Fachgruppe

Klimagerechtigkeit und Sozialökologische Transformation in der Sozialen Arbeit

Fachgruppensprecher*innen:

Ziele und inhaltliche Schwerpunkte

Die Fachgruppe besteht seit April 2021 und ist noch im Aufbau, so dass inhaltliche Schwerpunkte noch in der Entwicklung sind.

Das Ziel sozialökologischer Transformation ist den Aufbau einer lebensfähigen und lebenswerten Gesellschaft mit Beziehungen, Strukturen und Wirtschaftsformen zu fördern, welche die Bedürfnisse von Menschen, Gesellschaft und Natur erfüllen helfen, statt ihre Grundlagen weiter systematisch zu zerstören. Dies spannt im Kontext der Sozialen Arbeit ein breites Feld auf, das eine theoretische Durchdringung, neue Methoden und Konzepte sowie Konkretisierung durch praktische Beispiele der sozialökologischen Wende erfordert. Diese Perspektive zu stärken ist auch mit Blick auf die vorherrschende technisch-physikalische Ausrichtung der Klima- und Transformationsdiskurse notwendig, die sozialwissenschaftliche Analysen des Zusammenhangs von sozialen und ökologischen Problemlagen weithin unbeleuchtet lassen.

Ein wesentlicher Zugang zu sozialökologischen Transformationen ist die Perspektive der sozialen Gerechtigkeit, die in der Sozialen Arbeit seit jeher eine zentrale Rolle spielt und die auf das Konzept von ‚Klimagerechtigkeit‘ auszuweiten ist. Oder umgekehrt: Ein Fokus Sozialer Arbeit liegt auf der Analyse und Bearbeitung sozialer Ungleichheitsverhältnisse, die durch die ökologischen Krisen verstärkt werden. U.a. steht intergenerativen Gerechtigkeit im Fokus und die parteiliche Stärkung der Positionen von jungen Menschen. Hier hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschluss vom 24. März 2021 auf die Gefährdung von Freiheits- und Sicherheitsrechten der jüngeren Generationen im Hinblick auf eine lebenswerte Zukunft aufmerksam gemacht und die Exekutive aufgefordert, in diesem Sinne politische Entscheidungen für den Klimaschutz nachzujustieren.

Genauso ist auch Soziale Arbeit gefragt, bestehende Positionen zu hinterfragen. So sind systemische Ansätze mehrheitlich auf soziale Beziehungen und das unmittelbare sozialräumliche Umfeld des Menschen ausgerichtet. So ist die Wahrnehmung von ‚Umwelt‘ bislang nur auf menschliche, kulturelle, und soziale Umfelder ausgerichtet, während ökologische Systeme bzw. mehr-als-menschliche Naturräume noch kaum Berücksichtigung finden. Gleichzeitig kann Soziale Arbeit die vielfältigen bestehenden (handlungs-)theoretischen Ansätzen in Theorie und Profession aufgreifen und um eine ökologische Perspektive (weiter-)entwickeln und erweitern.

Die Fachgruppe möchte einen ökozentrierten Paradigmenwechsel anstoßen, der Ökologie als Querschnittsaufgabe Sozialer Arbeit perzipiert. Hierfür ist es entscheidend, dass Interdependenzen zwischen Individuum, Gesellschaft und der Vergesellschaftung von menschlichen und nicht-menschlichen Naturverhältnissen auch in den Mittelpunkt ihrer Professionalität rücken. Dementsprechend gilt es das aktuelle „Klimaregime“ als Macht- und Gewaltverhältnis in die Kritik zu nehmen und Visionen menschen- und naturfreundlicher gesellschaftlicher Regeneration und Transformation zu unterstützen und (weiter) zu entwickeln. Deshalb wird politische und aktivistische Arbeit in der Fachgruppe explizit mitgedacht, etwa in Kooperation mit Sozialverbänden und Klimagerechtigkeitsgruppen. Weitere Ziele sind die Stärkung der Sprachfähigkeit von Sozialarbeitenden zu Umwelt- und Klimakrisen, die Verankerung des Themas in Curricula von Studiengängen zur Sozialen Arbeit ebenso wie ein Hinwirken auf die Aufnahme der Rechte nichtmenschlicher Lebewesen in der Professionsethik.

