016/05/allmbl-2016-05.pdf, ab S. 1495) zitiert, in denen massiv darauf hingewiesen wird, dass die Asylsozialberatung auf eine Rückkehr der Flüchtlinge in die Herkunftsländer drängen soll.   

Weitere Informationen und die Originaldokumente inkl. dem Brief des Ministeriums an die Einrichtungen der Asylsozialberatungen finden sich auf den Seiten des Bayerischen Flüchtlingsrats unter http://www.fluechtlingsrat-bayern.de.   

Der Vorstand der DGSA verurteilt auf das Schärfste diese Vorgehensweise, die die fachliche Unabhängigkeit der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Frage stellt!  

Menschen, die Rat bei professionellen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern suchen, haben das Recht auf eine umfassende und an den Bedürfnissen der KlientInnen ausgerichtete Beratung. Politische Vorgaben jeglicher Art dürfen keinen Einfluss auf Art und Inhalt des Beratungsprozesses haben. Das fachpolitische Mandat der Sozialen Arbeit beruht auf der Anerkennung der Menschenwürde, der Unterstützung von Menschen und der Orientierung an den Menschenrechten.  

Soziale Arbeit als Profession arbeitet auf gesetzlichen Grundlagen und achtet diese. Eine einseitige Auslegung der Rechtslage zu Ungunsten von Menschen in prekären Situationen aufgrund von politischen Intentionen verurteilen wir jedoch auf das Schärfste. Die Androhung, die staatliche finanzielle Förderung einzuschränken oder gar ganz zurückzuziehen, ist eine Bedrohung der fachlichen Unabhängigkeit der Sozialen Arbeit.   

Der Vorstand der DGSA

7.4.2017            

Auch der Vorstand der DGSA hat sich dem Einspruch zahlreicher Kolleginnen und Kollegen zur Vorgehensweise des BMFSFJ zur Überarbeitung des SGB VIII angeschlossen. Sie finden diesen Einspruch beigefügt. 

Kriterien für kooperative Promotionsverfahren

Eine Positionierung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit

Immer mehr Promotionsordnungen öffnen sich für kooperative Verfahren zwischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW/FH). Der Wissenschaftsrat hat sich 2010 ausdrücklich dafür ausgesprochen, die HRK (2015) hat diesen Wandel nachdrücklich unterstrichen. „In kooperativen Promotionsprogrammen, die von den Hochschulen selbst vereinbart werden, muss der Promotionszugang fu?r Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen transparent ausgestaltet werden. Daru?ber hinaus muss die Betreuung der Promovierenden aus der Fachhochschule durch ausgewiesene Fachhochschulprofessorinnen und -professoren sowie deren Beteiligung an den Promotionsverfahren als gleichberechtigte Gutachterinnen und Gutachter sowie Pru?ferinnen und Pru?fer sichergestellt werden. Die Forschung der Promovierenden aus der Fachhochschule soll zu einem wesentlichen Teil auch der Weiterentwicklung der Forschung an der Fachhochschule zugutekommen.“ (Wissenschaftsrat 2010, S. 12). Dennoch unterscheiden sich die zugrundeliegenden Promotionsordnungen und kooperativen Verträge z. T. beträchtlich. Der Promotionsbeirat der DGSA hat daher Überlegungen angestellt, welche förderlichen oder kritischen Punkte es in Bezug auf solche Ordnungen anzumerken und zu erwägen gilt.

Stellungnahme des Vorstands der DGSA zur aktuellen Situation in der Türkei

Insbesondere zum Umgang mit Hochschulangehörigen in der Türkei

Wir sind besorgt und entsetzt über die politischen Entwicklungen in der Türkei. Bereits vor dem Militärputsch hat der Druck auf die Wissenschaft zugenommen. Seit der Petition die hunderte Akademiker_innen in der Türkei verfasst haben mit der Aufforderung an die türkische Regierung, den bewaffneten Konflikt mit der verbotenen PKK im Südosten des Landes zu beenden, gelten sie als „Vaterlandsverräter“ und werden öffentlich als „Möchtegern-Akademiker“ diffamiert. Bereits damit begannen Entlassungen, Verhaftungen und Anklagen wegen Terrorpropaganda.  

