Johannes Gleitz, Philipps-Universität Marburg
Alexandra Kattein, Universität Rostock
Dr. Cornelius Lätzsch, Katho Köln
johannes.gleitz(at)uni-marburg.de
Die Bundesrepublik Deutschland lässt sich zunehmend als postmigrantische Gesellschaft bezeichnen. Sie ist sowohl durch Migration als auch durch rassistische Ausschlussprozesse geprägt. Migration, Mobilität und transnationale Beziehungen stellen keine sozialen Probleme im Sinne eines Unterstützungsbedarfes durch die Soziale Arbeit dar. Allerdings bestehen aufgrund gesellschaftlicher Machtverhältnisse im Kontext Migration intersektionale Diskriminierungen und komplexe Exklusionsmechanismen im Bereich der gesellschaftlichen Funktionssysteme wie z.B. im Bildungs- und Erwerbsarbeitssystem. Vor allem rechtliche und soziale Benachteiligungen und die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit Migration, Rassismus, Ethnisierung und Gleichstellung bilden die zentralen Referenzen der migrationsbezogenen Sozialen Arbeit.
Die Fachgruppe „Flucht, Migration, Rassismus- und Antisemitismuskritik“ befasst sich mit aktuellen Entwicklungen der deutschen Migrationsgesellschaft und der migrationsbezogenen Sozialen Arbeit. Zu ihren Themen gehören Rassismus, Antisemitismus und weitere Fragen der sozialen Ungleichheit bezogen auf migrationssoziologische und -politische Themen sowie entsprechende Methoden, Handlungskonzepte (wie z.B. migrationsgesellschaftliche Öffnung) und deren didaktische Vermittlung in der hochschulischen Ausbildung und der Fort- und Weiterbildung. Zudem diskutiert die Fachgruppe, welche rassismus- und migrationsbezogenen sowie menschenrechtlichen Wissensbestände und Kompetenzen angehende Sozialarbeiter*innen benötigen und untersucht Fragestellungen der Rechtsextremismus- und Antisemitismusforschung.
Die Fachgruppe dient dem fachlichen Austausch und arbeitet bildungs-, projekt- und publikationsorientiert. Sie führt u.a. Workshops durch oder verfasst Stellungnahmen zu aktuellen migrationspolitischen Ereignissen. Als Teil des regelmäßigen fachlichen Austausches setzten sich die Mitglieder der Fachgruppe in den letzten Jahren mit Themen wie der Entwicklung rassismuskritischer Hochschulstrukturen und der Implementierung postkolonialer Perspektiven in Lehre, Forschung und Praxis Sozialer Arbeit intensiv auseinander. Dazu finden auch immer wieder Kooperationen mit anderen Fachgruppen der DGSA, wie der FG Internationale Soziale Arbeit oder der FG Gender statt. Einige Aktivitäten, Arbeitsergebnisse und Kooperationsresultate finden sich hier auf der Homepage.
Die Fachgruppe tauscht sich über einen Emailverteiler aus und trifft sich regelmäßig im Herbst sowie im Anschluss an die Jahrestagung der DGSA. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen!
Bei Interesse an einer Teilnahme/Einladung kontaktieren Sie gerne die Sprecher*innen.
Hier finden Sie eine Übersicht anstehender Veranstaltungen der Fachgruppe.
Der Begriff der Vulnerabilität wird in unterschiedlichen Kontexten verschiedenartig verwendet und steht in Verbindung mit diversen „Erkenntnis-, Praxis- und Verwertungsinteressen“ (Burghardt et al. 2017: 12). Im Feld von Flucht*Migration hat sich Vulnerabilität in den vergangenen Jahren zu einer zentralen Kategorie sozialarbeiterischer und rechtlicher Praxis entwickelt – etwa als Chiffre für besondere Schutzbedürftigkeit, das Zugänge zu Verfahren, Leistungen und Unterstützungsangeboten strukturiert.