Arbeitsformen

Ziel ist ein Präsenztreffen pro Jahr sowie weitere digitale Austauschtreffen, die aktuell ca. alle 8 Wochen stattfinden. Termine könnten bei den Fachgruppensprecher*innen erfragt werden. Darüber hinaus werden Informationen über eine Mailingliste ausgetauscht; zudem wird eine Online-Plattform zum ‚Wissens-Sharing‘ aufgebaut.

Neue aktive Mitglieder sind herzlich willkommen. Bei Interesse an einer Mitarbeit u.a. kontaktieren Sie gerne die Sprecher*innen.

 

„Wir rufen Kolleg:innen aus Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit auf den globalen Klimastreik von Fridays For Future FFF zu unterstützen und am Freitag, den 24. September 2021 für sozial gerechten Klimaschutz und Generationengerechtigkeit auf die Straße zu gehen. Damit schließen wir uns dem Aufruf der Scientists For Future an, die Wissenschaftler:innen aller Disziplinen aufrufen, die Proteste von FFF zu unterstützen (https://de.scientists4future.org/24-september-2021-aufrufe-der-wissenschaftlerinnen/). Es gibt deutschlandweit zahlreiche Orte, an denen gestreikt wird (https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/). 

Auch empfehlen wir bei der Bundestagswahl am 26. September die Partei zu wählen, die sich am überzeugendsten für die Abwendung der Klimakrise und der Zerstörung unserer Ökosysteme einsetzt. Dazu verweisen wir beispielsweise auf den Klimawahlcheck von Fridays For Future (klimawahlcheck.org) und eine Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, welche die klimapolitischen  Maßnahmen der Parteien überprüft hat, u.a. dahingehend ob sie für das Erreichen der Pariser Klimaziele ausreichend sind (https://diw-econ.de/wp-content/uploads/DIWEcon_Wahlprogramme_Plausibilitaetsanalyse_v2.0.pdf). Denn der Zeithorizont, um das 1,5 Grad Ziel des Pariser Klimaabkommens, zu dem sich Deutschland verpflichtet hat, noch zu erreichen und somit die stärksten Folgen der ökologischen Krisen zumindest deutlich abzumildern, ist kurz (siehe z.B. CO2-Countdown für das im Pariser Klimaabkommen verankerte 1,5 Grad-Ziel: https://www.mcc-berlin.net/fileadmin/data/clock/carbon_clock.htm).

In dem Zusammenhang ist auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Frühjahr 2021 nennen, welches geurteilt hat, dass die bisherige Klimapolitik der Bundesregierung Generationengerechtigkeit missachtet und Grund- und Freiheitsrechte der jungen Generation verletzt, weil diese hohe Reduktionslasten auf Zeiträume nach 2030 verschiebt. Wie stark die ökologischen Zerstörungen bereits fortgeschritten sind und inwiefern dadurch vor allem vulnerablere Bevölkerungsgruppen und weltweit die Realisierung von Menschenrechten immer mehr gefährdet sind, hat der im August veröffentlichte Bericht des Weltklimarates (IPCC) nochmal gezeigt. Im Sommer haben unter anderem die Überschwemmungen in Deutschland aufgezeigt, was auf uns zukommen könnte und wie teuer weiteres Nicht-Handeln ist: de.scientists4future.org/die-flutkatastrophe-im-juli-2021-in-deutschland-und-die-klimakrise-pm/.

Die Fachgruppe, die sich erst im Frühjahr gegründet hat, befasst sich beispielsweise damit, wie Verhältnisse sozialer Ungleichheit unter anderem im Kontext von Rassismus, Kolonialismus und Geschlechterverhältnissen die ökologischen Krisen verstärken und warum es bedeutsam ist vor allem über Klimagerechtigkeit und nicht nur über Klimaneutralität zu sprechen. Dies bedeutet zentral, das das Verhältnis von Menschen und der sie umgebenden natürlich Mitwelt anders zu denken ist (z.B. durch Anknüpfen an indigenen Wissensbeständen), dass die Soziale Arbeit sich wieder mehr mit sozialen Bewegungen zusammenschließen sollte und dass Klimagerechtigkeit bzw. ökologische Gerechtigkeit als Querschnittsthema in der Sozialen Arbeit zu etablieren ist. Neue Mitglieder sind willkommen.