Am 19.7. wurde die Entlassung von 1.577 Universitäts-Dekanen angeordnet. Universitätsangestellte dürfen nicht mehr ausreisen. Türkische Akademiker_innen, die im Ausland arbeiten, sollen zurückkommen. Wer nicht heimkehrt, macht sich verdächtig. Dies ist ein Generalverdacht gegen Wissenschaftler_innen und Intellektuelle.  

Wir fühlen uns mit den betroffenen Hochschulangehörigen tief verbunden und versichern ihnen unsere Solidarität. Mit Sorge sehen wir, wie mit einem Streich die langjährigen Kooperationen, Austauschbeziehungen und gemeinsamen Lehr- und Forschungsprojekte zwischen Deutschland und der Türkei in Gefahr geraten und aktuell akut verhindert werden. Gerade im Bereich der Sozialen Arbeit, die erst seit den 2000er Jahren systematisch in der Türkei aufgebaut wird, sind nun vielfältige Kooperationsprojekte in Gefahr.  

Wir rufen die türkische Regierung dazu auf, die Repressionen und Verfolgungen zu stoppen und die demokratisch legitimierte Freiheit von Forschung und Lehre in der Wissenschaft nicht einzuschränken.    

21. Juli 2016  

Für den Vorstand:

Prof. Dr. Michaela Köttig

Prof. Dr. Barbara Thiessen      

Weitere Stellungnahmen siehe:  

www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/meldung/hrk-praesident-protestiert-gegen-umgang-mit-hochschulangehoerigen-in-der-tuerkei-3999/  

www.eua.be/Libraries/press/eua-statement-condemning-the-forced-resignation-of-1577-university-deans.pdf

Auf der 16. Mitgliederversammlung am 29.04.2016 wurden folgende Mitglieder in den neuen Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit e.V. (DGSA) gewählt:

Vorsitzende
Prof. Dr. Michaela Köttig

Prof. Dr. Barbara Thiessen

Schriftführung
Prof. Dr. Stefan Borrmann

Schatzmeister
Wolfgang Antes

Beisitzerinnen und Beisitzer
Prof. Dr. Sonja Kubisch
Prof. Dr. Dieter Röh
Prof. Dr. Christian Spatscheck
Prof. Dr. Claudia Steckelberg

 

Aus dem alten Vorstand waren nach der letzten Wahlperiode nicht mehr zur Wahl angetreten:
- Prof. Dr. Sabine Stövesand, sie war von 2011-2016 als Vorsitzende und von 2009-2011 als Beisitzerin im DGSA Vorstand aktiv.
- Prof. Dr. Gudrun Ehlert, sie war von 2014-2016 als Beisitzerin für den DGSA Vorstand tätig.

Der neue Vorstand dankt den beiden ehemaligen Vorstandsmitgliedern für ihr Engagement für die DGSA und die gute Zusammenarbeit.



Der Vorstand des FBTS hat an seine Mitglieder den folgenden Aufruf übersandt, den der Vorstand der DGSA sich mit Nachdruck anschließt.

In der vergangenen Woche wurden in der Türkei 27 akademische Mitarbeiter und Professoren aus vier Universitäten verhaftet, zum Teil direkt auf Campus.

Darunter war auch ein Kollege aus dem social work department der Kocaeli University. Die verhafteten KollegInnen waren Unterzeichner einer Deklaration, die sich für eine Wiederaufnahme der Friedensbemühungen mit den Kurden aussprach.