Mit der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) erhält der Vulnerabilitätsbegriff eine neue ordnungspolitische und rechtliche Relevanz: In zahlreichen Rechtsakten wird Vulnerabilität explizit benannt und als Entscheidungs- und Differenzierungskriterium verankert (DIMR 2025: 3). Damit wirkt der Begriff nicht nur regulierend auf Asylverfahren, sondern prägt maßgeblich, wer als schutzbedürftig gilt, wie Schutzbedürftigkeit festgestellt wird und welche Konsequenzen daraus folgen. Wie genau die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung der GEAS-Reform in der Praxis aussehen wird ist dabei noch nicht abschließend klar. Zugleich erscheint Vulnerabilität dabei häufig als individuelles oder gruppenbezogenes Merkmal enggeführt zu werden – eine Perspektive, die mit relationalen, strukturellen und machtkritischen Vulnerabilitätsverständnissen nicht immer vereinbar ist (Butler 2020: 31).
Der Migraas-talk nimmt diese begriffliche und politische Zuspitzung im Rahmen von GEAS zum Anlass, die Vielfalt der Bezugnahmen auf den Vulnerabilitätsbegriff sichtbar zu machen. Gemeinsam mit unseren Referentinnen diskutieren wir, welche Spannungsfelder, Überlappungen und Widersprüche entstehen, wenn der Vulnerabilitätsbegriff
verstanden, angewendet, interpretiert und verhandelt wird.
Wir freuen uns auf eure Teilnahme und einen spannenden Abend.
Wann? 3. März 2026, 19- 21 Uhr
Wo? Online: Link bei den Organisator*innen erhältlich
Ziel der Veranstaltung ist es, den Vulnerabilitätsbegriff im Kontext von GEAS als theoretisches Konzept, rechtliche Rahmungen und sozialarbeiterische Praxis kritisch zu reflektieren und gemeinsam nach Anschlussmöglichkeiten zwischen den Perspektiven zu suchen.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe Migraas-Talks statt, darf aber in diesem Fall auch gerne an interessierte Kolleg*innen weitergeleitet werden.
Der talk wird organisiert und moderiert von Tamara Tries (Tamara.Tries(at)uibk.ac.at) und Cornelius Lätzsch (c.laetzsch(at)katho-nrw.de).
Das Fachgruppentreffen findet am 25.04.2026 von 15:00-17:00 statt.
Die Sprecher*innen freuen sich über eine kurze Info wenn ihr plant teilzunehmen.
Dieser Migraas-Talk beschäftigt sich mit dem Erstarken der extremen Rechten, politischen Einflussnahmen auf die Soziale Arbeit und welche Herausforderungen dies für den akademischen Diskurs mit sich bringt.
Hierfür haben wir Dr. Christoph Haker, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaften und am Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung der Europa-Universität Flensburg, sowie Dr. Lukas Otterspeer, Erziehungswissenschaftler an der Europa-Universität Flensburg, für einen gemeinsamen Austausch eingeladen. Für die Otto-Brenner-Stiftung haben sie die Studie „Rechtspopulismus und Rechtsextremismus an Hochschulen“ durchgeführt und verfasst (verfügbar unter: www.otto-brenner-stiftung.de/hochschulen-extreme-rechte).
Die Studie wird im Rahmen dieses Migraas-Talks von den Autoren vorgestellt. Unsere Fachgruppenkollegin Prof. Susanne Spindler ergänzt den Vortrag durch einen kommentierenden Impuls zu aktuellen Erfahrungen und Diskussionen an der Hochschule.
Nach den beiden Impulsen wird es Gelegenheit für Fragen und eine offene Austauschrunde geben.
Wann? Dienstag, 2. Juni 2026, von 19.00 -21.00 Uhr
Wo? Online
Fragen zur Veranstaltung an: Johannes.Gleitz@uni-marburg.de
Hier finden Sie aktuelle Publikationslisten der Mitglieder der Fachgruppe.
Außerdem finden Sie einige Listen mit zusammengestellter Literatur zur ausgewählten Themen.
Die Liste beinhaltet Publikationen zu Themen Sozialer Arbeit im Kontext Flucht, MIgration, Rassismus- und Antisemitismuskritik.