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  • AK KRISA (Hrsg*in) (2015): Kritische Soziale Arbeit Im globalen Kontext. Dokumentation einer Fachtagung an der OTH Regensburg. Regensburg. Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg.        
  • Alinsky, S. D. (1999): Anleitung zum Mächtigsein. Ausgewählte Schriften. 2. Aufl. Göttingen: Lamuv (Lamuv-Taschenbuch, 268).
  • Anders, G. (1956/1992): Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution. 7. Auflage. München: Beck (Die Antiquiertheit des Menschen, / Günther Anders; 1).       
  • AGJ Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (2020): How dare you? Die Verantwortung der Kinder- und Jugendhilfe für die Umsetzung ökologischer Kinderrechte. Diskussionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe. www.agj.de/fileadmin/files/positionen/2020/How_dare_you.pdf (Abruf 05.03.2021).
  • Bartosch, U. (2020): Nachhaltigkeit ohne Soziale Arbeit? Entdecke die Weltrettung als sozialpädagogisches Projekt! In: Birgmeier, B. / Mührel, E., Winkler, M.: Sozialpädagogische SeitenSprünge. Weinheim 2020; S. 19-32.
  • Bauriedl, S. (Hrsg*in) (2016): Wörterbuch Klimadebatte. Bielefeld: transcript-Verlag.        
  • Becker, E. /Jahn, T. (Hrsg*in) (2006): Soziale Ökologie. Grundzüge einer Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen. Frankfurt (Main): Campus Verlag.       
  • Becker, E. (2016): Keine Gesellschaft ohne Natur. Beiträge zur Entwicklung einer Sozialen Ökologie. Frankfurt (Main): Campus Verlag.        
  • Bestvater, K. Pätzhold, H. (2020): Nachhaltigkeit, Sozialpädagogik und die Sustainable Development Goals - eine Beziehung mit Zukunft? In: Birgmeier, B. / Mührel, E., Winkler, M. HrgsIn):Sozialpädagogische SeitenSprünge. Weinheim 2020; S. 191-197.        
  • Blätter für deutsche und international Politik (Hrg*in) (2017): Mehr geht nicht! Der Postwachstums-Reader. Berlin. 2. Auflage        
  • Blöhbaum, H. (1992): Zur Dialektik des Ökologiebegriffs. Unter Berücksichtigung des Physisbegriffes bei Aristoteles. Frankfurt (Main): Lang.        
  • Blühdorn, Ingolfur et al. (2020): Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit. Warum die ökologische Transformation der Gesellschaft nicht stattfindet. Bielefeld.        
  • Böhnisch, L. (2020): Sozialpädagogik der Nachhaltigkeit. Weinheim        
  • Böhnisch, L. (2018): Die Verteidigung des Sozialen. Ermutigungen für die Soziale Arbeit. 1. Auflage. Weinheim, Basel: Beltz Juventa (Zukünfte).        
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  • Brand, U.; Wissen, M. (2017): Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur in Zeiten des globalen Kapitalismus. München: oekom verlag.     
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  • Klein, N./Gockel, G./Schuhmacher, S. (2019): Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann. 1. Auflage        
  • Klein, N. (2015): Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima. Frankfurt am Main: FISCHER Taschenbuch.
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  • Pelluchon, C. (2020): Wovon wir leben. Eine Philosophie der Ernährung und der Umwelt. Darmstadt: wbg Academic.        
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  • Rahmstorf, S./Schellnhuber, H-J. (2019): Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie. München: C.H. Beck        
  • Raile, P.; Rieken B. (2021): Eco Anxiety – die Angst vor dem Klimawandel; Psychotherapiewissenschaftliche und ethnologische Zugänge. Waxmann Verlag.       
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  • Rich, E. (2019): Losing Earth. Berlin Rowohlt Verlag       
  • Richter, H. (2019): Sozialpädagogik - Pädagogik des Sozialen. Grundlegungen, Institutionen und Perspektiven der Jugendbildung. 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 