Mehr Informationen hierzu im Detail hier: http://www.bbc.com/news/world-europe-35321895

Die European Association of Schools of Social Work hat sich intensiv und sorgsam mit der Situation auseinander gesetzt und beurteilt diese als einen ausgesprochen alarmierenden und nicht zu akzeptierenden Bruch mit der akademischen Freiheit und Meinungsfreiheit: www.eassw.org

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt ebenfalls der Generalsekretär des Europarats in dieser Woche: http://www.coe.int/en/web/portal/-/turkey-secretary-general-thorbj-rn-jagland-concerned-by-arrests-of-academics

Die EASSW ist im engen Kontakt und ständiger Kommunikation mit den türkischen KollegInnen und berät zur Zeit über geeignete Maßnahmen zur Unterstützung der KollegInnen in der Türkei und zur Verteidigung der akademischen Freiheit.

Mehr Informationen unter: http://www.eassw.org

Der Vorstand der DGSA schließt sich den Erklärungen der IFSW an

22.10.2015: Prof. Dr. Sabine Stövesand, Prof. Dr. Christian Spatscheck (für den Vorstand)


In ihrer aktuellen Stellungnahme spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) für eine Willkommenskultur und eine faire Auseinandersetzung darüber aus, wie einheimische Bevölkerung und Flüchtlinge zusammenleben können. SozialarbeiterInnen nehmen in diesem Prozess der gegenseitigen Annäherung eine Schlüsselstellung ein.

Der Vorstand der DGSA schließt sich den Erklärungen der IFSW – International Federation of Social Workers sowie der EASSW – European Association of Schools of Social Work zur aktuellen Situation der Flüchtlinge in Europa an.

Wir rufen die verantwortlichen Regierungen, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaften dazu auf, strukturelle Fluchtursachen und Gründe zu beseitigen sowie den aus Kriegen oder Not geflüchteten Menschen jene Hilfe zukommen zu lassen, die sie im Sinne der Humanität dringend benötigen und die ihnen im Sinne der Menschenrechte zusteht.

Dazu gehören auch die Schaffung von Bedingungen und Kulturen des Willkommens und Zusammenlebens in den Aufnahmeländern sowie der Wille und die Bereitschaft der BürgerInnen, mit den neu ankommenden Menschen in eine aktive und faire Auseinandersetzung über ein gemeinsames Zusammenleben zu treten, den Aufbau aller dazu förderlichen gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen sowie die Bereitschaft, vorhandenen Reichtum gerecht zu verteilen.

SozialarbeiterInnen leisten einen wichtigen Beitrag bei der Gestaltung der damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen. Durch ihre professionellen Interventionen und die Anleitung von einer beeindruckend großen Zahl von ehrenamtlichen und engagierten HelferInnen nehmen sie eine Schlüsselstellung im Hilfesystem ein. Um das hierzu Erforderliche tun zu können brauchen sie die dafür nötigen Ressourcen. Dies schließt eine angemessene Bezahlung ein sowie Arbeitsbedingungen, die den hohen Anforderungen durch Supervision, Fortbildung und Arbeitszeitausgleich Rechnung tragen.

Die Tätigkeit der SozialarbeiterInnen in der Flüchtlingshilfe ist eine fachlich komplexe und besonders herausfordernde Aufgabe. Der weiter anhaltende und an manchen Orten nur schwer erfüllbare quantitative Bedarf an SozialarbeiterInnen in diesem Handlungsfeld darf nicht dazu führen, dass fachliche Standards abgesenkt werden oder Personen in diesem sensiblen Feld tätig werden, die die nötigen fachlichen Qualifikationen und Kompetenzen dafür nicht aufweisen. Wir rufen die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern dazu auf, den fachlichen Nachwuchs in ausreichender Zahl zu qualifizieren und bereitzustellen.

Beitrag im Deutschlandfunk

30.04.2015 im Deutschlandfunk


Am 30.04.2015 lief abends ab 20.10 Uhr der Beitrag von Anke Gundelach über das Tagungsthema der Jahrestagung in Würzburg im Deutschlandfunk.