Die Fachgruppe migraas hat im April 2018 eine Leseliste zum Thema: "Soziale Arbeit im Spannungsfeld zwischen Asyl-/Migrationsrecht und Menschenrechten" erstellt. Die Liste soll die fachliche Verständigung über Soziale Arbeit als eine Profession befördern, die sich im Spannungsfeld von Asyl-/Migrationsrecht und Menschenrechten befindet und die in Normierungen von Staatsbürgerschaft und Aufenthaltsrecht verstrickt ist. Mandat und Gestaltungsmöglichkeiten Sozialer Arbeit sind wesentliche Bezugspunkte einer professionellen Verständigung über diese Verstrickung.
Als Fachgruppe nehmen wir immer wieder Stellung zu Themen, die im Sinne des Schwerpunktes der Fachgruppe relevant sind.
Offener Brief von Wissenschaftler*innen aus der Migrations-, Rassismus-, Antisemitismus-, Rechtsextremismus- und Diskriminierungsforschung mit Forderungen an die Bundesregierung und das Bundesministerium für Bildung und Forschung, an die Landesministerien für Wissenschaft und Forschung und die Wissenschaftssenate sowie die die Hochschulrektorenkonferenz, den Wissenschaftsrat und die Kultusministerkonferenz.
Diese Stellungnahme ist auf Initiative des Instituts für Migration und Diversität der Technischen Hochschule Köln, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, der Fachgruppe „Flucht, Migration, Rassismus- und Antisemitismuskritik“ (Migraas) der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) und dem Rat für Migration e.V. entstanden.
No War in Ukraine!
Position Paper of Expert Groups of the German Association of Social Work (DGSA)
Die Fachgruppe hat einen offenen Brief zur aktuellen Situation in Afghanistan an Bundeskanzlerin Merkel und Bundesaußenminister Maas verfasst.
Unser Grundappell lautet: Wir plädieren eindringlich an Ihr Rechts- und Verantwortungsbewusstsein und Ihre Solidarität und bitten Sie, allen gefährdeten Personen unbürokratisch und schnell Schutz und Perspektiven in Deutschland zu ermöglichen!
Der Brief möchte dazu anregen, sich mit den Themen Rassismus und Antisemitismus an den Hochschulen und Universitäten auseinanderzusetzen.
In einer zusätzlichen Linkliste finden sich ergänzende Materialien.
gemeinsame Stellungnahme und Forderungskatalog kritischer Wissenschaft und Politischer Bildung in Zeiten von rassistischer und antisemitischer Gewalt und extrem rechtem Terror:
Fachgruppe Flucht, Migration, Rassismus- und Antisemitismuskritik (FG Migraas) in der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA)
Fachgesellschaft Geschlechterstudien Fachgruppe Gender in der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA)
Kritnet - Netzwerk kritische Migrations- und Grenzregimeforschung
Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik BW Rat für Migration e.V. (RfM)
Sektion Politik und Geschlecht in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW)
Sektion Frauen- und Geschlechterforschung in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)
Sprecher*innen des Arbeitskreises soziale Bewegungen in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW)
In der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Menschen werden elementare Grundlagen professioneller Tätigkeit durch die restriktive Asylgesetzgebung infrage gestellt. Mit dem aktuellen Gesetzentwurf droht eine weitere drastische Verschlechterung in diesem Handlungsfeld. Wir nehmen im Folgenden als Fachgruppe der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) zu einzelnen Aspekten des Entwurfs des so genannten „Geordnete-Rückkehr-Gesetzes“ Stellung.
Die Fachgruppe hat eine Stellungsnahme zu einem Schreiben der bayrischen Staatsgregierung verfasst, das darauf zielt, den Beratungsanspruch Geflüchteter einzuschränken und Sozialarbeiter_innen einzuschüchtern.
Hier finden Sie vergangene Veranstaltungen der Fachgruppe.
In unserer ersten Veranstaltung des Migraas-Talks 2024 widmen wir uns verschiedenen Einblicken in die Soziale Arbeit in Lagerstrukturen.