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  • Shell Konzern (2019): 18. Shell Jugendstudie „Eine Generation meldet sich zu Wort“. Online unter: www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html (Abruf 19.12.2020).       
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  • Spatscheck, Christian/Villa, Matteo/Pereyra, Brenda/Reis, Rodrigo (2020). Die Corona-Krise, soziale Nachhaltigkeit und eine sozial-ökologische Soziale Arbeit. URL: sozpaed-corona.de/die-corona-krise-soziale-nachhaltigkeit-und-eine-sozial-oekologische-soziale-arbeit/ [Zugriffsdatum: 18. Mai 2021].     
  • Stamm, Ingo (2018): Umwelt, Ökologie und Nachhaltigkeit in den Ethikkodizes Sozialer Arbeit. Kein Thema für die Profession? In: Soziale Arbeit. 67. Jg. (12). S. 444–450.        
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  • Stache, Christian (2017): Kapitalismus und Naturzerstörung: Zur kritischen Theorie des gesellschaftlichen Naturverhältnisses. Budrich UniPress.     
  • The Lancet Commissions (2020): A future for the world's children? A WHO–UNICEF–Lancet Commission. Volume 395, ISSUE 10224, P605-658, February 22, 2020. www.thelancet.com/action/showPdf?pii=S0140-6736%2819%2932540-1 (Abruf 4.8.2020).        
  • Steffens, D./ Habekuss, F. (2020): Überleben. Zukunftsfrage Artensterben, Wie wir die Ökokrise überwinden. München. 3. Auflage        
  • Theuvsen, Ludwig/Andeßner, René Clemens/Gmür, Markus/Greiling, Dorothea (Hrsg*in) (2017): Nonprofit-Organisationen und Nachhaltigkeit. Wiesbaden: Springer Gabler.        
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  • Thunberg, G.; Thunberg, S.; Ernman, M. (2019): Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima.
  • Thunberg, G.; Bischoff, U. (2019): Ich will, dass ihr in Panik geratet! Meine Reden zum Klimaschutz. Originalausgabe.        
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  • Verch, J. (2012): Spätmoderne Naturbeziehungen. Ein kritischer Beitrag zum gegenwärtigen Ökodiskurs. In: Hammerich, K./Klein, M./Romich, M. (Hrsg*in): Minderheiten im Umgang mit der Na­tur (Naturschutz und Freizeitgesellschaft Band 10). Sankt Augustin 2012, 45-105.        
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  • WBGU (2016): Der Umzug der Menschheit. Die transformative Kraft der Städte. Hauptgutachten. Berlin.        
  • WBGU (2020): Landwende im Anthropozän. Von der Konkurrenz zur Integration. Hauptgutachten. Berlin.       
  • Weber, A. (2016): Enlivenment. Eine Kultur des Lebens. Versuch einer Poetik für das Anthropozän. Berlin: Matthes Seitz Verlag. •       
  • Weber, Andreas (2018): Indigenialität. Berlin: Nicolai Publishing & Intelligence GmbH. •       
  • Wendt, W. R. (2018). Wirtlich handeln in Sozialer Arbeit: die ökosoziale Theorie in Revision. Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich.        
  • Wetzel, J. (2019): Fridays for Future. 1. Auflage. München: Südeutsche Zeitung Edition.        
  • Winker, G. (2021): Solidarische Care-Ökonomie. Revolutionäre Realpolitik für Care und Klima. Bielefeld: transcript Verlag.        
  • Wright, E. O. (2017): Reale Utopien. Wege aus dem Kapitalismus. Frankfurt (Main): Suhrkamp.       
  • Wulf, C. (2020): Bildung als Wissen vom Menschen im Anthropozän. Weinheim: Beltz Juventa.                     

Artikel aus Zeitungen       

  • Abendblatt, Hamburger (2019): Hamburger Abendblatt - Die Dokumentation. Fridays For Future. Hamburg: Zeitungsgruppe Hamburg.        

Sonstiges       

  • Der junge DBSH hat einen Fachtag zum Thema veranstaltet: Nachhaltigkeit in der Sozialen Arbeit: Video (Abruf 12.05.2021)   
  • Climate Justice Program – International Federation of Social Workers (ifsw.org)