Flucht, Trauma, Integration – ein neuer Service der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit listet fachkundige AnsprechpartnerInnen für die Medien auf – nicht nur zum aktuellen Thema Flüchtlinge.

Silke Gahleitner hat kürzlich eine Studie zur Wirksamkeit von Traumapädagogik vorgelegt. Drei Jahre haben Forscherinnen und Forscher unter der Leitung der Professorin, die in Berlin und an der Donau-Universität Krems lehrt, untersucht, wie sich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in einer stationären Einrichtung verändert, wenn die Mitarbeitenden eine traumapädagogische Schulung absolviert haben. Die WissenschaftlerInnen fanden heraus, wie gut es traumatisierten Kindern und Jugendlichen tut, Halt gebende Beziehungen und eine aufrichtige Kommunikation zu erfahren. Erklärt zu bekommen, wie die traumatische Erfahrung sich auf ihr Fühlen, Denken und Verhalten auswirkt, helfe Schuld und Scham zu überwinden und sich allmählich selbst zu regulieren. Durch die traumapädagogische Schulung lernten SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen, betroffenen Kindern dabei ein respektvolles und aufmerksames Gegenüber zu sein.

„Traumapädagogische Kompetenzen sind auch in der Arbeit mit Flüchtlingen unerhört wertvoll“, betont Silke Gahleitner. „Denn ganz oft sind es SozialarbeiterInnen, die den Menschen in ihrer seelischen Not beistehen und dann ein Klima schaffen müssen, in dem die Bewältigung des Erfahrenen möglich ist.“

Eric Mührel bildet mit anderen KollegInnen an der Hochschule Emden/Leer Studierende des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit auch zu Integrationslotsen aus. Während die angehenden SozialarbeiterInnen an der Hochschule ihre interkulturelle Kompetenz erweitern und Formen des begleiteten Interessenausgleichs bzw. der Konfliktmediation erlernen, begleiten sie gleichzeitig bereits Flüchtlinge etwa zu Ämtern und in Vereine. „Tatsächlich brauchen nicht nur die Flüchtlinge eine solche Beratung und Begleitung, sondern es kommen z. B. auch Sportvereine, die dabei unterstützt werden möchten, ein gedeihliches Miteinander mit den NeubürgerInnen zu schaffen“, erzählt der Professor, der neben der Flüchtlingshilfe weitere Arbeitsschwerpunkte u. a. in der Bildungsgerechtigkeit und Lebenskunst hat.

Nausikaa Schirilla wiederum hat untersucht, wie sich kriegerische Konflikte und Katastrophen in dem Flüchtlingszuzug einer Kommune widerspiegeln und wie die Integration der Flüchtlinge gelingt. Dafür hat die Professorin an der Katholischen Hochschule Freiburg Dutzende Biographien studiert, etwa solche von vietnamesischen Boat-People, von Kurdinnen und Kurden und von Flüchtlingen vor dem Jugoslawien-Krieg. Interessiert hat sie besonders, wie diese trotz widriger Umstände ihre Arbeit gefunden haben und wie gut die ehemaligen Flüchtlinge mittlerweile in ihrer Kommune verwurzelt sind. Schirillas Fazit: „Niemand flüchtet ohne triftigen Grund. Und der Wunsch, möglichst schnell sich durch eigene Arbeit finanziell abzusichern, ist zentral.“

Silke Gahleitner, Eric Mührel und Nausikaa Schirilla sind drei von über fünfzig ExpertInnen und Experten, die bereit sind, den Medien in Hintergrundgesprächen oder als InterviewpartnerInnen ihre Expertise in den unterschiedlichsten Feldern der Sozialen Arbeit zur Verfügung zu stellen.

Im ExpertInnen-Pool können Interessierte zahlreiche weitere ExpertInnen und Themen wie Straßenkinder, Leitbilder von Elternschaft, Partnerschaftsberatung älterer Menschen oder nachbarschaftsbezogene Konzepte gegen häusliche Gewalt finden.

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