Asylrechtsverschärfungen und Veränderungen von Aufnahmeregelungen haben zu lager-artigen Strukturen in der Unterbringung von Menschen mit Fluchthintergrund in Europa geführt. Das System der Lager reproduziert dabei nationalstaatliche Grenzziehungen innerhalb von Landesgrenzen (Hartmann 2020: 94). Dies geht für Menschen, die in diesen Sammelunterkünften wohnen, mit stark prekarisierten Lebensbedingungen einher. Soziale Arbeit als in den Sammelunterkünften agierende Profession findet häufig unter erschwerten Bedingungen statt und wird aktiviert durch Problemstellungen, die sich vor allem auch aus einer unsicheren Aufenthaltsperspektive ergeben (Initiative Hochschullehrender zu Sozialer Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften 2016: 2). Sozialarbeiter*innen sind häufig im Alltäglichen mit Mandatskonflikten und Dilemmata konfrontiert, die es erfordern, eben diese in den Blick zu nehmen. Die Kultivierung eines offensiven Umgangs mit den Widersprüchen Sozialer Arbeit und der Blick auf Handlungsspielräume scheint sinnvoll (Muy 2018: 165).
In unserer ersten Veranstaltung des Migraas-Talks am 20.02.2024 von 19.00 – 20.30 Uhr widmen wir uns verschiedenen Einblicken in die Soziale Arbeit in Lagerstrukturen. Auf der Grundlage von zwei Dissertationsprojekten (Sebastian Muy/ PH Freiburg und Alexandra Kattein/ Uni Rostock) werden die Verwaltungspraxis von Sammelunterkünften unter Pandemiebedingungen sowie der Umgang von Sozialarbeiter*innen mit Abschiebungen aus Sammelunterkünften betrachtet. Des Weiteren geht Tamara Tries (Uni Innsbruck) der Frage nach sozialarbeiterischer Handlungsfähigkeit unter rechtspopulistischen Regierungen anhand eines Berichts über die Auswirkungen der österreichischen Regierung Kurz I nach. Die im Rahmen der Vorträge aufkommenden Fragen zum Asylrecht - beispielsweise zur (Nicht-) Mitwirkung von sozialpädagogischen Fachkräften bei Abschiebungen - und Policy Practice werden aufgegriffen, in einem ersten Aufriss diskutiert und für den zweiten Talk-Abend am 05.03.2024 (Einladung folgt) mit unseren Expert:innen Miriam Burzlaff (FH Neubrandenburg) und Marei Pelzer (Frankfurt University of Applied Sciences) notiert.
Bitte schreiben Sie bei Interesse an einer Teilnahme eine kurze Email an k.hermsen(at)uni-muenster.de
Wir lassen Ihnen dann gerne den Link für den Online-Talk zukommen. Wir bitten um Angabe des Klarnamens bei Eintritt in den Zoom-Raum und freuen uns über den gemeinsamen Austausch.
Viele Grüße vom Organisationsteam,
Katrin Hermsen, Gesa Langhoop, Sebastian Muy, Tamara Tries und Alexandra Kattein
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe werden wir uns einigen Themen der Sozialen Arbeit im Kontext Flucht/Migration widmen, die bislang wenig politische und wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren.
12.06.2023; 18:30 – 20:00 Uhr
Zur Beforschung von Wohnungslosigkeit und Behinderung im Kontext Flucht*Migration – Schlaglichter aus 4 Jahren Graduiertenkolleg „vernachlässigte Themen der Flüchtlingsforschung“
September 2023 (genaues Datum kommt bald!)
Teilhabe trotz Duldung?!
Oktober 2023 (Datum kommt bald!)
Externalisierung der EU Grenzen: (k)ein Thema für die Soziale Arbeit in Deutschland?
Alle Veranstaltungen finden online per Zoom statt. Die entsprechende Zoomlinks werden wir zeitnah verschicken.
Wir freuen uns sehr auf den Austausch!
Arbeitstagung der drei Fachgruppen ISA, Klimagerechtigkeit, Migraas
Gemeinsame Arbeitstagung der drei Fachgruppen Internationale Soziale Arbeit - Klimagerechtigkeit und sozialökologische Transformation - Migraas
am 29.09/30.09.2023 an der Frankfurt University of Applied Sciences
„Krise - Katastrophe - Kollaps: Wo ist der Platz der Sozialen Arbeit?
- Intersektionale und postkoloniale Perspektiven“
Drittes Werkstattgespräch, am 6. März 2023, 18-19:30 Uhr
BIPoC-Perspektiven auf Rassismus und Rassismuskritik an Hochschulen
Referent*innen:
Nomaswazi Mthombeni, PhD fellow and co-speaker from the BIPoC & ISD Kassel, University of Kassel
Emmy Fu, member of anti-racist student groups such as JFKI Students Against Racism and Student Coalition for Equal Rights, community organizer for refugee and migrant justice, FU Berlin
Said Nur, co-speaker of the BIPoC Referat, University of Leipzig
Saman A. Sarabi, co-speaker of the Netzwerk für (rassismus)kritische Migrationsforschung; Repräsentation, Community & Empowerment, University of Bremen
Moderation: Robel Afeworki Abay, Humboldt-Universität zu Berlin
Anmeldung bis zum 26.02.2023, per Mail an: robel.abay@hu-berlin.de
vergangene Werkstattgespräche:
Erstes Werkstattgespräch, am 24. Oktober 2022, 18-19:30 Uhr
Rassismuskritik als Querschnittsthema der Sozialarbeitslehre
Moderator*innen:
Nina Westerholt, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Niederrhein
Ersan Özdemir, Dipl. Sozialpädagoge/ Sozialarbeiter, M.A. Sozialarbeitswissenschaftler
Anmeldung bis zum 16.10.2022, per Mail an: nina.westerholt(at)hs-niederrhein.de
Zweites Werkstattgespräch, am 23. Januar 2023, 18-19:30 Uhr
Diskriminierungsschutz an Hochschulen aktiv gestalten: Herausforderungen und Möglichkeiten
Referentin: Nathalie Schlenzka, Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Moderation: Monique Ritter, Hochschule Zittau/Görlitz und Prof. Dr. Michael Tunç, HAW Hamburg
Anmeldung bis zum 16.12.2022, per Mail an: monique_ritter90(at)yahoo.com
Wenngleich die gewaltvolle Tötung des 16-jährigen Schwarzen Geflüchteten Mouhamed Lamin Dramé am 8. August 2022 durch die Dortmunder Polizei keineswegs ein erstes Mal, sondern vielmehr die Spitze des Eisbergs darstellt, möchten wir diesen schrecklichen Anlass dazu nutzen:
Erstens, unsere kollektive Trauer zum Ausdruck zu bringen. Zweitens möchten wir bei der Veranstaltung sowohl über Handlungsmöglichkeiten und Verantwortungen Sozialer Arbeit in der Thematisierung und Bekämpfung zunehmender tödlicher Polizeigewalt und weiterer Formen des strukturellen Rassismus sprechen, als auch Verstrickungen Sozialer Arbeit in dieses rassistische System kritisch beleuchten sowie Fragen nach Umgangs- und Handlungsstrategien Sozialer Arbeit mit möglicher Suizidalität in Wohngruppen für geflüchtete Menschen gemeinsam diskutieren.
Ablaufplan der Veranstaltung:
• 10:00-10:20 Uhr: Begrüßung durch die Organisator*innen
• 10:20-10:30 Uhr: Grußwort von Awet Tesfaiesus, Abgeordnete der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen
• 10:30-11:00 Uhr: Trauerminute und kurze Einblicke über aktuelle Proteste in Dortmund,
Alassa Mfuapon vom Freundeskreis Flüchtlinge zum Leben und Tod von Mouhamed
Lamin Dramé
• 11:00-12:00 Uhr: Impulsvortrag und Diskussion
Von kolonial-rassistischen Zuschreibungen zu tödlicher Polizeigewalt an Schwarzen
Jugendlichen und Männern, Prof.‘in Dr. Isabelle Ihring, Evangelische Hochschule
Freiburg; Moderation und Kommentar, Robel Afeworki Abay, HU Berlin
• 12:00-13:00 Uhr: Mittagspause
• 13:00-15:00 Uhr: parallele Workshops
Workshop 1: Rassistische und tödliche Polizeigewalt, ReachOut Berlin und OPRA Berlin
Workshop 2: Rassismuserfahrungen von Sozialarbeiter*innen: Erfahrungen und
Handlungsstrategien, Merve Öztürk (M.A.)
Workshop 3: (Rassismuskritische) Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten bei
möglicher Suizidalität in Wohngruppen für junge Menschen mit Fluchterfahrung, Prof.
Dr. Claus Melter, FH Bielefeld und Ersan Özdemir, Sozialarbeiter (Dipl.) und
Sozialarbeitswissenschaftler (M.A.)
Workshop 4: Klassismus und Rassismus. Soziale Arbeit als Integrationsinstitution –
zwischen effizienter Verwertung der ‚Migrationsanderen‘ und Herstellung von
politischer, rechtlicher und sozialer Gleichstellung, Tú Qùynh-nhu Nguy?n,
Bildungswissenschaften (B.A.) und Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt
Sozialpädagogik (M.A.)
• 15:00-16:00 Uhr: Abschlussplenum
Zur Teilnahme an dieser digitalen Veranstaltung bitten wir um Ihre verbindliche Anmeldung
bis zum 15. November 2022
per E-Mail: tagung-polizeigewalt-rassismus@fh-bielefeld.de
Bitte teilen Sie uns auch Ihren Erst- und Zweitwunsch für einen der vier parallelen
Workshops mit.
Mit herzlichen Grüßen von den Organisator*innen,
Alassa Mfuapon, Claus Melter, Jessica Eckhardt, Ersan Özdemir, Isabelle Ihring und Robel Afeworki Abay
Diese Veranstaltung wird von der Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Sozialwesen, im Rahmen des Seminars: Diskriminierungskritisch und menschenrechtsorientierte Pädagogik gegen Rassismus und Nationalismus, in Kooperation mit der Fachgruppe: Flucht, Migration, Rassismus- und Antisemitismuskritik (Migraas) der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) durchgeführt.
Am 12. und 13. November 2021 fand eine gemeinsame Tagung der Fachgruppen Internationale Soziale Arbeit (ISA, Tanja Kleibl) und Flucht, Migration, Rassismus- und Antisemitismuskritik (Migraas, Petra Da?ková & Robel Afeworki Abay) mit dem Thema ,,Projekte und Lehrformate Sozialer Arbeit im Kontext postkolonialer Perspektiven‘‘ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) im hybriden Format mit 60 Teilnehmenden vor Ort und über 140 Teilnehmenden online statt.
Ziel der Tagung war es u.a. eine dekolonial orientierte Forschungs- und Lehrpraxis in der Sozialen Arbeit zu initiieren und weiterzuentwickeln, um den genannten diskursiven und wissenschaftlichen Praktiken entgegenzuwirken und kritische Anregungen für den weiteren Forschungs- und Handlungsbedarf zur Dekolonialisierung Sozialer Arbeit zu geben.
Im Rahmen der Tagung wurden die vielfältigen Verständnisse von postkolonialen und dekolonialen Ansätzen, Projekten und Lehrformaten der Sozialen Arbeit aus unterschiedlichen Perspektiven im deutschsprachigen Raum und international diskutiert. Dabei wurden sowohl theoretische Konzeptualisierungen vorgestellt und diskutiert wie auch methodische und methodologische Zugänge und konkreter curricularer Reformbedarf reflektiert. Im Anschluss an die Tagung streiften die Mitglieder des Organisationskomitees die großen Themen der letzten zwei Tage und gaben einen zusammenfassenden Ausblick auf den bestehenden großen Forschungs- und Handlungsbedarf der Dekolonialisierung der Sozialen Arbeit („Was ist noch zu tun?“).
Ein paar Einblicke aus dem inspirierenden Programm hat Juri Kilian ein kurzes Video zusammengeschnitten, das auf den DGSA YouTube Kanal hochgeladen wurde.
Eine Publikation auf Grundlage der Beiträge ist vorgesehen. Der Sammelband trägt den vorläufigen Titel: Decolonising Social Work: From Theory to Transformative Praxis. London: Bloomsbury Publishing (Tanja Kleibl & Robel Afeworki Abay).
Weitere Infos finden sich hier